Deutscher Brauch?

Mysteriös! Auf den Spuren der Weihnachtsgurke

+
Die „Weihnachtsgurke“ schafft so langsam den Einzug in deutsche Wohnzimmer.

Heidelberg – Der Besuch aus den USA ist da. In der Altstadt angekommen, will die Gruppe unbedingt in den Käthe Wohlfahrt-Laden. Warum? Um eine original deutsche „Weihnachtsgurke“ zu kaufen...

Habt ihr schon einmal von der „Christmas Pickle“, also der Weihnachtsgurke gehört? Wir auch nicht. Die Amerikaner aber schon. Sie sind auch überzeugt, dass dies ein alter deutscher Brauch ist. Doch was ist die Weihnachtsgurke überhaupt?

Bei der Weihnachtsgurke handelt es sich um amerikanischeren Weihnachtsschmuck aus Glas oder Kunststoff, in der Form einer kleinen eingelegten Gurke, der gut versteckt an den Christbaum gehängt wird. Das Kind welches die durch ihre grüne Farbe gut getarnte „Christmas Pickle“ oder „Good Luck Pickle“ als erstes im Baum entdeckt, bekommt ein zusätzliches Geschenk und darf seine Geschenke als erstes aufmachen. 

Doch woher kommt der Brauch? Der Besuch aus den USA versichert, dass es sich hierbei um einen alten deutschen Brauch handle und ist völlig empört, dass den anscheinend hierzulande niemand kenne. In dem Lehrbuch des Deutschkurses sei die Weihnachtsgurke auch als deutscher Brauch deklariert worden.

Weihnachtsschmuck aus Geldnot?

Eine Version erzählt, dass die Tradition der „Weihnachtsgurke“ Anfang des 20. Jahrhundert angefangen haben soll. Da viele Familien kein Geld hatten um jedem Kind ein Geschenk zu kaufen, wurde eine Gurke im Baum versteckt. Das Kind welches die Gurke fand, bekam ein Geschenk. 

Der Soldat John Lower 

Verbreiteter ist die Geschichte des Soldaten John Lower. Der gebürtige Bayer gerät angeblich im amerikanischen Bürgerkrieg in Gefangenschaft, wird sehr krank und bittet den Wärter kurz vor seinem Tod um eine saure Gurke. Der Wärter hat Mitleid mit ihm und erfüllt ihm seinen Wunsch. Diese saure Gurke jedoch, bleibt nicht die letzet Mahlzeit des Gefangenen. Sie verleiht ihm wieder Kraft und Mut und John Lower lebte weiter. Der Soldat kommt der Legende zufolge nach ein paar Jahren wieder frei und hängt jedes Jahr im Gedenken an seine Genesung an Weihnachten eine Gurke in den Baum.

Nüsse, Äpfel und Gurken

Die Weihnachtsgurke wurde 1880 – also 15 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs – in den USA populär, als F.W. Woolworth anfing den Glasschmuck in die USA zu importieren. Doch wo hatte er den her? Die ersten Glas-Ornamente waren Nüsse, Äpfel und andere Früchte. Diese wurden im Jahr 1847 von einem Glasbläser aus Lauscha in Thüringen als Ersatz für echte Früchte gefertigt. Da war wohl auch das eine oder andere Gürkchen dabei...

In den letzten Jahren schwappt der Gurkentrend wieder nach Deutschland, quasi als Re-Import. Man kann das Glasgemüse auf dem Weihnachtsmarkt aber natürlich auch im Käte Wohlfahrt-Laden kaufen. 

Ist vielleicht auch gar nicht so eine schlechte Idee. Somit entfällt zumindest der Streit, wer als erstes die Geschenke aufmachen darf... 

kp

Mehr zum Thema

Fotos vom Mannschaftstriathlon!

Fotos vom Mannschaftstriathlon!

Fotos: Corpshaus, Peterskirche und Uni-Bibliothek

Fotos: Corpshaus, Peterskirche und Uni-Bibliothek

Der Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Heidelberg

Der Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Heidelberg

Kommentare