Verkleinerung der Kerwen: Erst Kirchheim, jetzt Rohrbach. 

Bitter! Rohrbacher Kerwe 2018 war die letzte dieser Art!

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Stadtteilvereins-Vorsitzender Hans-Jürgen-Fuchs: Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Die Kerwe jedenfalls lebt weiter. Die Frage ist nur "Wie".

Heidelberg-Rohrbach - Nach der Kerwe ist vor der Kerwe. In Zukunft aber anders und auf jeden Fall kleiner als bisher. Die Gründe und was sich in Zukunft ändern wird:

Es ist 16:15 Uhr am Samstag (1. September). Pünktlich beginnt die Eröffnung der Rohrbacher Kerwe. Eins vorab. In dieser Form war es die letzte. In Zukunft wird sie kleiner. Und auch der Termin ändert sich. In diesem Jahr aber bleibt zunächst alles beim alten. Musikverein und Rohrbacher Schützen marschieren, begleitet von Fahnenträgern, die Rathausstraße zum Rathausplatz entlang. Die Weinkönigin fehlt. Sie steht im Stau. 

Auf dem Weg zur Eröffnung: Vereine präsentieren sich traditionell auf der Rathausstraße.

Eröffnungsreden gibt es dennoch. Vor der ‚Kerweredd‘ – vorgetragen von Bernd Frauenfeld, dem ehemaligen 1. Vorsitzenden des Stadtteilvereins – verliert auch der amtierende Amtsinhaber, Hans-Jürgen-Fuchs, ein paar Worte. Thema sind die Vergangenheit und angerissen auch die Zukunft der Kerwe in Rohrbach. Vorher lohnt aber ein Blick in die Vergangenheit. Denn eine Verkleinerung des Stadtfestes ist schon seit längerem abzusehen.

Wie im Fall der Kirchheimer Kerwe, die ihre Festmeile schon in diesem Jahr aufgibt.

Die Kerweredd 2018: Vorgetragen von Bernd Frauenfeld 

Ein Blick zurück

Schon vor zwei Jahren ließ der Vorsitzende des Stadtteilvereins in seiner Ansprache Böses erahnen:

„Die Traditionskerwe ist heute in der Tat bedroht. Aber nicht durch unsere Entscheidungen, sondern durch die Umstände. Denn Traditionen bewahren heißt auch, dass diese gelebt werden müssen. Und Traditionen leben heißt blöderweise auch, dass es Leute geben muss, die bereit sind, mit anzupacken.

Viele 30-, 40-, 50-Jährige haben in ihrem Leben noch nie etwas ehrenamtlich getan. Andererseits gibt es bei uns 60-, 70-, ja 80-Jährige, die immer bereit sind Hand anzulegen, die alles tun, damit andere kommen können und Feste und Traditionen genießen. Aber auch die 60-, 70-, 80-Jährigen werden einmal müde. Zum Glück gibt es Leute die nachrücken, wie zum Beispiel die „Rohrbacher Jungs“, die uns wirklich kräftig unterstützen. Aber es werden immer weniger, die das tun.'

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Und andererseits hat der Besuch bei der Kerwe in den letzten Jahren nachgelassen. Deshalb müssen auch wir, Stadtteilverein und Kerwevereine überlegen, wie wir künftig Kerwe feiern können. Da sind Anregungen von außen möglicherweise hilfreich. Und die kommen natürlich.

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Es gibt ja nicht nur diejenigen, die eigentlich an der Kerwe überhaupt nichts ändern wollen, sondern auch die, die am liebsten gleich alles verändern würden. Das Festwochenende zur 1250-Jahr-Feier war ein großer Erfolg, und danach hätten am liebsten alle gehabt, dass wir die Kerwe immer so feiern wie dieses Wochenende.

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Also seien Sie bei manchen Entscheidungen anderer Meinung, ärgern Sie sich darüber, aber unterstellen Sie uns bitte nicht, dass wir Traditionen zerstören wollen.

Wir werden unser Bestes tun, sie zu erhalten. Aber auch wir sind nicht allmächtig, sind nicht in der Lage, jede Veränderung aufzuhalten und alles, was irgendwo wegbricht, mit unseren Engagierten aufzufangen.“

Anscheinend ist der Punkt erreicht, an dem nicht mehr alles von Engagierten aufgefangen werden kann und Veränderungen nicht mehr aufzuhalten sind. Schon im Vorfeld der diesjährigen Kerwe wird dies vom Stadtteilverein angesprochen.

Die Eröffnung der Kerwe: Schon jetzt ist das Interesse der Rohrbacher groß.

Ein Blick voraus

Der Stadtteilverein lud auf seiner Homepage nämlich zum Fest ein, verriet aber auch schon folgendes:

„Am Montag folgt der Abschied von der Kerwe 2018. Die „Wilden Keiler“ werden die Schlumpelverbrennung leiten und damit das Ende der bisherigen Rohrbacher Kerwe einläuten. Ja, Sie lesen richtig, die Rohrbacher Kerwe 2018 wird die letzte dieser Art sein.“ 

Wir wollten mehr erfahren und haben den Verein Tage vor der diesjährigen Veranstaltung angeschrieben. Leider erhielten wir keine konkrete Antwort, sodass wir über die genaue Bedeutung nur spekulieren konnten. Zwar wird auf der Homepage noch ergänzt:

„Leider finden sich in den Kerwevereinen nicht mehr genügend Ehrenamtliche, um drei Tage lang die drei großen Zelte auf dem Kerweplatz zu bespielen. Deshalb planen wir für 2019 den Start der neuen Rohrbacher Kerwe. Lassen Sie sich überraschen!“

Was neu heißt, wird aber nicht verraten. Da wir es aber genauer wissen wollten, waren wir vor Ort und lauschten der Ansprache von Hans-Jürgen-Fuchs.

Auf dem Weg zur Eröffnung: Vereine präsentieren sich traditionell auf der Rathausstraße.


Kerwe schrumpft! Auch der Termin ändert sich

Der Stadtteilvereins-Vorsitzende ließ zweierlei anklingen. Zum einen geht es um die Größe, zum anderen um eine Terminverlegung des traditionellen Fests. 

In seinen Worten: „Wir werden im kommenden Jahr kleinere Stände und auch kleinere Zelte haben. Zudem wird die Kerwe, nicht wie sonst, von Samstag bis Montag, sondern von Freitag bis Sonntag stattfinden.“ 

Wie viel kleiner klein ist, bleibt offen. Nur eine Sache scheint dabei schon jetzt bedenklich. Vom 2016 angesprochenen Besucherschwund konnte, jedenfalls aus unserer Sicht, in diesem Jahr keine Rede sein. Wir waren da! Die Zelte waren voll, fast alle Plätze besetzt. Selbst der Gang zur Toilette war auf Grund der vielen Besucher beschwerlich. 

Wer die Rohrbacher Kerwe in ihrer traditionellen Form verpasst hat, schaut am besten auf einem der vielen weiteren Heidelberger Stadtteil-Feste im September vorbei. Wo und wann diese stattfinden, liest Du am besten in unserem Stadtfest-Marathon

chh

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