Streit um „Alten Kohlhof“

„Sterne-Gastro ist nie rentabel, sondern fürs Ego – wie ein Ferrari“

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Betrieben die Hofbauers am Alten Kohlhof eine Gaststätte oder nicht? (Archivbild)

Heidelberg - Der Streit um den „Alten Kohlhof“ geht vor dem Landgericht in die nächste Runde: Zeugen bezweifeln, dass die Familie Hofbauer wirklich eine Gaststätte betrieben hat.

Haben die Hofbauers vor dem 25. Januar 2017, als die Stadt ihr Rückkaufrecht ausübte, im ehemaligen „Alten Kohlhof“ eine ‚Gaststätte‘ betrieben oder nicht?

Zu dieser Frage hörte das Landgericht am Mittwoch (28. März) sieben Zeugen. Bis auf Betreiber Florian Hofbauer hatte allerdings kein Zeuge den Eindruck, dass in der beliebten ehemaligen Ausflugsgaststätte ein Gastronomie-Betrieb „in welcher Form auch immer“ geführt worden wäre. 

Gab es einen Gaststättenbetrieb?

Vielmehr führen Nachbarn vor Gericht aus, dass die neuen Besitzer des Grundstücks „nie die Absicht hatten, dort eine Gastronomie zu betreiben“. Das habe Michael Hofbauer kurz nach dem Kauf der Liegenschaft im Jahr 2015 auch offen zugegeben, berichten zwei Zeugen.

Lediglich am 15. Januar 2017, dem „Eröffnungstag“ des Gourmet-Restaurants „Busenbrunner Hofs“, habe es eine Veranstaltung gegeben, beschreibt Manuel Steinbrenner, der für die Grünen im Gemeinderat sitzt und nur einen Steinwurf entfernt vom Streitobjekt wohnt: „Da standen andere Autos rum, es war Besuch da, es wurde gekocht – das konnte man riechen.“ An den Folgetagen habe es aber keinen weiteren Betrieb gegeben. Das bestätigen auch drei weitere Anwohner vor Gericht.

Auch Bedienstete der Stadtverwaltung bezweifeln, dass unter Hofbauer ein geregelter Gaststättenbetrieb stattgefunden hat. Als die Familie Hofbauer etwa drei Monate nach Kauf einen Bauantrag auf Erweiterung der Betreiberwohnung stellten, sei man bei der Stadt noch davon ausgegangen, dass die Betreiber auch die im Kaufvertrag enthaltene Verpflichtung zum Betrieb einer Gaststätte einhalten wolle, erklärt Ute Rimmler vom Liegenschaftsamt. 

Der Rechtsanwalt der Verkäufer habe der Stadt vor Verkauf angekündigt, dass die Familie Hofbauer alle Verpflichtungen aus dem 1997 zwischen den Eheleuten Stier und der Stadt geschlossenen Kaufvertrag übernehmen würden und diese auch „vollumfänglich erfüllen wollen“ (Rimmler), erinnert sich auch Ralf Krapp, der bis Ende 2017 das Liegenschaftsamt leitete. Von einer Gaststättenverpflichtung wollen die Hofbauers vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags allerdings nichts gewusst haben.

Ein Jahr nach dem Kauf habe die Verwaltung dann angefragt, wann denn mit der Eröffnung eines Lokals zu rechnen sei. Daraufhin habe Hofbauer geantwortet, dass ein Gaststättenbetrieb am Ort wirtschaftlich nicht möglich sei und er nicht beabsichtige, am Kohlhof eine Gaststätte zu betreiben. Erst nachdem die Stadt Ende Januar 2017 das Wiederkaufsrecht ausgeübt hat, habe man von den Betreibern ein Gutachten zur Unwirtschaftlichkeit vorgelegt bekommen, so Krapp. 

Selbst bei einem Besichtigungstermin im Sommer 2017 habe es in dem Gebäude keine funktionierende Küche, kein Kühlhaus und kein Mobiliar gegeben, dass auf eine Gaststättennutzung hinweise, erklären beide Stadtangestellten. Selbst die Toiletten seien nicht nach Geschlechtern getrennt, sondern in Richtung Privatnutzung umgebaut gewesen.

Unrentable Sterne-Gastro und ein „prekärer Kundenstamm“

Er habe das Objekt am Alten Kohlhof aufgetan, um dort ein Gourmet-Restaurant mit einem Frankfurter Sternekoch zu betreiben, sagt Florian Hofbauer in der Verhandlung. Seine Mutter habe den Kaufvertrag aus steuerlichen Gründen unterschrieben, gibt Hofbauer unumwunden zu.

Mit den Umbauarbeiten am Gebäude habe man im Juni 2015 begonnen, an der alten sanierungsbedürftigen Gaststätte Anfang 2016, erinnert sich Hofbauer. Für die Eröffnung des Busenbrunner Hofs am 15. Januar 2017 habe man improvisieren müssen, da noch lange nicht alles fertig war. In den Genuss der kostenlosen Eröffnungshäppchen seien Stammkunden vom Lingentaler Hof, Privatkunden und Freunde gekommen, so Hofbauer. Auch im Februar und März 2017 habe man Gäste bewirtet, behauptet der selbständige Gastronom. Davon hatten die Anwohner indes nichts mitbekommen.

Der Plan sei gewesen, an drei Tagen in der Woche geöffnet zu haben und mit Kunden die einen der „vier bis fünf Tische“ um die drei Monate im Voraus reservieren müssten, ein individuelles Menü abzusprechen. Als einer der Richter einwirft, ob sich das den lohne, antwortet Hofbauer: „Sterne-Gastro ist nie rentabel! Das ist rein fürs Ego – ähnlich wie ein Ferrari.

Sein Geld verdiene er in anderen Branchen, das Gourmet-Restaurant diene seinem „prekären Kundenstamm“, der ungern in eine öffentliche Gaststätte ginge, aber auf hohe Qualität beim Essen wert lege, so Hofbauer. So käme er mit diesen Personen in anderen Branchen leichter ins Geschäft. Dennoch sei das Restaurant auch offen für andere Gäste, „auch wenn es nicht mein primäres Ziel ist.

Hintergrund

Eigentümer Michael Hofbauer hatte das beliebte Ausflugslokal auf dem Kohlhof 2015 gekauft und in ein Wohnhaus umgebaut. Damit verletzte er aus Sicht der Gemeinderäte den Grundbucheintrag, nach dem im Alten Kohlhof bis Mitte 2022 eine Gaststätte zu führen ist.

Hofbauer argumentierte, dass eine Gastronomie am Kohlhof nicht mehr rentabel zu führen sei. Die Stadt hatte den Eigentümern eine Frist bis Mitte Dezember 2016 eingeräumt, ein Konzept vorzulegen und bis 15. Januar 2017 ein Lokal einzurichten.

Oberbürgermeister Eckart Würzner kündigte bereits Mitte Januar letzten Jahres den Rückkauf des Grundstücks an, nachdem die Eigentümer aus Sicht der Stadt „kein zukunftsfähiges Konzept vorgelegt“ hatten. Anfang September 2017 reichte die Stadt schließlich Klage auf Rückkauf des Anliegens ein.

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Der Prozess wird am Mittwoch (18. April, 10 Uhr) fortgesetzt.

rmx

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