Ziel doch noch in Sicht?

Stadt setzt hohe Ziele: 4.000 neue Wohnungen in drei Jahren!

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Heidelberg baut: Auch rund um den Sickingplatz in Rohrbach.

Heidelberg - Erst sind es Hunderte Wohnungen zu wenig. Jetzt aber verspricht die Stadt Besserung und eine große Neubauwelle. Was das konkret bedeutet:

Am Donnerstag (20. September) berichten wir darüber, dass das Ziel jährlich 800 Wohnungen zu errichten im Jahr 2017 deutlich verfehlt wurde. Es waren nämlich lediglich 272. Wobei nicht mal diese Zahl der Realität entspricht. 

Lediglich 163 neue Wohnungen in 2017

Von den 272 fertiggestellten Wohnungen handelt es sich vor allem um Neubaumaßnahmen (206 Wohnungen). Die übrigen 66 wurden durch Um- und Ausbaumaßnahmen in bestehenden Gebäuden erstellt. Gleichzeitig aber wurden 109 Wohnungen abgerissen. Im Saldo - also dem Differenzbetrag zwischen neugebauten und abgerissenen Wohnungen - hat sich der Heidelberger Wohnungsbestand im vergangenen Jahr demnach nur um 163 Wohnungen auf insgesamt 76.700 Wohnungen erhöht! In der Bilanz nicht erfasst sind 25 neu bezogene Wohneinheiten des gemeinschaftlichen Wohnprojektes „Hagebutze“ in der Südstadt.

Im Schnitt 646,5 neue Wohnungen in sechs Jahren

In den vergangenen sechs Jahren wurden im Saldo 3.879 Wohnungen fertiggestellt. In den einzelnen Jahren aufgeteilt bedeutet das:

- 2012: 868 Wohnungen

- 2013: 630 Wohnungen 

- 2014: 875 Wohnungen

- 2015: 673 Wohnungen

- 2016: 670 Wohnungen 

- 2017: 163 Wohnungen

Der durchschnittliche jährliche Saldo beträgt demnach 646,5 Wohnungen und somit rund 154 Wohnungen weniger als geplant. Die Stadt Heidelberg verspricht aber Besserung und positivere Aussichten. 

4.000 neue Wohnungen bis 2021

Der Durchschnitt soll sich in den kommenden Jahren nämlich rasch wieder ausgleichen: Das Baulandprogramm, das der Gemeinderat im Dezember 2017 verabschiedete, weist Bauflächen für 4.000 neue Wohnungen auf, die bis 2021 entstehen sollen. 

Auch in der Elsa-Brändström-Straße rollen die ersten Bagger.

Die aktuell sehr geringen Zahlen begründet Baudezernent Jürgen Odszuck wie folgt:

„Die vergleichsweise geringe Anzahl neuer Wohnungen ist den natürlichen Abläufen bei der Entwicklung großer Stadtteile geschuldet“, erklärt Erster Bürgermeister und Baudezernent Jürgen Odszuck. „Wir haben in der Bahnstadt die Situation, dass das östliche Areal fast komplett fertiggestellt ist, während für die westliche Bahnstadt erst die Planungen laufen. Auf den Konversionsflächen befinden wir uns ebenfalls überwiegend im Planungsstadium. Nach einer kurzen ,Durststrecke‘ wird die Anzahl neuer Wohnungen bald wieder stark in die Höhe schnellen. Das beweisen auch die Baugenehmigungen für 1.500 neue Wohnungen, die bereits erteilt wurden.

Vor allem die Bahnstadt punktet ins Sachen Wohnraum

Die meisten Neubauwohnungen – insgesamt 101 – sind im vergangenen Jahr in der Bahnstadt entstanden. Die Bahnstadt kommt aktuell auf 2.355 Wohnungen (Stand: Ende Juni 2018), die von 3.908 Menschen bewohnt werden. Platz 2 belegt Neuenheim mit insgesamt 30 neu errichteten Wohnungen. An dritter Stelle stehen Kirchheim und Rohrbach mit jeweils 17 neu errichteten Wohnungen.

Rund 42 Prozent der 2017 errichteten Wohnungen sind Ein- und Zweiraumwohnungen. Drei oder vier Räume haben etwa 39 Prozent davon. Gar 19 Prozent haben fünf Räume oder mehr. Was die Größenstruktur der Wohnungen angeht, entspricht der Wohnungsbau damit annähernd dem städtischen Ziel, familiengerechten Wohnraum zu schaffen. Von den 47 neu errichteten Wohngebäuden in 2017 waren etwa 42 Prozent Einfamilienhäuser.

1.500 Baugenehmigungen in 2017

Ende letzten Jahres wurden Baugenehmigungen für rund 1.500 Wohnungen erteilt – 100 mehr also als im Vorjahr. 811 davon fallen auf die Bahnstadt. In Kirchheim sollen 223, in Rohrbach rund 93 Wohnungen entstehen. 

Weitere 1.300 Wohnungen in Mark Twain Village.

Auch auf den Konversionsflächen, vor allem in der Südstadt, ist eine Menge Wohnraum eingeplant. Etwa 350 Millionen Euro werden vom der MTV Bauen und Wohnen GmbH & Co. KG (MTV GmbH) sowie der städtischen Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg (GGH) für Neubau und Sanierung von rund 1.300 Wohnungen in die Hand genommen. 70 Prozent davon werden als preiswerter Wohnraum mit Quadratmeterpreisen zwischen 5,50 und 8 Euro angeboten.

Bald fertig: Wohngebäude an der Mark-Twain-Straße Ecke Zengerstraße.

80 Wohnungen wurden bereits im Sommer 2016 bezogen. In diesem Bereich ebenfalls bezogen sind zwei Studierendenwohnheime sowie ein Wohnheim für Auszubildende. Im Bereich MTV-Nord - in der Mark-Twain-Straße und der Zengerstraße entstehen derzeit rund 680 Wohneinheiten – die ersten sollen Ende 2019 bezugsfertig sein. Weitere rund 400 Wohnungen entstehen auf den Flächen Sickingenplatz und MTV-West.

Glaubt man den Zahlen wäre der Plan des Baus von mehr als 800 Wohnungen nicht nur eingehalten, sondern - jedenfalls innerhalb der nächsten drei Jahre - mit 1.333 Wohnungen pro Jahr deutlich übererfüllt. Nicht berücksichtigt werden, im Gegensatz zu den Zahlen der vergangenen Jahre, aber die im Gegenzug abgerissenen Wohnungen, was die Zahlen noch deutlich nach unten schrauben könnte. 

pm/chh

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