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Heidelberg: „In 25 Jahre noch nie erlebt!“ Krawalltourismus in Altstadt hat massiv zugenommen

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Von: Daniel Hagen

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Heidelberg - Seit den Lockerungen kommt es auf der Neckarwiese und der Altstadt immer wieder zu unschönen Szenen. Darüber klagen auch Anwohner und Hotelbetreiber.

Als die Coronamaßnahmen vor wenigen Wochen gelockert werden können und gleichzeitig der Sommer beginnt, freuen sich zahlreiche Menschen darauf, abends endlich wieder ausgehen und mit Freunden etwas trinken zu können. Doch unter den harmlosen Partygängern schlummern auch immer wieder schwarze Schafe, wie die Polizei der Stadt Heidelberg am Pfingstwochenende zum ersten Mal feststellen muss. Als Folge auf Beleidigungen, Schmähgesänge und Flaschenwürfe wird die Neckarwiese geräumt. Diese Prozedur wiederholt sich in den Wochen darauf immer wieder. Daher will die Stadt nun gegen „Krawalltouristen“ vorgehen.

NameHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Hotelbetreiber klagt über Lärm und Schmutz auf der Alten Brücke

Doch nicht nur auf der Neckarwiese gibt es Probleme. Auch die Altstadt und die Alte Brücke werden bis spät in die Nacht von Partygängern belagert. Auf Nachtruhe, Alkoholverbot und Corona-Maßnahmen wird dabei eher selten Rücksicht genommen. Neben den Anwohnern sind auch Gaststätten- und Hotelbetreiber genervt. „Das Geschehen ist deutlich schlimmer als vor Corona um nicht zu sagen, dass ich das in 25 Jahren noch nie erlebt habe!“, klagt Alexander Beck, Geschäftsführer des „Hotel zur Alten Brücke & Wirtshaus zum Nepomuk“. Sein Etablissement befindet sich nur wenige Meter von der Alten Brücke entfernt.

Von Alexander Beck erhalten wir Videoaufnahmen, die nach seiner Aussage an einem Sonntagmorgen um 2:30 Uhr aufgenommen worden sind. Zu sehen ist eine große Gruppe auf der Brücke, die Musik hört und feiert. Laut dem Hotelbetreiber sei es aktuell der „neuste Sport“, mitten in der Nacht betrunken auf E-Scootern zu fahren. Nach der Party bleiben in den meisten Fällen Glasscherben und Müll auf der Brücke und der gesamten Altstadt zurück. Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles, was in Deiner Stadt passiert.

Heidelberg: OB Würzner will gegen „Krawalltouristen“ vorgehen

„Auch vor Corona wurde in der Altstadt ausgiebig gefeiert. Aktuell erleben wir aber in der Altstadt einen Zustrom an feierwilligen Personen bislang unbekannten Ausmaßes, insbesondere, was das Klientel betrifft. Es gibt eine hohe Anzahl an Personen, die gewaltgeneigt sind und soziale Grenzen überschreiten. Das Party-Volk rund um die Alte Brücke hat es so bislang nicht gegeben“, bestätigt Nina Stöber von der Stadt Heidelberg auf Anfrage. Man stelle zudem eine Zunahme von Beschwerden aus dem Bereich der Kernaltsatdt fest.

„Letztlich leiden wir alle unter diesem Krawalltourismus, den wir in den vergangenen Wochen erleben mussten. Es gab Übergriffe auf Unbeteiligte, viele bekommen es mit der Angst zu tun und meiden bereits Neckarwiese und Altstadt – und genau das darf nicht passieren. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam mit der Polizei entschieden vorgehen. Die Gefahrenlage ist eindeutig. In sozialen Netzwerken wird mittlerweile bundesweit mobilisiert. Das Polizeipräsidium Mannheim setzt längst spezialisierte Ermittler ein. Wir werden klare Zeichen setzen: Krawallmacher und Randalierer bekommen in Heidelberg keinen Meter Raum!“, erklärt Oberbürgermeister Eckart Würzner und sagt damit den „Krawalltouristen“ den Kampf an.

Heidelberg: Gespräch zwischen Stadt, Betreibern, Polizei und Nachtbürgermeistern geplant

Um die Situation in der Altstadt und auf der Neckarwiese zu verändern, sind bereits verschiedene Verbote erlassen worden. So gibt es an Wochenenden ein Alkoholkonsumverbot ab 24 Uhr und ein Alkoholabgabeverbot ab 23 Uhr, das gerade erst erneut verlängert worden ist. Zudem sind die Dienstzeiten des Kommunalen Ordnungsdienstes angepasst worden, um nachts mehr Präsenz zu zeigen. „Die Gefahrenabwehr steht an erster Stelle, aber es sind auch präventive Maßnahmen geplant zusammen mit den Nachtbürgermeistern. Eine enge Einbindung von Gastronomen und Hoteliers ist Teil des Konzepts“, schreibt Nina Stöber.

Aus diesem Grund findet am Mittwoch (7. Juli) ein Gespräch der Stadt mit Gastronomen, den Nachtbürgermeistern und der Polizei statt. Zusammen soll eine Strategie gegen die aktuelle Situation gefunden werden. „Wer randaliert, muss gehen! Beim Feiern ist vieles erlaubt und feiern bedeutet auch, frei zu sein. Aber die eigene Freiheit endet dort, wo ich die des Anderen einschränke – und das geschieht mit Gewalt und Randale“, mahnen die beiden Nachtbürgermeister Jimmy Kneipp und Daniel Adler. Man dürfe nicht tatenlos zusehen, wie „Krawallmacher“ aus ganz Deutschland Heidelberg als Bühne missbrauchen. (dh)

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