Drei Varianten zur Auswahl

RNV-Betriebshof: Darum geht es bei der Standort-Diskussion 

+
Wohin mit dem RNV-Betriebshof? (Archivbild)

Heidelberg - Seit den 1990ern wird über einen neuen Standort für den RNV-Betriebshof diskutiert. Ob am Donnerstag endlich eine Entscheidung fällt, ist derzeit noch unklar:

Wohin mit dem RNV-Betriebshof?

Darüber diskutiert Heidelberg inzwischen seit fast drei Jahrzehnten. Am Donnerstag (22. November, 16 Uhr) soll der Gemeinderat endlich eine Entscheidung zum leidigen Dauerthema fällen. Ob eine der drei Varianten überhaupt eine Mehrheit findet, ist allerdings noch fraglich.

Oft gelesen: Betriebshof-Diskussion geht weiter – Ochsenkopf bleibt Option!

Darum geht es

Der aktuelle Betriebshof an der Bergheimer Straße ist sanierungsbedürftig und wird den „Anforderungen eines zukunftsfähigen ÖPNV“ (RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek) nicht mehr gerecht: Zu geringe Kapazitäten und zu kleine Werkhallen für eine wachsende (und länger werdende) Fahrzeugflotte, schlechte Arbeitsbedingungen für Angestellte - „eine Beibehaltung des Status Quo an der Bergheimer Straße ist für uns die schlechteste und nicht tragbare Alternative“, schreiben die RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek und Christian Volz in einem offenen Brief an die Stadträte.

RNV und HSB beklagen zudem einen zunehmenden Sanierungsstau: Allein für die kommenden sechs Jahre plant das Verkehrsunternehmen für Instandhaltungen Ausgaben von rund 8,5 Millionen Euro ein. An Modernisierungen ist nicht zu denken. Zudem droht wegen bestehender Mängel die betriebliche Stilllegung

Entscheidung immer wieder aufgeschoben

Klar ist seit Jahren: Der Betriebshof muss am jetzigen Standort erneuert oder an anderer Stelle neugebaut werden. Mit der Entscheidung über das weitere Vorgehen tut sich der Gemeinderat allerdings ebenso lange schwer. Zuletzt konnte sich das Gremium im Frühjahr 2017 nicht zwischen einem Umbau im laufenden Betrieb oder einem Neubau auf der Ochsenkopfwiese entscheiden und vertagte die Entscheidung. Die Stadt sollte ein Entwicklungskonzept für Bergheim erarbeiten und neben der Bergheimer Straße und der Ochsenkopfwiese weitere Standorte prüfen.

Statt mögliche Ausweichflächen genauer zu untersuchen, befassten sich Stadtverwaltung und RNV allerdings lediglich mit dem Standort Ochsenkopf eingehend - und das gleich in drei Ausführungen! Die Alternative Airfield wurde lediglich oberflächlich geprüft. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2018 auf einer Sondersitzung der Bezirksbeiräte Bergheim und Wieblingen und im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss vorgestellt.

Seither werden folgende drei Varianten heiß diskutiert:

1. Sanierung Bergheimer Straße

Eigentlich hat man sich bereits 2014 auf eine Sanierung und Erweiterung des Betriebshofs an der Bergheimer Straße mit begrüntem Dach ausgesprochen. Als die 75-prozentige Förderung für das 50 bis 60 Millionen Euro teure Projekt wegbrach, lag der Plan erstmal auf Eis.

Inzwischen veranschlagt die RNV für einen Neubau am Standort Gesamtkosten von rund 88 Millionen Euro. Abzüglich der möglichen Fördergelder würde diese Variante etwa 71 Millionen Euro kosten.

Im Gemeinderat favorisieren SPD, Linke, GAL und Bunte Linke diese Option, auch wenn sie teurer ist als die anderen potentiellen Varianten. SPD-Fraktionschefin Anke Schuster argumentiert das im Haupt- und Finanzausschuss mit „verlässlicher Politik“: Man habe der RNV bei der letzten Vertagung der Frage eine Entscheidung versprochen. Diese müsse man jetzt auch fällen, statt weitere Standorte zu prüfen und den Prozess erneut in die Länge zu ziehen. Zudem sehe man nicht, warum die Bergheimer Straße, die die RNV 2014 noch selbst ausbauen wollte, plötzlich kein akzeptabler Standort mehr sei.

Betriebshof Bergheimer Straße.

Mit 2,4 Hektar ist die Fläche für einen modernen Betriebshof (braucht laut RNV mindestens 3 Hektar) allerdings zu klein. Deshalb regen Parteien und Bürgerinitiativen an, das Areal um die Alte Feuerwache zu erweitern. Gesamtfläche dann: etwa 3,2 Hektar. Dort könnte die Buswartung und -abstellung ermöglicht werden. 

Der Vorteil gegenüber den Alternativstandorten liegt für viele in seiner zweiseitigen Anbindung ans Straßenbahnnetz. Das garantiert die Aufrechterhaltung des Betriebs bei Störungen.

2. Neubau am Ochsenkopf

Der klare Favorit von Stadtverwaltung, RNV und dem bürgerlichen Lager im Gemeinderat: Die oft als „Hundewiese“ bezeichnete Grünfläche zwischen Bahngleisen und B37 am Großen Ochsenkopf

Wiese am Ochsenkopf.

Die Gründe für eine Verlagerung an den Ochsenkopf: Laut Flächennutzungsplan ist die Ochsenkopfwiese ohnehin schon als Gewerbefläche ausgezeichnet, argumentieren CDU und ‚Heidelberger‘. Daneben ist der jetzige Standort „nicht mehr zukunftsfähig“, findet Michael Eckert (FDP). Zudem behindere eine Sanierung im laufenden Betrieb die Arbeitsabläufe zu stark.

