Prozess um getötete Julia B. (†26)

„Völlig fehlendes Bedauern“: Psychologe analysiert Johann N.!

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Der Prozess um Julia B. neigt sich am Montag (19. März) dem Ende zu. (Archivbild)

Heidelberg - Am siebten Prozesstag im Fall Julia B. werden das rechtsmedizinische und das psychiatrische Gutachten verlesen. Die Details um den Tod der 26-Jährigen: 

Der Angeklagte, Johann N., läuft mit gesenktem Blick in den Gerichtssaal ein. Er weiß, dass es der letzte Prozesstag sein wird, bevor das Urteil fällt. 

Am Montag (19. März) geht es um die gerichtsmedizinischen und psychologischen Ergebnisse – und vor allem darum, wie Julia letztendlich gestorben ist. Die Leiche der 26-Jährige wurde im stark verwesten Zustand aufgefunden: der Kopf schon vollkommen skelettiert und vom Körper abgetrennt, der Hals fehlt. Trotzdem behauptet die Staatsanwaltschaft, dass Johann N. seine Freundin erwürgt habe. Woher kommt diese Vermutung?

Während die Obduktion keine eindeutigen Ergebnisse zur Todesursache liefert, hat die Gerichtsmedizinerin Dr. Stein eine sehr genaue Theorie zu Julias Tod. Sie hat den gesamten Prozess verfolgt, die Aussage des Angeklagten und die der Zeugen einbezogen und ist zu dem Schluss gekommen, dass Johann N. seine Lebengefährtin erwürgt oder erdrosselt haben muss.

„Es wurde keine Gewalt auf den Kopf angewendet, die ausgereicht hätte, Julia zu töten“, so die Aussage der Rechtsmedizinerin. Sonst hätten die Polizisten Blut am Tatort entdeckt. Auch am Schädel selbst finden sich keine Verletzungen.

In seinem Geständnis behauptet der Angeklagte, dass er Julia geschubst habe. Sie sei mit dem Kopf gegen einen Stuhl gefallen und sofort tot gewesen. 

Laut Gerichtsmedizinerin hätte man dies aber während der Obduktion anhand der Gehirnmasse feststellen können – das sei nicht der Fall gewesen. Die Expertin bezweifelt auch, dass Johann N. den Tod seiner Freundin so schnell feststellen konnte – und den Zustand von Julia B. von einer „starken Bewusstlosigkeit“ habe unterscheiden können.

Nach der Aussage der Gerichtsmedizinerin bittet die Verteidigung um einer Unterbrechung. Nach der Pause wird eine neue Theorie aufgestellt: Könnte Julia B. noch gelebt haben, als sie Johann N. in den Kofferraum legte? Ist sie vielleicht erst auf dem Weg oder gar erst an ihrem späteren Fundort gestorben?

Das würde der Aussage des Angeklagten völlig widersprechen... 

Über seine Verteidiger lässt Johann N. verlauten, dass er für ein psychologisches Gutachten nicht zur Verfügung stehe. Stattdessen ist während des gesamten Prozesses ein Psychologe anwesend, der anhand von Beobachtungen des Angeklagten und der Zeugen eine Diagnose erstellt

Johann N. habe eine „ausgeglichene und flexible Persönlichkeit“, erklärt der Psychologe am Montag. Seine Eifersucht sei eine „normale Reaktion auf eine Beziehung, die einem in den Händen zu zerrinnen scheint.“ Außerdem schließe er eine Persönlichkeitsstörung aus und glaube auch nicht, dass er zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig gewesen sei.    

Jedoch sieht der Experte auch das „völlig fehlende Bedauern“ des Angeklagten! Vor allem an den WhatsApp-Nachrichten an seine Freunde habe man dies besonders gemerkt. Die Beleidigungen gegen das Opfer zeige „eine gewisse Übereinstimmung mit der Tat.“ 

Außerdem sei die Tötung nicht das Verhalten einer „Affekthandlung“, so der Psychologe. Wäre die Tat im Affekt geschehen, so hätte er danach deutlich anders reagiert – zum Beispiel mit Reue.

Der Prozess im Überblick

Hintergrund

Julia B. wird am 13. August 2017 vermisst gemeldet. Beamte der Kripo finden am 1. September die Leiche der Heidelbergerin in stark verwesten Zustand in der Nähe der A5 bei Zwingenberg.

Großangelegte Suche nach Julia B.

Im Rahmen der Ermittlungen fällt der Verdacht schnell auf den Lebensgefährten der Toten, Johann N.. Seit August 2017 sitzt er in Untersuchungshaft.

kab/jab

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