Standort-Entscheidung

Betriebshof: Ist das Airfield eine echte Alternative zum Ochsenkopf?

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Zieht der Betriebshof auf einen Teil des Airfields? 

Heidelberg - Lange galt der Ochsenkopf als alternativloser Ausweichstandort für den maroden Betriebshof. Jetzt rückt das Airfield zwischen Kirchheim und Pfaffengrund in den Fokus. 

Großer Ochsenkopf oder doch am aktuellen Standort?

So lautete im letzten Jahr die Frage nach dem Standort für den Betriebshof der RNV. Seit Jahren streitet man in Heidelberg darüber, ob das marode Gebäude saniert oder der Betriebshof doch besser an einem anderen Standort neugebaut wird.

Alternative Airfield?

Jetzt hat sich auch ein dritter möglicher Kandidat hinzugesellt, der eine echte Standort-Alternative zum bestehenden Gebäude am Landfried-Komplex und der umstrittenen Fläche am Großen Ochsenkopf darstellen könnte: das ehemalige US-Airfield zwischen Kirchheim und Pfaffengrund.

Anfang 2018 hatte der Gemeinderat die Standortentscheidung erneut verschoben. Die Stadträte beauftragten die Verwaltung damit, den Ochsenkopf und weitere Flächen genauer zu prüfen. 

Das Ergebnis der Untersuchung stellen Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck und Gunnar Straßburger, Leiter des Bereichs Infrastruktur bei der Rhein-Neckar Verkehr GmbH (RNV), am Donnerstagabend (11. Oktober) in einer gemeinsamen Sondersitzung den Bezirksbeiräten aus Wieblingen und Bergheim vor. 

Vier Varianten geprüft

Ein Arbeitskreis, in dem u.a. Mitglieder der Verwaltung, der RNV und eines Planungsbüros saßen, prüfte dabei vier Varianten genauer: Drei unterschiedliche Varianten für einen Betriebshof auf der Grünfläche am Großen Ochsenkopf und eine auf dem Airfield.

Dabei wurde für den Ochsenkopf ein Betriebshof mit begrüntem Dach geprüft, das über eine breite Rampe zu erreichen sein und die wegfallende Grünfläche ersetzen soll. Manko: Bei dem Plan können weniger Busse als benötigt untergebracht werden. Zweites Manko: Die hohen Umsetzungskosten der Maßnahme. Diese Variante würde nach ersten Berechnungen über 87 Millionen Euro kosten.

Zweite Variante: Eine große Abstellhalle für Busse und Stadtbahnen, bei der auf die Begehbarkeit verzichtet wird. Diese Version „gewährleistet die Umfahrung für die Stadtbahnen und bringt deutlich mehr Busse unter,“ sagt Bürgermeister Odszuck. „Das Gebäude ist kleiner und fällt damit auch deutlich kostengünstiger aus.“ 68 Millionen Euro würde diese Variante kosten, die 46 Bahnen und 49 Busse unterbringen könnte, schätzt die Verwaltung. 

Der Favorit von Verwaltung und RNV: Ein noch kleineres Gebäude am Ochsenkopf, bei dem lediglich die Busse in einer Halle untergebracht werden müssten. Rund sechs Millionen Euro könnte man einsparen, wenn man die Straßenbahnen auf einer Fläche im Freien abstellen würde, rechnet Straßburger vor: „Normalerweise stellen wir die Bahnen in der Halle ab. Aber bei dieser Variante hätten wir viel Geld für Lackierung und Heizung zur Verfügung“, so Straßburger. Die Bahnen müssten dann in der kälteren Jahreszeit stärker beheizt und insgesamt häufiger gestrichen werden. Dafür seien die Gesamtkosten der Variante mit knapp 62 Millionen Euro am Günstigsten.

Geheimfavorit Airfield

Der einstimmige Favorit der Bergheimer Bezirksbeiräte und wohl ernsthafter Alternativkandidat für den Ochsenkopf: das Airfield

Für knapp 65 Millionen Euro könne man diesen Standort erschließen, glaubt Odszuck. „Das Areal ist groß genug für jede erdenkliche Geometrie“, stellt Odszuck fest. Hier sei eine „funktionale und wirtschaftliche Variante möglich, das Idealbild einer Betriebshofplanung“, resümiert der Erste Bürgermeister.

Eine Einschätzung, die auch zwei anwesende Gemeinderäte teilen. „Das Airfield spielt in der gleichen Liga wie andere Standorte und sollte deshalb weiter untersucht werden“, findet Christoph Rothfuß (Grüne). Auch Matthias Kutsch (CDU) sieht beim Airfield eine „Win-win-Situation“. An dem Standort könne man einen „leistungsstarken Betriebshof mit Potential für die Zukunft errichten und gleichzeitig auf dem Betriebshof-Areal Entwicklungspotenziale für Bergheim nutzen“.

Nachteil des Airfields: Während die Instandsetzung des aktuellen Betriebshofs oder ein Neubau am Ochsenkopf bis 2024 umgesetzt sein könnte, würde sich das Airfield-Projekt wohl noch zehn Jahre hinziehen, schätzen Verwaltung und RNV. „Je nach Anbindung an das Straßenbahnnetz würde man zwischen 60 und 150 Felder südlich der Bahnstadt zerschneiden“ meint Straßburger: Erfahrungsgemäß müsse man in solchen Fällen zusätzliche Zeit für Gerichtsverfahren einberechnen. 

Straßenbahn nach Schwetzingen!

Dabei könnte seine eigentlich abgelegene Lage ein positiver Standortfaktor für das Airfield sein. Denn: Bei der Untersuchung sei aufgefallen, dass entlang der Speyerer Straße gute Entwicklungsmöglichkeiten für eine Straßenbahn nach Schwetzingen bestünden, verrät Odszuck. 

Diese könnte vom Czernyring kommend als „Schnellstrecke“ die zu entwickelnden Konversionsfläche Patton Barracks und den „Heidelberg Innovation Park“, die Großsporthalle, westliche Teile von Kirchheim und das Patrick-Henry-Village (PHV) ans Straßenbahnnetz anbinden. Ein Plan, den man unabhängig von der Standortentscheidung für den Betriebshof weiterverfolgen wolle.

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rmx

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