Offener Brief zur Standortdiskussion

Jetziger Betriebshof „nicht tragbar“: RNV fordert Entscheidung von Gemeinderat!

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RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek (li.) will den Betriebshof auf die Ochsenkopfwiese verlagern (Archivbild).

Heidelberg - Am Donnerstag soll eine Entscheidung über den Standort des Betriebshof fallen. Die RNV-Chefs plädieren eindringlich für eine Verlagerung an den Ochsenkopf:

„Spannung“ und „Sorge“. Mit gemischten Gefühlen blicken die beiden RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek und Christian Volz derzeit nach Heidelberg. Der Grund: Am Donnerstag (22. November, 16 Uhr) soll der Gemeinderat eine Entscheidung über den künftigen Standort des maroden Betriebshof in der Bergheimer Straße fällen. Bislang findet keiner der drei möglichen Standorte eine Mehrheit. Zwar wurde sowohl im Verkehrs- als auch im Hauptausschuss heftig über einen Neubau an der Bergheimer Straße, eine Verlagerung an den Ochsenkopf oder eine eingehendere Prüfung des Airfield diskutiert. Durchsetzen konnte sich in den Gremien aber keine der drei Varianten. Diese Patt-Situation treibt die RNV-Chefs um.

Oft gelesen: Betriebshof-Verlagerung: DIESES Bier ‚rettet‘ die Ochsenkopf-Wiese!

Eine Beibehaltung des Status quo des heutigen Betriebshofes an der Bergheimer Straße ist für uns die schlechteste und nicht tragbare Alternative“, schreiben in der Beek und Volz deshalb in einem offenen Brief an die Stadträte. Der Betriebshof widerspreche heute „den Anforderungen eines zukunftsfähigen öffentlichen Personennahverkehrs.

Bundesweit werde von der Verkehrswende und der Stärkung des ÖPNV über Streckenausbau und Angebotsverbesserung gesprochen - dabei fehlten in Heidelberg schon jetzt „für den heutigen Fuhrpark adäquate Werkstatt- und Abstellanlagen.“ Statt Millionen in Instandhaltungen zu investieren müsste man sich endlich für einen Neubau entscheiden, fordern die RNV-Chefs.

Eine Frage der Kapazität?

Das Verkehrsunternehmen hat mit Blick auf die Verkehrswende erst im Sommer 80 neue Stadtbahnen bestellt (Investitionsvolumen: 250 Millionen Euro), darunter auch Straßenbahnen von 40 Metern Länge und 2,40 Meter Breite, erklären die beiden Geschäftsführer. 

Diese seien für den bestehenden Betriebshof an der Bergheimer Straße schlichtweg zu groß. Die Hallen dort seien für 15 Meter lange und 2,20 Meter breite Bahnen ausgelegt. Schon jetzt müsse die RNV „Fahrzeuge außerhalb der Abstellbereiche“ abstellen und aufwendig rangieren: „Wir spielen hier regelrecht ‚Tetris‘.“ Für die zusätzlichen und längeren Fahrzeuge werde man „ohne einen neuen Betriebshof aufwendige Provisorien mit Zuführung von anderen Standorten entwickeln müssen“, warnen die RNV-Chefs: Dadurch würden Betriebskosten und Risiken von Betriebsstörungen steigen.

Was in der Beek und Volz in ihrem Brandbrief nicht erwähnen: Neben 37 40-Meter-Bahnen hat die RNV 31 30-Meter-Wagen bestellt, die theoretisch auch in Heidelberg eingesetzt und gewartet werden könnten.

Sanierungsstau und verlorene Planungsgelder

Seit den 1990ern wird in Heidelberg über den Betriebshof gestritten, eine Entscheidung immer wieder aufgeschoben. Inzwischen herrsche an der Bergheimer Straße ein regelrechter „Sanierungsstau“. HSB und RNV rechnen in den kommenden sechs Jahren mit fast 8,5 Millionen Euro Kosten für notwendige Instandhaltungen am jetzigen Standort.

Die RNV will den Betriebshof an der Bergheimer Straße verlagern.

Ab 2025 werden laut in der Beek und Volz weitere Millionenbeträge hinzukommen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können - und das, ohne die Prozessabläufe zu verbessern oder Kapazitäten zu steigern. Das betreffe „u.a. die Erneuerung der Kellerdecke in H5 aufgrund von Chloridbelastung, die Anpassung der Werkstatt an den wachsenden Anteil von 40-Meter-Fahrzeugen, die konstruktive Erneuerung von Tragwerken, die energetische Ertüchtigung der baulichen Anlagen sowie die Erneuerung von Büro- und Sanitärräumen.

Sollte der Betriebshof nicht an den Ochsenkopf verlagert werden, müssten Stadt und RNV insgesamt 4,2 Millionen Euro abschreiben, die sie bislang in die Planung eines Neubaus dort gesteckt haben, argumentiert das Verkehrsunternehmen. Auch die Arbeitsbedingungen an der Bergheimer Straße entsprächen nicht mehr den Anforderungen eines modernen Betriebshofs.

RNV-Favorit und Appell an Stadträte

Ein Neubau an der Bergheimer Straße würde den Betrieb dort deutlich einschränken und sei zudem wirtschaftlich teurer als die anderen diskutierten Varianten, folgern in der Beek und Volz. Ein Betriebshof auf dem Airfield hingegen sei noch nicht an ein Straßenbahnnetz angebunden und müsste mit Blick auf Eigentumsfragen und Baurecht „noch zahlreiche Hürden nehmen“. Zudem sei erst „in vielen Jahren“ mit einer Realisierung zu rechnen.

Deshalb ist für RNV (und die Stadtverwaltung) die Wiese am Großen Ochsenkopf der Standortfavorit für einen neuen Betriebshof.

Ob und für welche Standortvariante sich die Stadträte entscheiden, zeigt sich auf der Gemeinderatssitzung am Donnerstag.

rmx

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