Lohn wird erhöht

Erfolgreicher Streik! Uniklinik-Angestellte bekommen mehr Geld 

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ver.di-Streik an der Heidelberger Uniklinik

Heidelberg – Sie kämpfen nicht nur für sich persönlich, sondern auch für ihre Patienten – und gewinnen! Das bekommen die Angestellten der Uniklinik ab sofort mehr: 

  • Streik der Heidelberger Klinik-Angestellten am Dienstag
  • 500 Streikende auf der Straße vor Neuenheimer Uniklinikum
  • Beginn der Verhandlungen in Stuttgart

Update vom 6. November: Die rund 25.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten der vier Unikliniken in Baden-Württemberg bekommen mehr Geld. Nach Warnstreiks in Freiburg, Tübingen, Ulm und Heidelberg wurde in den Verhandlungen am Dienstag ein Durchbruch erzielt. Das bestätigt ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di am Mittwochmorgen. Ihr Lohn steigt den Angaben zufolge rückwirkend zum 1. November um 4,1 Prozent. Zum 1. Februar 2021 kommen noch einmal 3 Prozent hinzu. Auszubildende erhalten in zwei Stufen 130 Euro mehr und eine Prämie von 450 Euro zum Berufsstart. Zudem haben die Tarifparteien vereinbart, die Gehälter von Pflegekräfte zusätzlich um 200 Euro anzuheben. Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 28 Monate. 

Vor der dritten Verhandlungsrunde am Mittwoch waren Mitarbeiter in Tübingen, Freiburg, Ulm und Heidelberg in den Ausstand getreten. An den Warnstreiks in dieser Woche beteiligten sich ver.di zufolge insgesamt bis zu 2.800 Menschen. Die Tarifkommission der Gewerkschaft muss dem Ergebnis am Freitag noch zustimmen. Von dem Abschluss sind nicht nur Pfleger betroffen, sondern auch Techniker, Laboranten und Hausmeister. Die Ärzte an den Kliniken fallen unter den Tarifvertrag der Ärzte der Länder.

500 Angestellte streiken vor Uniklinik: „Mir geht es nicht um mehr Gehalt...“

Meldung vom 5. November: „Mehr von uns – ist besser für alle!“, skandiert Monika Neuner, ver.di-Gewerkschafstssekretärin, am Dienstagmorgen (5. November) um 10 Uhr im Kasino der Uniklinik Heidelberg. Und weiter übt sie mit den Streikenden im Saal für die Demo: „Wir wollen mehr Kohle sehen.“ Am Dienstag beginnt die dritte Verhandlungsrunde von ver.di (Vereinte Deinstleistungsgewerkschaft), eingeläutet mit ganztägigen Warnstreiks von über 1.800 Streikenden an den Unikliniken Freiburg, Tübingen und Ulm an den vorangegangenen Tagen. Mit den Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft die Arbeitgeber dazu bewegen, heute ein Angebot abzugeben, das allen Beschäftigten in den Kliniken „deutlich mehr Geld bringt und auf die Erwartungen eingeht“, so ver.di in einer Pressemitteilung. Bisher seien die Arbeitgeber lediglich bereit, die Pflege und die Auszubildenden zu stärken. 

Heidelberg: Uniklinik-Personal streikt am Dienstag

Die Verhandlungen starten ab 10:30 Uhr in Stuttgart, begleitet vom ganztägigen Warnstreik in Heidelberg. Die Demonstration startet um 11 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Nierenzentrum, einem Rundlauf Richtung Zoo, Kopfklinik und Uni.

In Heidelberg wird unter anderem die Abteilung Herzkatheter, die Kinderambulanz, die Orthopädie, die Chirurgie, die Sekretariate und sogar die Verwaltung bestreikt. „Das bedeutet, dass heute auch mal keine Patientenklingeln repariert werden“, erklärt Monika Neuner. Dazu erklären sich 150 Auszubildende an den Krankenpflegeschulen solidarisch und wollen ihre künftigen Kollegen unterstützen. Dadurch sind zum Beispiel viele Termine von geplanten Operationen ausgefallen. Aber keine Sorge: Notfälle werden nach wie vor gut versorgt. Wie im Fall der Herzkatheter-Abteilung: Von acht Operationssälen werden sechs bestreikt, zwei sind aber für Notfälle noch voll besetzt.

