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Heidelberg: Mobile Luftfilter für Schulen – wie sieht‘s nach den Sommerferien aus?

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Von: Florian Römer

Heidelberg will weitere Schulen mit Luftfiltern ausstatten.
Heidelberg will weitere Schulen mit Luftfiltern ausstatten. © picture alliance/dpa | Henning Otte/HEIDELBERG24/Florian Römer/Thomas Horst

Noch sind Sommerferien, aber in etwas mehr als vier Wochen starten die Schulen in Heidelberg ins neue Schuljahr. Wie die Stadt die Schulen für den Corona-Herbst wappnen will:

Heidelberg - Wegen der hochansteckenden Delta-Variante nimmt die Corona-Pandemie in Deutschland wieder Fahrt auf. Auch in Heidelberg steigt die 7-Tage-Inzidenz seit Wochen wieder kontinuierlich an. Mittlerweile liegt die Inzidenz in der Universitätsstadt bei 25,4 (Stand: 12. August). Im Herbst und Winter dürfte die Zahl der Neuansteckungen besonders bei Kindern und Jugendlichen weiter steigen, denn gerade diese Altersgruppen haben bislang meist noch keinen Impfschutz. Noch sind Sommerferien (bis 11. September), aber in etwas mehr als vier Wochen beginnt das neue Schuljahr 2021/22. Wie bereitet Heidelberg die Schulen im Stadtgebiet auf den Start vor?

StadtHeidelberg
Bevölkerungszahl161.485 (2020)
Anzahl Schulen54
Anzahl Schülerca. 22.000
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner

Bereits vor einem Monat forderten Grüne und CDU von der Stadt Heidelberg, sich am Förderprogramm des Landes zu beteiligen und möglichst viele Klassenzimmer mit mobilen Luftfiltern auszustatten. Baden-Württemberg hatte 60 Millionen Euro Fördergelder in Aussicht gestellt, mit denen das Land Kommunen bei der Anschaffung von mobilen Luftfiltergeräten und CO2-Ampeln für Schulen und Kitas unterstützen will. „Jede Maßnahme, die hilft, unsere Schulen und Kindertagesstätten auch im Herbst und Winter offen zu halten und Infektionen zu vermeiden, ist sinnvoll“, erklärte CDU-Stadtrat und Bundestags-Kandidat Alexander Föhr. Zuvor betonte Stadträtin und Bildungs-Expertin Anja Gernand (Grüne), dass Luftfilter ein wichtiger Teil der Sicherheits- und Hygienestrategie in Schulen seien. Die Stadt solle schnell handeln, „um mehr Luftreinigungsgeräte für Heidelberger Schulen anzuschaffen, damit die Schüler nach den Sommerferien wieder möglichst sicher in die Klassenräume zurückkehren können.

Heidelberg will Fördergelder für Luftfilter nutzen

Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner bekräftigte in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause, die Stadt wolle Bundes- und Landesförderung „bestmöglich für die Heidelberger Schulen nutzen und weitere mobile Geräte beschaffen“. Neben den Landesgeldern soll es vom Bund eine landesanteilige Fördersumme von 26 Millionen Euro geben. Zum Förderprogramm Baden-Württembergs standen allerdings noch die konkreten Förderrichtlinien aus.

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Sozialbürgermeisterin Stefanie Jansen (SPD) wies erneut darauf hin, dass der Einsatz mobiler Luftfilter keineswegs das Lüften als wirksamste Maßnahme im Zusammenspiel mit Testen und Maske ersetzt. Das habe zuletzt auch eine von der Stadt Stuttgart in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie der Stuttgarter Uni bestätigt.

Förderrichtlinie für Mobile Luftfilter an Schulen und Kitas

Die Förderrichtlinie hat das Land vergangene Woche veröffentlicht: Neben den 60 Millionen Euro für Schulen stehen weitere zehn Millionen Euro für Kindertagesstätten zur Verfügung. Dabei teilen sich Land und Kommunen die Anschaffungskosten für CO2-Sensoren und mobile Luftfiltergeräte. Je Luftfilter steuert Baden-Württemberg maximal 2.500 Euro bei. Seit Montag (9. August) können Schulträger ihren Mittelbedarf dem Kultusministerium melden.

Nach wie vor richtet sich das Land nach der Prämisse, dass regelmäßiges Lüften und die Einhaltung der AHA-Regeln der beste Infektionsschutz sind. CO2-Sensoren und mobile Raumlüfter könnten „als ergänzende Maßnahme hilfreich“ sein, heißt es aus dem Kultusministerium ‒ „in Räumen mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit“.

Dementsprechend fällt auch die Priorisierung der Förderrichtlinie aus: Höchste Förder-Priorität sollen mobile Raumluftfiltergeräte haben, die in schwer zu lüftenden Schul- oder Kitaräumen für Kinder bis 12 Jahren zum Einsatz kommen (a). Danach folgen Schulräume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit für Kinder ab 12 Jahren (b), CO2-Ampeln zur Unterstützung des Lüftens (c). Erst dann haben Kitas und Schulen Anspruch auf Fördergeld für mobile Luftfilter für „Räume nicht eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit (d). Schulen könnten dabei Klassenzimmer der Klassen 1 bis 6 mit Luftreinigern ausstatten.

Heidelberg: Mobile Luftfilter und CO2-Ampeln an Schulen ‒ der aktuelle Stand

Und wie ist die Bedarfs-Situation an den Heidelberger Schulen? Diese werde aktuell von den Schulleitern abgefragt, sagt eine Stadtsprecherin auf HEIDELBERG24-Anfrage. Ob es größeren Bedarf für die ersten drei Förderkategorien gibt, ist allerdings fraglich. Für schwer zu lüftenden Klassenräume und Räume, in denen besonders vulnerable Schüler unterrichtet werden, hatte Heidelberg bereits im Dezember 2020 auf eigene Kosten 80 Luftfiltergeräte angeschafft. Zudem wurden die Schulen mit rund 1.000 CO2-Ampeln versorgt. Diese Maßnahmen seien im Nachhinein wohl nicht mehr förderfähig.

Für die Klassenstufen 1 bis 6 gibt es an Heidelberger Schulen derzeit „etwa 400 Räume“, so die Stadtsprecherin. Wolle man diese mit mobilen Luftfiltergeräten ausrüsten, würde das nach groben Schätzungen etwa 1,8 Millionen Euro kosten. Die Stadt müsste ca. 900.000 Euro selbst tragen. Auch hier bleibe laut Sprecherin abzuwarten, wie viel Geld aus den ersten drei Förder-Kategorien bereits abgerufen wurden und wie viel Fördermittel dann noch für die Klassen 1 bis 6 zur Verfügung stünden.

Jetzt warte das Amt für Schulen und Bildung noch auf die Antworten der Bedarfsanfrage an die Schulen. Erst dann werde die Stadt einen konkreten Förderantrag stellen. Aufgrund der prognostizierten Anschaffungskosten muss der Gemeinderat die Maßnahmen bestätigen. Da sich das Stadtparlament gerade in der Sommerpause befindet, wird die Verwaltung eine „Beschlussvorlage ins Umlaufverfahren“ bringen. Sollte von den Stadträten kein Widerspruch kommen, gilt die Vorlage dann als beschlossen. (rmx)

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