Der aktuelle Plan sieht mehrere kleinere Gebäude zur Wartung, Fahrfertigmachung und Busabstellung vor. Die Straßenbahnen sollen indes im Freien abgestellt werden. Die RNV rechnet bei dieser Variante mit rund 62 Millionen Euro Investitionskosten (mögliche Fördersumme: 18 Millionen Euro).

Für die wegfallende Grünfläche (immerhin 34.000 Quadratmeter) soll die Hälfte des für die Stadtentwicklung von Bergheim-West frei werdenden Betriebshof-Areals in einen „Stadtpark“ umgewandelt werden. Der Rest soll für Mischnutzung (Wohnen, Gewerbe) freigegeben werden. 

Kritiker des Vorhabens befürchten derweil eine Gentrifizierung des Stadtteils. Zudem würde Heidelberg mit der Verlagerung auf den Ochsenkopf eine ökologisch und klimatisch bedeutende Grünfläche verlieren. Das Gebiet ist nicht nur ein artenreiches Biotop sondern als Kaltluftentstehungsgebiet auch wichtig für das Stadtklima, erklärt das Aktionsbündnis Bergheim-West.

3. Betriebshof auf dem Airfield

Die Prüfung durch Stadt und RNV habe ergeben, dass das Airfield durchaus eine echte Alternative zu den beiden anderen darstellt, finden die Grünen. 

Der ehemalige US-Flughafen könnte den „Gordischen Knoten lösen“, findet Christoph Rothfuß (Grüne) und meint damit das Dilemma, sich zwischen Betriebshof am alten Standort erhalten und dem Wunsch, den Stadtteil mit Blick auf Wohnen, Geschäfte und Grünflächen zu entwickeln, entscheiden zu müssen.

Das ehemalige US-Airfield.

Das Areal ist groß genug für jede erdenkliche Gebäude-Geometrie“, stellt Baubürgermeister Jürgen Odszuck im Oktober mit Blick auf das Airfield fest, dort sei eine „funktionale und wirtschaftliche Variante möglich, das Idealbild einer Betriebshofplanung“. Deshalb wollen die Grünen, dass die bislang rudimentäre Prüfung durch die Verwaltung intensiviert wird. 

Wenn man den südlichen Teil des 16 Hektar großen Geländes für den Betriebshof nutzt, kann man das restliche Gelände entsiegeln und einem Landwirtschafts-/Landschaftspark zuführen“, schlägt Peter Holschuh (Grüne) bei einem Vor-Ort-Termin am Samstag (17. November) vor.

Vor-Ort-Termin der Grünen am Airfield.

Die Vorteile: Das Areal ist größtenteils schon versiegelt und ließe sich bei Bedarf noch erweitern. Die Entwicklungskosten werden auf rund 65 Millionen Euro geschätzt, die potentielle Fördersumme auf gut 19 Millionen Euro. Ein Betriebshof zwischen Pfaffengrund und Kirchheim würde daneben die Entwicklung einer Straßenbahn ins PHV (und weiter nach Schwetzingen) vorantreiben, sind sich die Grünen sicher.

Darin liegt aber auch einer der Nachteile der Variante: Das Gelände muss erst noch an ein Straßenbahnnetz angebunden werden. Ob das über die Speyerer Straße/Baumschulenweg/Oftersheimer Weg überhaupt möglich ist, ist ebenso fraglich wie die zeitliche Umsetzung: Während ein Umbau der Bergheimer Straße und ein Neubau am Ochsenkopf bis 2024 fertiggestellt sein könnten, würden beim Airfield wohl mindestens zehn weitere Jahre ins Land gehen, schätzen Verwaltung und RNV.

Je nach Anbindung an das Straßenbahnnetz würde man zwischen 60 und 150 Felder südlich der Bahnstadt zerschneiden“ meint Gunnar Straßburger, Leiter des Bereichs Infrastruktur bei der RNV. Erfahrungsgemäß müsse man in solchen Fällen zusätzliche Zeit für Gerichtsverfahren wegen Eigentumsfragen einberechnen.

Lösung für die Patt-Situation?

In den vorberatenden Gremien (Verkehrs- und Hauptausschuss) fand keine der drei Varianten eine Mehrheit, eine Lösung für die verfahrene Situation ist bislang nicht in Sicht. Aber: „Es werden im Hintergrund Gespräche geführt“, erklärt Rothfuß. 

Ein Ansatz könnte unweit des Airfields liegen. CDU-Fraktionschef Jan Gradel hat in einem RNZ-Interview unlängst den Recyclinghof am Oftersheimer Weg als Alternativstandort ins Spiel gebracht, da die Zuwegung dort günstiger erscheint als beim Airfield. 

Der Recyclinghof am Oftersheimer Weg.

Sollte die CDU den Recyclinghof vorschlagen, würden die Grünen dafür stimmen, lässt Holschuh durchblicken. Würde man die Äcker zum Diebsweg und einen Teil zur Speyerer Straße hinzunehmen, käme man sogar auf eine Fläche von 8 Hektar und könnte somit auch den Recyclinghof erhalten, ergänzt Rothfuß. Auch diesen Standort könnte man in „vier bis fünf Monaten“ (Rothfuß) qualifiziert prüfen, um dann eine gute Entscheidung für die RNV und für die Stadt zu fällen.

Abstimmung

Neben Oberbürgermeister Eckart Würzner sind bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag allerdings 48 Räte stimmberechtigt. Damit ein Antrag durchkommt, braucht er 25 Stimmen, CDU und Grüne haben zusammen 20 Stimmen.

rmx

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare