Rassismus-Debatte

Student stellt Anzeige: „Gasthaus zum Mohren“ – ist der Name rassistisch?

Heidelberg - Weltweit wird über Rassismus debattiert, jetzt hat die Diskussion auch die Universitätsstadt am Neckar erreicht: Gegen einen 200 Jahre alten Kneipen-Namen wurde Anzeige erstattet.

  • Die Rassismus-Debatte hat auch die Universitätsstadt Heidelberg erreicht.
  • Ein Jura-Student hat Anzeige gegen den Namen einer Heidelberger Altstadt-Kneipe erstattet.
  • Die Gaststätte zählt zu den ältesten der Stadt.

Nach den Corona-bedingten Kneipen-Schließungen erwacht die Heidelberger Altstadt langsam wieder zum Leben. Das bei Studenten, Einwohnern und jungen Menschen beliebte Ausgehviertel im Herzen der Universitätsstadt steht seit einigen Jahren wegen der Sperrzeiten im Fokus. Anwohner hatten bei Gericht strenge Kneipenöffnungszeiten durchgesetzt, dagegen war der Gemeinderat in Berufung gegangen. Um die angespannte Situation zwischen lärmgeplagten Anwohnern, Gastronomen und Feiernden zu entzerren, soll künftig ein Nachtbürgermeister die Konflikte in der Altstadt managen.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Rassismus-Debatte in Heidelberg: Kneipen-Name in der Kritik

Das Gastro-Zentrum in Heidelberg befindet sich in der Unteren Straße. Hier reihen sich Kneipen, Bars und Restaurants aneinander wie Perlen auf einer Kette. In lauen Sommernächten ist das Gedränge in der „Unteren" bis in die frühen Morgenstunden groß - ebenso verhält es sich mit dem Lärm.

Neben der Lärm-Debatte hat jetzt auch das Thema Rassismus Heidelberg und seine beliebte Altstadt erreicht. Die Diskussion entzündet sich an eine Kneipe die an einem Ende der Unteren Straße liegt: dem „Gasthaus zum Mohren“. Wie HEIDELBERG24* berichtet, ist der Begriff „Mohr“ dunkelhäutigen Menschen gegenüber diffamierend und gehört abgeschafft, finden einige. Vor Corona schien der Name der bei Studenten und Feiernden beliebten Party-Kneipe die wenigsten Gäste zu stören. Hunderte feierten im „Mohr“ regelmäßig bis in die Morgenstunden.

Rassismus-Diskussion in Heidelberg: Student stellt Anzeige gegen „Mohr“

Am Freitag (3. Juli) hat ein Jura-Student wegen des Kneipen-Namens Anzeige wegen den Beleidigung gestellt. Gegenüber der „Rhein-Neckar-Zeitung“ erklärt Maurice Ehinlanwo, „im Namen der Kneipe komme Geringschätzung zum Ausdruck“. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines deutschen Vaters mit nigerianischen Wurzeln fühle sich Ehinlanwo persönlich betroffen.

Mir wäre es recht, wenn diese Gaststätte mit diesem Namen in Zusammenhang gebracht werden würde“, sagt Simon Wakeling, der den „Mohr“ betreibt. Die Kneipe besteht mit dem aktuellen Namen seit über 200 Jahren - und zählt zu den ältesten der Stadt. Wakeling hatte bei der Pachtübernahme im Jahr 1994 den Namen ändern wollen, das hatte die Vermieterin aber strikt abgelehnt.

Im Zuge der Diskussion um den Kneipen-Namen schlägt der Gastronom eine Abstimmung in der Altstadt vor: „Soll der Laden zwangsmäßig umbenannt werden? ‚Ja‘ oder ‚Nein‘“. Mit dem demokratischen Ergebnis könne er leben, meint Wakeling, der wegen der Corona-Pandemie im März 24 Mitarbeiter entlassen musste und bislang keinen Cent mehr verdient hat. Eine Namensänderung würde mehrere tausend Euro kosten.

Rassismus-Diskussion: „Sarotti-Mohr“ in Mannheim verhüllt

Auch im benachbarten Mannheim entzündete sich unlängst eine „Mohren“-Diskussion. Stein des Anstoßes im Foyer des Veranstaltungshauses „Capitol“ ist ein Werbeschild: Neben den großen „Sarotti“-Lettern stehen zwei runde Boxen in denen früher Sarotti-Schokoloade verkauft wurde. Auf dem Deckel prangt der „Sarotti-Mohr“, den der Hersteller seit 1918 auf seine Schokoladenprodukte druckt. Im Jahr 2004 ersetzt Hersteller Stollwerck das kleine, schwarze Männchen in Pluderhosen, mit Schnabelschuhen, Turban und Tablett in der Hand durch den „Sarotti-Magier“.

Im Foyer prangen die beiden Embleme mit dem „Sarotti-Mohr“ über der Bar. (Archivfoto)

Nachdem Teilnehmer einer Veranstaltung zum Thema Alltagsrassismus die Werbefiguren im Oktober 2018 entdeckten, entbrannte eine Debatte. Eine Seite sah in dem Aufbegehren gegen den Sarotti-Mohr „krankhafte politische Korrektheit“, die andere interpretierte ihn als Symbol des Kolonial-Rassismus und als Zeichen mangelnden Feingefühls gegenüber dunkelhäutigen Menschen. Als Folge der Diskussion ließ das Capitol in Mannheim die Reklame-Schrift und beide Boxen in Jute verhüllen. (rmx) *HEIDELBERG24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24/Florian Römer

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