Wo man(n) sich gehen lassen kann

Neuer Barbier in Heidelberg: „Männer sollen hier eine Oase finden“

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Bogdan der Golibroda oder „Der Barbier“: Nicht neu in Heidelberg aber neu in Rohrbach.

Heidelberg-Rohrbach - Vor zwei Monaten macht Bogdan der Golibroda seinen Traum wahr. Er eröffnet seinen Salon „Golibroda - Der Barbier“. DER Barbier? Ist das nicht etwas zu hoch gegriffen? Keineswegs, wie wir feststellen.

Was macht Mann, wenn er sich mal so richtig gehen lassen, so richtig entspannen will? Massage? Maniküre? Kosmetische Gesichtsbehandlung? Vielleicht, eher aber nicht. Wie wär's mit einem Besuch beim Barbier? Wir haben genau das getan und einen neuen Salon am Rohrbacher Markt besucht.

Erster Haarschnitt mit 12 Jahren

Vor fast 20 Jahren kommt der Besitzer Bogdan der Golibroda, wie er sich nennt, nach Heidelberg. Er arbeitet in mehreren Heidelberger Friseur-Salons, kümmert sich um Frauen wie Männer. Seine berufliche Leidenschaft liegt aber schon immer vor allem beim männlichen Geschlecht „Zum ersten Mal war ich mit sieben Jahren in einem Barber-Shop. Ich war sofort begeistert“, so der 37-Jährige. 

Seinen ersten Haarschnitt macht er im Alter von zwölf. Mit 14 steht er regelmäßig in einem Barber-Shop im polnischen Nowa Sól, schaut zu, will lernen und alles aufsaugen, was das Handwerk des Barbiers ausmacht. Ein paar Jahre später folgt die Ausbildung. Während dieser wird Bogdan sogar Landesmeister. Der eigene Laden ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Sicht. Der Weg dorthin lang. „Ich hatte Respekt vor behördlichen Schwierigkeiten und allem, was mit der Eröffnung eines eigenen Salons einhergeht“, gesteht er. In einer Planungsphase von drei Jahren klappt es am Ende trotzdem.

„Ich liebe meinen Beruf, er ist eine Passion!“

Vor zwei Monaten, im September 2018, erfüllt sich Bogdan seinen langgehegten Traum, seinen eigenen Laden, seinen eigenen Barber-Shop in der Amalienstraße. „Der Salon ist ein Traum von mir und ich liebe meinen Beruf, er ist meine Passion!“ 

Der Salon: Klares Kennzeichen, der Barber‘s Pole oder die Barbierstange. Die sich drehende farbige  Spirale ist eine Tradition aus dem Mittelalter. 

Das merkt man dem Barbier nicht nur äußerlich an, man spürt es auch wortwörtlich am eigenen Leib. Jeder Griff sitzt, jede Bewegung wirkt wohl durchdacht. Vor und während der Behandlung werden warme Wickel auf und um das Gesicht gelegt. „So öffnen sich die Poren, die Rasur fällt leichter“, erklärt er. Und gerade dieses Erklären, dieses Zeitnehmen ist ihm besonders wichtig. 

Eine Nassrasur etwa kann bis zu einer Stunde dauern, 45 Minuten ein Haarschnitt. Das hat einen guten Grund, wie Bogdan uns erklärt: „Oft werden Männer zwischendurch behandelt. Die Haarfarbe einer Kundin muss einwirken, dann macht man eben schnell den wartenden Herren. Nicht so bei mir. Männer sollen hier eine Oase der Entspannung, einen Ort der Ruhe finden.“ Wo bleiben da die Frauen? Tja, die müssen leider draußen bleiben.

Frauen beim Barbier? Naja...

Dabei geht es nicht darum Frauen auszuschließen, wie der Barbier immer wieder beteuert. Vielmehr will er einen exklusiven Rückzugsort für Männer schaffen. 

men only: Der Rohrbacher Barbier schafft einen Rückzugsort für Männer. Frauen gehen dabei leider leer aus.

In entspannter Atmosphäre, mit Espresso, Kaffee oder auch einem Whiskey für eine Stunde dem Alltag entfliehen. Das scheint anzukommen. „Kunden, die einmal hier waren, kommen im Normalfall wieder, ob aus Karlsruhe, Wiesloch oder sogar Berlin“, erzählt der 37-Jährige stolz. 

Grund dafür ist vielleicht auch die Authentizität, die der Barbier schafft. Sein Salon ist Erinnerungen seiner Jugend nachempfunden, der Zeit, in der er dem traditionellen Handwerk selbst noch zuschaute. 

Und übrigens: Wer denkt, der Besuch beim Barbier wäre nur etwas für bärtige Männer, irrt. Zwar bedeuten die polnischen Worte Goli und Broda soviel wie Bartrasierer. Das heißt aber nicht, dass ein Barbier sich ausschließlich um Bärte kümmert.

>>> Auch in der Altstadt gibt es einen Barbier-Shop, der vor allem mit seinem Vintage-Look punktet.

chh

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