Was die Gewerkschaft ver.di für alle Angestellten des Heidelberger Uniklinikums fordert

ver.di fordert für die rund 25.000 von diesem Tarifvertrag betroffenen Beschäftigten in Heidelberg, Tübingen und Freiburg und Ulm acht Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Um die Pflege zu stärken, hat der Gesetzgeber mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz die Refinanzierung von Entgeltsteigerungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Pflege garantiert. 

ver.di-Streik an der Heidelberger Uniklinik

ver.di fordert deshalb für diese Beschäftigten 200 Euro im Monat zusätzlich. Die Gewerkschaft erwartet Verhandlungen über einen Tarifvertrag mit altersgerechtem Arbeiten sowie die zeitliche Höherbewertung der Samstags-, Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit (Wunsch: plus dem anderthalbfachen Zeitfaktor). Für die Auszubildenden soll es unter anderem 130 Euro mehr geben sowie fünf freie Lerntage pro Ausbildungsjahr, um sich besser auf die anspruchsvollen Prüfungen und Klausuren vorbereiten zu können. Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika, von dem rund 25.000 Beschäftigten an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzte in Heidelberg fallen unter den Tarifvertrag des Marburger Bundes, sind also von den Streiks ausgenommen.

Das bieten Arbeitgeber den Heidelberger Klinik-Angestellten an:

Laut Regina (34), Krankenschwester der Chirurgie, bieten die Arbeitgeber momentan nur 5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 36 Monaten. Das wären brutto circa 45 Euro. „Das ist absolut nicht ausreichend!“ Bemängelt wird dabei, dass nur das Pflegepersonal in den Genuss der 200 Euro käme, andere Berufsgruppen würden ausgeschlossen. Für Eilif Balcik (32) ist seit 10 Jahren als MTA-F angestellt, ist das Geld jedoch nicht unbedingt der ausschlaggebende Grund, zu streiken: „Wir sind eine der wenigen OPs mit nur einer Besetzung beim Herzkatheter.“ Angeblich haben ihre Kolleginnen noch nie die volle Besetzung erlebt. Das bedeutet anhaltenden Stress. 

ver.di-Streik an der Heidelberger Uniklinik

Krankenschwester Michaela (55), seit 1984 in der Orthopädie beschäftigt: „Mir geht es auch nicht um mehr Gehalt, sondern um mehr Personal. Dass ich meinen Arbeitsplatz mit gutem Gewissen nach der Übergabe verlassen kann und nicht immer so stark körperlich erschöpft bin nach jeder Schicht.“ Für den 64-jährigen Bruno, der in der Verwaltung arbeitet, ist es schon der sechste Streik: „Es geht einfach um das Übliche: Die Stationen sind einfach zu schwach besetzt.“

ver.di-Mitglieder aus Jena kommen zur Unterstützung der Heidelberger Streikenden

Auch Martin Gross, ver.di Landesbezirksleiter äußert sich schon zuvor in einer Pressemitteilung: „Das Angebot der Arbeitgeber würde zu einer Spaltung der Beschäftigten führen. Spaltung ist Gift für eine Belegschaft, Gift für ein Krankenhaus. Es gibt wohl keinen Arbeitsplatz im Land, wo das solidarische Miteinander wichtiger ist als eine Klinik. Das muss sich auch in der Bezahlung widerspiegeln.“

Zur mentalen Unterstützung sind zwei Kollegen aus Jena gekommen, die haben es dort schon geschafft. Ellen Ort (51), Krankenschwester (Oben im Bild, mittig): „Bei uns gibt es seit gestern einen Belastungsausgleich – nach 34 harten Verhandlungsstunden. Wir haben einen Plan, wie viele Pflegekräfte pro Patient notwendig sind. Entweder es wird aufgestockt, bei Unterbesetzung gibt es einen finanziellen Belastungsausgleich. Auch der nicht-pflegerische Bereich ist eingebunden.“

Den Heidelberger Klinik-Angestellten soll der Besuch aus Jena Mut zum Streiken machen – und Kraft zum Weiterarbeiten geben.

kpo

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