„Sie wollte ihr Leben umkrempeln“

Prozess um Julia B.: Die zerrüttete Beziehung zu Johann N.!

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Fünfter Prozess-Tag gegen Johann N. (Archivfoto)

Heidelberg - Am Montag befasst sich das Landgericht erneut mit dem grausamen Tod der 26-Jährigen. Dieses Mal geht es um das Liebesleben und die Beziehungen der Heidelbergerin:

Julia wollte eine offene Beziehung mit Johann N. führen. Im Prozess wird nun deutlicher, was damit gemeint war.

Am fünften Prozesstag gegen Johann N. rufen die Geschworenen Zeugen aus Julias engstem Bekanntenkreis auf. Auch ein Ex-Freund, ihre beste Freundin und Dirk – den Mann, den sie am Wochenende, als sie starb, besuchen wollte – sagen am Montag (5. März) vor dem Heidelberger Landgericht aus. 

Einen Tag vor ihrem Tod schaut sich Julia eine Wohnung an

Am 11. August besichtigte die Heidelbergerin um 19 Uhr eine Wohnung in Nußloch - nur für sich und ihren Hund. Sie habe sofort einziehen wollen, berichtet der Vormieter der Wohnung. Je schneller, desto besser, soll die 26-Jährige damals gesagt haben. Sie schien es besonders eilig zu haben...

„Sie war einfach nicht mehr glücklich“

Als Anja, Julias beste Freundin, sie beschreiben muss, steht sie den Tränen nahe. „Sie war eine starke Persönlichkeit“, meint die gelernte Laborkraft. Auch Anja kann bestätigen, dass Julia in ihrer Beziehung nicht mehr glücklich war. Sie brauchte mehr Freiraum und die Faulheit ihres Lebensgefährten hätte sie damals gestört. Sie wollte ihr Leben umkrempeln, meint die beste Freundin vor Gericht. Julia wollte den Job wechseln, ausziehen und hatte sich bereits im Fitnessstudio angemeldet. 

Heimliche Treffen

Anja erzählt, dass Julia einen geheimen Textnachrichtendienst benutzte, um Mitteilungen vor ihrem Freund zu verheimlichen, die er nicht lesen sollte und durfte. Nach dem Lesen habe sich die Mitteilung sofort wieder gelöscht. 

Auch soll Julia B. die Dating-App ‚Lovoo‘ genutzt haben, aber rein „just for fun“ – wie sie zu ihrer kleinen Schwester Jenny gesagt haben soll. Über die App hatte die 26-Jährige unter anderem Uwe kennengelernt. Auf eine Zigarette hatten sich beide Ende Juli getroffen. Im Gespräch hätte Julia gestanden, dass es bei ihrer jetzigen Beziehung nicht mehr gut laufe und sie bereits getrennt von Johann schlafe.

Vor rund 7 Jahren zuletzt gesehen

Auch Dirk, der ‚Grund‘ weshalb sich Julia und Johann in ihrer Todesnacht gestritten haben sollen, sagt am Montag vor Gericht aus.

Sie hatte ihn vor rund sieben Jahren zuletzt gesehen – damals auch nur für zwei, drei Tage. Beide hätten sich in Marburg kennengelernt und sich gut verstanden, wie der 32-Jährige erklärt. Doch danach war der Kontakt lange Zeit stillgelegt. 

Kurz vor ihrem Verschwinden habe Julia ihn wieder über die Dating-App angeschrieben. Es stand die Überlegung im Raum, dass er sie in Heidelberg treffe und sich ein Doppelzimmer nehme oder ob sie ihn besuche – was Julia letztlich am Sonntag den 13. August als Überraschung geplant haben soll, wie die Schwester von Dirk am Montag erzählt.

Thailand-Urlaub gebucht

Johann und Julia hatten eine Reise nach Bangkok geplant und auch schon gebucht - ohne Reiserücktrittsversicherung. Allerdings rief die Heidelbergerin am 8. August beim Reiseveranstalter an und fragte, ob eine Namensänderung möglich sei. Sie wollte stattdessen mit Dirk verreisen, wie es im polizeilichen Protokoll von Julias Bruder, das am Montag vorgelesen wird, heißt.

Und wer ist Johann?

Alle geladene Zeugen, darunter auch beide Schwestern von Julia B., beschreiben die Heidelbergerin eher als temperamentvoll – ganz im Gegensatz zu Johann. Ihn beschreiben die Zeugen als ruhigen, netten und aufgeschlossen Kerl. Jessy, die 17-jährige Schwester von B., dachte sogar, dass Johann „gut für Julchen“ sei

Ein Freund des Angeklagten meint zudem vor Gericht, dass N. Julia geliebt und nie nach anderen Frauen geschaut habe – auch nicht während ihrer Trennungsphase im März, während Julia mit einem anderen zusammen war. 

Der Freund erzählt außerdem, dass Johann ihm über Julias Verschwinden berichtet hat. „Er machte sich Sorgen. Er hoffte, dass sie wieder auftaucht.“

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Der Prozess wird am Donnerstag (8. März) um 9 Uhr fortgesetzt.

jol/hew

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