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Heidelberg: „Solicamp“ auf dem Marktplatz – Aktivisten fordern Hilfe für Flüchtlinge

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Das Solicamp auf dem Marktplatz in Heidelberg
Das Solicamp auf dem Marktplatz in Heidelberg © HEIDELBERG24/Leon Berent

Heidelberg – Die Corona-Pandemie überschattet alles. Doch im Hintergrund der Diskussionen um Impfstrategie, Triage und Lockdown schwelt eine weitere Krise, die die EU noch immer verfolgt.

Heidelberg setzt ein Zeichen für Flüchtlinge, die in der EU Schutz suchen. Denn durch die Corona-Krise hat sich die Lage noch zusätzlich dramatisiert. Ein Beispiel zeigt das Flüchtlingslager Moria, das mit zeitweise 20.000 Menschen zum größten Geflüchteten-Lager Europas zählt. Auch dort hat sich die Angst vor dem Coronavirus breitgemacht. Die Nachricht, dass 35 Bewohner des Lagers positiv auf Covid-19 getestet worden sind und die darauffolgende Quarantäne führen zu Unruhen zwischen den Geflüchteten. In der Nacht auf den 9. September eskaliert die angespannte Situation: Sechs Jugendliche, deren Asylanträge abgelehnt worden sind, stecken das Lager in Brand. Für die Region charakteristische Küstenwinde von bis zu 70 Stundenkilometern fachen die Flammen an. Das Lager brennt fast völlig aus. Am Morgen des 9. September ist das Feuer weitgehend unter Kontrolle gebracht. Doch mehr als 12.000 Menschen sind nun obdachlos, darunter 4.000 Kinder.

Heidelberg Solicamp: Aktivisten schlagen Lager vor Rathaus auf

Noch immer kommen täglich neue Geflüchtete an den Außengrenzen der EU an. Allein im Januar 2021 sind es über 2.000 Menschen gewesen. Die Zustände in den Geflüchteten-Lagern, den sogenannten Hotspots, sind weiterhin menschenunwürdig. Eine Aktivistengruppe aus Heidelberg hat deshalb am 16. Januar das Protestcamp „Solicamp“ auf dem Marktplatz und damit direkt vor dem Rathaus aufgeschlagen.

Die Aktivisten fordern die sofortige Evakuierung der Geflüchteten-Lager an den EU-Außengrenzen. Mit der Aktion wollen sie auf die prekäre Lage in den Lagern aufmerksam machen.

Heidelberg Solicamp: Protest und Corona

Um den Infektionsschutz zu gewährleisten, gelten im Protestcamp Maskenpflicht, Mindestabstände, Kontaktverfolgung und eine Maximalzahl von zugleich 40 Teilnehmer*innen. Obwohl die Aktion am Eröffnungstag schnell das Maximum an Teilnehmern erreicht hat, seien diese Regeln weitestgehend eingehalten worden. Eine geplante Übernachtung auf dem Marktplatz hat die Stadt Heidelberg laut Organisator*innen anfangs noch untersagt. Doch einer Klage der Aktivist*innen gegen diese Auflage wird am 20. Januar stattgegeben.

Die Organisatorin Laura dazu: „Die ganze Situation wirkt bei näherer Betrachtung etwas zynisch: Während geflüchtete Menschen gezwungen sind, über Monate hinweg in Camps auszuharren, wird uns privilegierten Menschen in Deutschland dies nicht mal erlaubt, wenn wir es selbst wollen.“

Auch Zara Kiziltas, Stadträtin der Linken in Heidelberg, findet in Bezug auf die europäische Außenpolitik klare Worte: „Die Geflüchteten forderten Schutz und Wärme, doch wurden stattdessen eingepfercht und eingesperrt. Ist es zu viel erwartet, wenn man fordert, dass Menschen wie Menschen behandelt werden?“

Heidelberg Solicamp: Eine Woche für Geflüchtete

Die einwöchige Aktion Heidelberg Solicamp hat am Nachmittag des 23. Januar ihr Ende gefunden. In einer letzten Rede rufen die Aktivist*innen nochmals zu Solidarität mit den Geflüchteten auf. Die Transparente am zentralen Brunnen des Marktplatz („Grenzenlose Solidarität“, „Fähren statt Frontex“, …) werden nach und nach abgehangen. Die Menschen kehren in ihre warmen Häuser und Wohnungen zurück. Und manch einer nimmt vielleicht den Gedanken mit, dass dies nicht für alle Menschen dieser Welt Normalität ist. (lpb)

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