Skandal statt Sensation

„Es gibt einen Bluttest für Brustkrebs“: HeiScreen nimmt Stellung zur Uniklinik-Affäre

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Heidelberger Bluttest gibt es gar nicht (Symbolfoto)

Heidelberg - Es war von einer „Weltsensation“ die Rede, von einem „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ – und nun das: Scheinbar gibt den Bluttest, der Brustkrebs frühzeitig erkennen soll, gar nicht! 

  • Skandal um einen vermeintlichen Bluttest zur Krebserkennung an der Uniklinik Heidelberg.
  • Nach dem PR-Desaster und Entlassungen folgt nun der nächste Schock.
  • Das in der heiß diskutierte Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung existiert gar nicht.
  • Der Vorstand des Klinikums soll versäumt haben, die Daten vor der Pressekonferenz zu prüfen.
  • HeiScreen weist Vorwürfe in Stellungnahme zurück
  • Vorstandsmitglieder treten zurück

Bluttest ein Fake? HeiScreen nimmt Stellung

Nach dem Bericht der ‚SZ‘ nimmt nun HeiScreen Stellung. „Es gibt einen Bluttest für Brustkrebs, der unter Laborbedingungen im Universitätsklinikum Heidelberg bereits funktioniert und in der klinischen Forschung angewendet werden kann“, zitiert die RNZ die Stellungnahme. Auch ein erster Prototyp sei entgegen dem Schreiben von Knebel Doeberitz bereits entwickelt worden. Er befinde sich „im Stadium der analytischen Verifizierung“

Außerdem weist HeiScreen in einer Stellungnahme darauf hin, dass „der Test für Brustkrebs nicht als Früherkennungstest angekündigt wurde; zu dieser Frage werden noch weitere klinische Daten generiert. Gleiches gilt für die Frage, ob der Test gegebenenfalls auch im Rahmen einer Verlaufskontrolle einer Brustkrebserkrankung eingesetzt werden könnte.“ 

Das Forschungsteam der Uniklinik sowie HeiScreen sollen unter Hochdruck an der Veröffentlichung der zugrundeliegenden Forschungsergebnisse arbeiten. Gleichzeitig plane das Unternehmen „Überführung des Testes vom Labor auf eine massentaugliche Plattform.“ Aus der angekündigten Markteinführung noch im Laufe des Jahres werde aber laut RNZ erst einmal nichts. 

Skandal um Brustkrebs-Bluttest in Heidelberg: Uni-Rektor kündigt Konsequenzen an

Der Heidelberger Uni-Rektor Bernhard Eitel hat nach dem Bluttest-Skandal Konsequenzen im Fall von Verstößen gegen wissenschaftliche Standards angekündigt. „Wissenschaftliches Fehlverhalten wird an der Universität Heidelberg nicht toleriert“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Und: „Verstöße gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis werden wir konsequent ahnden und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen.“ Die Uni untersuche die Vorgänge um die aus Sicht vieler Kritiker verfrühte Präsentation des Bluttests zur Brustkrebsdiagnostik, sagt Eitel. Dazu wurde die ständige Senatskommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft einberufen. 

Heidelberg: Skandal um Brustkrebs-Bluttest an Uni-Klinik – neue Details erschüttern

Von der anfänglichen „Weltsensation“ ist außer einem Skandal fast nichts mehr übrig: Der Bluttest für Brustkrebs der Uniklinik Heidelberg, der im Januar vermutlich tausenden Frauen Hoffnung gemacht hat, gerät immer mehr unter Beschuss. Nach dem PR-Desaster und Entlassungen folgt nun der nächste Schock!

Heidelberg: Früherkennung von Brustkrebs – Bluttest gibt es noch nicht

Tumorbiologe Magnus von Knebel Doeberitz ist vom Vorstand der Uni Heidelberg beauftragt worden, die „Umstände der Presseerklärung“ zu prüfen. Anfang April schrieb er seine Erkenntnisse dem Dekan der Medizinischen Fakultät Andreas Draguhn. Dieses Schreiben liegt nun der ‚Süddeutschen Zeitung‘ vor. Darin heißt es: „Daher muss klar festgehalten werden, dass es das in der Pressemitteilung erwähnte Verfahren bisher nicht gibt.“ Weiter heißt es, dass es nicht einmal einen Prototyp gibt. „Somit können auch keinerlei Angaben zum diagnostischen Wert des avisierten, aber noch nicht nicht vorhandenen Produktes gemacht werden", schreibt Kebel Doeberitz und beendet seine niederschmetternde Feststellung: „Vor diesem Hintergrund müssen die in der Pressemitteilung gemachten Angaben als nicht begründet angesehen werden."

Oft gelesen: Uni Heidelberg zählt weiter zur Elite – und das gibt mächtig Kohle!

Heidelberg: Affäre um Uniklinik: „Ich hätte die Pressekonferenz stoppen müssen“

Der ‚SZ‘ zufolge habe der Vorstand des Klinikums in Heidelberg versäumt, die Daten vor der Pressekonferenz zu überprüfen. Es sei „eine der Aufgaben eines Universitätsklinikums, Forschungsergebnisse in die klinische Praxis zu übertragen“, schreibt der Vorstand daraufhin auf Anfrage. Man habe angenommen, dass es gelingen könnte, „die Interessen eines privaten Investors" mit denen des Klinikums in Einklang zu bringen.

Die Ärztliche Direktorin Grüters-Kieslich gibt zudem persönliche Fehler zu. „Ich hätte mich stärker gegen die Einbeziehung des Klinikums in die PR-Aktivität der HeiScreen GmbH wenden müssen", schreibt sie der ‚SZ‘, „und hätte versuchen müssen, die Pressekonferenz zu stoppen."

jol/dpa

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