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Heidelberg: Stadträte wollen SUV-Verbot in Parkhäusern

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Von: Florian Römer

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Kommt in Heidelberg bald ein Parkhausverbot für SUV?
Kommt in Heidelberg bald ein Parkhausverbot für SUV? © freepik.com-Evening_Tao,Gstudioimagen,Mark.rimsky/Montage Thomas Horst/HEIDELBERG24

Heidelberg - Sport Utility Vehicles, kurz SUV, „verschönern“ allenthalben das Stadtbild. Zumindest Parkhäuser sollen SUV künftig nicht mehr ansteuern dürfen, fordern Gemeinderäte:

Sie sind ein Symbol unserer Zeit: Geländeartige „Sport Utility Vehicles“, besser bekannt als SUV, prägen immer stärker das Stadtbild. Dabei sind sie ob ihrer Größe und ihres Gewichts für den Stadtverkehr alles andere als prädestiniert. Zudem sind viele SUV richtige Benzinschlucker ‒ und damit wenig umweltverträglich. Immer wieder wird die Forderung laut, SUV aus den Innenstädten zu verbannen.

In Heidelberg wollen Gemeinderäte von Bunte Linke und der Fraktion Die Linke das Thema jetzt auf die Agenda setzen. Für den Haupt- und Finanzausschuss fordern sie in einem Antrag, den „Zugang von Fahrzeugen zu den Parkhäusern der Stadt zu beschränken“. Künftig sollen nur noch Fahrzeuge die Heidelberger Parkhäuser anfahren dürfen, „die die Maße einhalten für die sie ursprünglich gebaut wurden und die ein Gewicht von 1,8 Tonnen nicht überschreiten.

Heidelberg: Bald Parkhausverbot für SUV?

Bereits im Juli beschäftigte sich der Heidelberger Gemeinderat mit dem Antrag und verwies ihn in die Ausschüsse zurück. Inzwischen wurden die Forderungen auch von den Stadtwerken Heidelberg Garagen (SWH-G) geprüft: Als Parkhaus-Betreiber lehnt man ein Einfahrts-Verbot für „bestimmte Fahrzeuggruppen“ ausdrücklich ab. In den Parkhäusern Kraus (P6), Friedrich-Ebert-Platz (P10), Kornmarkt (P12) oder Nordbrückenkopf (P16) führten Fahrzeuge mit einem Gewicht über 1,8 Tonnen „nach aktuellem Kenntnisstand“ zu keinen negativen Auswirkungen an der Bausubstanz, so die SWH-G.

StadtFläche
Fläche108,84 km²
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dezember 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Auch eine Definition der Maße, für die die Fahrzeuge ursprünglich gebaut wurden, gestalte sich schwierig: Allein zwischen 1999/2000 und 2010 sind Fahrzeuge ohne Spiegel durchschnittlich um 15 Zentimeter in die Breite und um 19 Zentimeter in die Länge gewachsen. Die gesetzlich (2,30 Meter) und vom ADAC (2,50 Meter) geforderten Mindestbreiten für Parkplätze in Parkhäusern reichen für die meisten Fahrzeuge aus. Mit Ausnahme von vollbelegten Parkhäusern sei auch das „Überparken“ auf einen angrenzenden Parkplatz „in der Regel“ kein großes Problem.

Bootet SUV-Verbot Familien und umweltfreundliche E- oder Hybrid-Fahrzeuge aus?

Problematisch sieht der städtische Parkhausbetreiber hingegen den möglichen Ausschluss von verschiedenen Nutzergruppen wie Familien. Aufgrund des Gewichts müssten einige Fahrzeuge aus der Familienklasse (Kleinbusse, Vans) draußen bleiben. Familien mit mehreren Kindern bliebe die Zufahrt verwehrt. Auch viele umweltfreundliche E- oder Hybrid-Fahrzeuge dürften bei einer Gewichtsbeschränkung städtische Parkhäuser nicht mehr ansteuern. Sie sind in der Regel schwerer als Benziner oder Diesel-Autos, im Schnitt rund 300 Kilogramm. In der Praxis könne ohnehin nicht kontrolliert werden, ob Fahrzeuge in Sachen Maße und Gewicht zufahrtsberechtigt seien. Dazu müssten Fahrzeuge bei der Einfahrt gescannt und gewogen werden.

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Auch aus wirtschaftlicher Sicht stemmen sich die SWH-G gegen ein SUV-Verbot in ihren Parkhäusern. Immerhin haben SUV mittlerweile einen Anteil von rund 35 Prozent an den Neuzulassungen. 2026 dürften SUV nach Schätzungen fast die Hälfte der Neuzulassungen ausmachen. „Hinzu kommen die Fahrzeuge aus den Bereichen der Familien-Vans, Kleinbusse, Limousinen ab der oberen Mittelklasse und eine Reihe verschiedener Elektro-Fahrzeuge, die künftig nicht mehr in den Garagen der SWH-G parken könnten.“ Sollte der Antrag durchgehen, wären rund ein Drittel bis die Hälfte der Parkhaus-Kunden von der Einfahrt ausgeschlossen, schätzt man bei der SWH-G. Das würde einen jährlichen Umsatzverlust von 900.000 bis 1,4 Millionen Euro bedeuten.

Der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigt sich am Mittwoch (27. Oktober, 17:30 Uhr) mit dem SUV-Verbot für städtische Parkhäuser in Heidelberg. (rmx)

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