Grausige Fotos vor Gericht

„Intuition“: Wie die Fahnder auf Julias Leiche stießen

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An einem Feldweg nahe der A5 bei Zwingenberg stießen die Ermittler auf die Leiche von Julia B. (Archivbild).

Heidelberg - Am vierten Prozesstag um den gewaltsamen Tod von Julia B. berichten die Ermittler, wie sie auf die Leiche stießen! Als die Fotos der Leiche gezeigt werden, blickt Johann N. weg.

Vierter Prozesstag um den gewaltsamen Tod von Julia B.

Es sind heftige Bilder, die die Zuschauer am Freitag (2. März) am Heidelberger Landgericht zu sehen bekommen. Ein halbes Jahr nachdem die Leiche von Julia B. in einem Entwässerungsgraben nahe der A5 bei Zwingenberg gefunden wurde, sagen die Fahnder vor Gericht aus.

„Bin meiner Intuition gefolgt“

Eine Kriminalbeamtin, die im Dezernat ‚Fahndung‘ mit dem Auffinden der seit 12. August 2017 vermissten Julia B. betraut war, beschreibt bei Gericht, wie sie auf die Leiche stieß. Sie war schon zuvor an den umfangreichen Suchaktionen beteiligt.

Nachdem sie in den sozialen Medien ein Foto vom Angeklagten am Auerbacher Schloss gesehen habe, sei sie am Morgen des 1. September gemeinsam mit einem Kollegen dort hin gefahren. Als Anhaltspunkte dienten den Fahndern der ungefähre Kilometerradius und Gras-, Erd- und Strohspuren, die Kriminaltechniker an den hinteren Radkästen des Dienstwagens von Julia B. gefunden hatten. Man habe den Verdacht gehabt, dass man an einem Feldweg suchen müsse, erläutert die Fahnderin in der Sitzung.

Als sie am Schloss Auerbach nicht fündig wurden, starteten die Beamten am Mittag einen zweiten Anlauf. Sie habe versucht, sich in den Täter hinein zu versetzen, beschreibt die Fahnderin ihre Vorgehensweise. Von der A5 kommend bogen sie knapp 500 Meter nach der Autobahnabfahrt nach rechts in einen Feldweg ein. Dort sei sie ausgestiegen und einen weiteren Weg einige hundert Meter in Richtung eines kleinen Wäldchens gegangen. Der Feldweg ist zur rechten Seite durch eine Baumreihe und Brombeeren begrenzt, dazwischen liegt ein stark bewachsener Entwässerungskanal.

Wegen der großen Hitze habe sie auf halber Strecke kehrt gemacht und sei zum Wagen zurückgegangen, in dem der Kollege auf sie wartete. Auf dem Rückweg zum Auto habe sie einen „komischen Geruch“ wahrgenommen, beschreibt die Fahnderin. Sie stieg zurück in den Wagen. Als der Kollege das Auto wendete, habe sie ein Gefühl bekommen, sie könne noch nicht weg. 

Ich bin meiner Intuition gefolgt, bin wieder ausgestiegen und erneut auf den Feldweg gegangen. Nach etwa 50 Metern habe ich dann einen deutlichen Verwesungsgeruch aus dem Graben wahrgenommen.

In den hüfthohen Brennnesseln im Graben habe sich eine kaum bemerkbare Lücke aufgetan. Zunächst habe sie versucht, mit Plastiktüten die Brennnesseln zur Seite zu biegen, um einen Blick in den gut zwei Meter tiefen Kanal zu bekommen. Neben dem stärker werdenden Verwesungsgeruch, deuteten auch eine Vielzahl von Fliegen darauf hin, auf der richtigen Spur zu sein. 

Ihr Kollege sei schließlich in den Graben gesprungen und habe die Leiche entdeckt: „Er sagte nur kurz ‚Das ist sie!‘ und dann kletterten wir wieder auf den Feldweg zurück.

Frauenleiche auf Feldweg gefunden!

Stark verweste Leiche

Der Kriminalbeamte muss B. anhand der Kleidung identifiziert haben, keinen anderen Schluss lassen die Fotos vom Fundort zu, die im Anschluss bei der Aussage des leitenden Kriminaltechnikers gezeigt werden.

Angehörige von Julia B. haben zu diesem Zeitpunkt auf Anraten des Vorsitzendenen Richters Herkle bereits den Verhandlungssaal verlassen. „Man konnte die Leiche im etwa 1,80 Meter tiefen Graben vom Feldweg aus nicht sehen“, bestätigt der Kriminaltechniker seine Kollegin, ehe er die Fotos der bereits stark verwesten Leiche nachzeichnet: 

(Achtung, es folgt eine sehr detaillierte wörtliche Wiedergabe des Kriminaltechnikers!)

Skelettierter Kopfbereich, bei dem der Unterkiefer abgefallen ist. Der Hals ist fast nicht mehr zu erkennen. Hände und Füße teilgummifiziert. Der rechte Ärmel einer dunklen Bluse hochgeschoben. Die Fingernägel bereits abgefallen, die Nägel vom linken und vom kleinen Zeigefinger konnten wir nicht finden“, beschreibt der Kriminaltechniker die grausige Szenerie.

Während die rund 60 Aufnahmen der Leiche im Saal gezeigt werden, wendet sich der Angeklagte Johann N. ab, lässt den Kopf kurz auf die Tischkante fallen. Danach schließt er die Augen und legt den Kopf auf seine gefalteten Hände. Erst, als der Beamer ausgeschaltet wird, schaut er wieder auf.

Der Prozess wird am Montag (5. März/9 Uhr) fortgesetzt.

rmx

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