DLRG Heidelberg

„Person im Wasser!“ – Notrufe am Neckar

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Rettungstaucher im Einsatz.

Heidelberg - Rund 25 Mal im Jahr erhält die 70-köpfige Einsatzgruppe der DLRG den Notruf „Person im Wasser!“ – kein leichter Job. Nicht nur, weil das Einsatzgebiet enorm groß ist, sondern weil der Tod zum Tagesgeschäft gehört.

Das Einsatzgebiet der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) in Heidelberg reicht von Eberbach bis Mannheim und den Rhein-Neckar-Raum – das entspricht über 20 Streckenkilometern entlang des Neckars. 

Gerade vor wenigen Tagen (WIR BERICHTETEN) wurden die ehrenamtlichen Helfer mit Booten und Tauchern zu einem Noteinsatz gerufen, um gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr, der Wasserschutzpolizei und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in stundenlanger Suche eine Person aus den Fluten zu retten – in diesem Falle leider vergebens.

Polizei-Taucher finden Leiche im Neckar!

„Der Tod gehört dazu. Das muss man bei unseren Einsätzen einkalkulieren. Deswegen werden unsere Einsatzkräfte auch besonders gut ausgebildet und betreut“, erklärt Taucheinsatzführer Alexander Walter (43), 2. Vorsitzender der DLRG-Stadtgruppe. 

Zehn Mal wurde die DLRG über die Rettungsleitstelle im vergangenen Jahr an den Neckar im Stadtgebiet Heidelberg gerufen. Hauptgrund: Personen, die zumeist aus einer übermütigen Alkohollaune heraus von Brücken in den Neckar springen. „Sie wissen bei einem Sprung aus einer Höhe von 10 bis 15 Metern und einer Wassertiefe von teilweise nur drei Metern nicht, was sie tun. Die breiten Brückenpfeiler sind nicht gänzlich von oben erkennbar, die Strömung wird unterschätzt und die starke Abkühlung sorgt für einen Kreislaufkollaps“, erklärt Walter. 

„Person im Wasser!“ – Notrufe am Neckar

Im Juli letzten Jahres lösten zum Beispiel zwei junge Männer, die von der Ernst-Walz-Brücke sprangen, einen Großeinsatz aus. Sie überlebten den Sprung glücklicherweise. Nur zwei Monate später, im September 2014, musste ein Mann den Sprung vom Wieblinger Wehrsteg mit dem Leben bezahlen. Seine Leiche konnte erst nach Tagen in mehreren Kilometern Entfernung geborgen werden.

„Bei Hochwasserlagen und in heißen Sommern, wenn die DLRG im Wachdienst auch die Rettungsstation am Neuenheimer Neckarufer besetzt, sind wir besonders gefordert“, erläutert Andreas Keller (45), 1. Vorsitzender der DLRG-Stadtgruppe mit insgesamt 600 Mitgliedern. „Es kam vor, dass ein Betrunkener beim „Wasserlassen“ in die Fluten stürzte oder ein Mann ein Bad im extrem strömenden Hochwasser nehmen wollte.“ Andere kämen auf die Idee, Slackline-Spanngurte mit tonnenstarker Zugkraft vom Ufer bis auf die Neckarinsel zu spannen und damit Kanus, Boote, Fahrgastschiffe und damit Menschenleben zu gefährden. „Komplette Selbstüberschätzung“ nennt Keller auch die Ursache für einen Einsatz im extremen Hochwasser-Jahr 2013, als ein SUV-Fahrer leichtsinnigerweise die Straßenabsperrungen in Ziegelhausen umfuhr – und dann hilflos mitsamt seinem Fahrzeug aus den steigenden Fluten gerettet werden musste.

Dagegen sind die knapp 100 Erste-Hilfe-Leistungen pro Jahr auf der Neckarwiese vom Wespenstich bis zum Beinbruch beim Sport noch fast harmlos. Bei über 30 Veranstaltungen, wie u.a. bei den Schlossbeleuchtungen, beim Triathlon oder „Rudern gegen Krebs“ sind die Einsatzkräfte zusätzlich vor Ort. Viele junge Menschen engagieren sich während ihrer Studienzeit bei der DLRG-Stadtgruppe Heidelberg, wie z.B. Sara Mühl (25), die betriebswirtschaftliches Sozialengagement studiert: „Die Aufgaben bei uns sind anspruchsvoll. Neben der reinen Rettungsversorgung lernt man auch für sich persönlich sehr viel dazu. Und der Teamgeist stimmt.“

jb/rob

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