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Heidelberg-Studie 2020: Corona nicht das wichtigste Problem für Bürger

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Von: Florian Römer

Heidelberg - Trotz Pandemie fühlen sich Heidelberger in „ihrer“ Stadt wohl, wie die aktuelle Heidelberg-Studie zeigt. Das wichtigste Problem für die Bürger ist nicht Corona:

Seit 2012 gibt die Stadt Heidelberg eine jährliche Bürgerstudie in Auftrag, in der Einwohner zu Schwerpunktthemen befragt werden. Erstaunliches Ergebnis der aktuellen, von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführten, repräsentativen Heidelberg-Studie 2020: Selbst im Pandemiejahr 2020 ist das Coronavirus für Heidelberger nicht das wichtigste Problem ‒ zwei Themen wiegen für die Befragten schwerer. Mit großem Abstand bleibt der Verkehr das „Lieblings“-Problem für die Einwohner der Universitätsstadt. Dennoch fühlen sich 97 Prozent der Befragten in Heidelberg wohl, immerhin drei Viertel sogar „sehr wohl“.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019, Eurostat)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Stadtteile15

Heidelberg-Studie 2020: Wohlfühloase am Neckar

Im Oktober 2020 wurden rund 1.100 Heidelberger von der Forschungsgruppe Wahlen angerufen. In ihrem Stadtteil fühlten sich 68 Prozent „sehr wohl“, 29 Prozent „eher wohl“. Den höchsten Wohlfühlfaktor haben die östlichen und nördlichen Stadtteile: 84 Prozent der Bürger in Ziegelhausen und Schlierbach fühlen sich sehr wohl, in Handschuhsheim und Neuenheim sagten das 83 Prozent der Angerufenen. Deutlich geringer fielen die Werte in den südlichen Stadtteilen aus: 58 Prozent der Bewohner in der Südstadt, in Rohrbach, auf dem Boxberg und Emmertsgrund fühlen sich „sehr wohl“, immerhin 39 Prozent „eher wohl“.

Blick vom Philosophenweg auf den Neckar, die Altstadt und das Schloss in Heidelberg.

Blick auf die Altstadt und das Schloss in Heidelberg. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Mit ihrer persönlichen Situation waren 92 Prozent der Befragten (sehr) zufrieden. Auffällig: nur drei Prozent der von den Corona-Maßnahmen besonders eingeschränkten Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen waren mit ihrer persönlichen Situation weniger zufrieden. Dazu muss man aber wissen, dass die Umfrage zu einem Zeitpunkt durchgeführt wurde, als die Inzidenz in Heidelberg nach niedrigen Infektionszahlen über den Sommer immer noch bei einem Wert von 30 lag und der zweite Lockdown erst noch bevorstand. Die persönliche wirtschaftliche Lage bewerteten 75 Prozent der Bürger als „gut“. In der Heidelberg-Studie 2019 lag der Wert noch bei 70 Prozent. 20 Prozent schätzten ihre Lage als „teils/teils“ ein, vier Prozent als „schlecht“.

Heidelberg-Studie 2020: Verkehr wichtigstes Problem

Wie in den Vorjahren ‒ wenn auch nicht so stark ‒ ist für Einwohner der Verkehr das wichtigste Problem in der Stadt Heidelberg. 53 Prozent der Studienteilnehmer nannten das Thema, gefolgt von Wohnen (21 Prozent). Corona war für 18 Prozent das dringendste Problem. Verkehr wurde allgemein besonders in den östlichen Stadtteilen als Problem genannt, am wenigsten in den nördlichen Stadtteilen. Wohl auch coronabedingt ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit 11 Prozent nicht mehr allein das wichtigste Verkehrsthema der Stadt: elf Prozent gaben auch „Radwege“ an, sieben Prozent ärgerten sich über Parkplatzprobleme.

Das wichtigste Verkehrsmittel der Heidelberg bleibt das Rad: Immerhin 41 Prozent der Befragten nutzen das Fahrrad, um sich in der Stadt zu bewegen, 24 Prozent nutzen Bus oder Bahn, 22 Prozent greifen auf das Auto zurück. Zu Fuß gehen 11 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg steigen Einwohner in Handschuhsheim und Neuenheim für Stadtfahrten am häufigsten (64 Prozent) aufs Rad. Den geringsten Radanteil haben die östlichen Stadtteile mit sieben Prozent. Den ÖPNV nutzen übrigens die 40- bis 49-Jährigen am wenigsten: Nur vier Prozent der Altersgruppe gaben an, in Heidelberg mit Bus und Bahn unterwegs zu sein. Neben dem Fahrrad (53 Prozent) wird in diesem Alterssegment für Fahrten innerhalb des Stadtgebiets auch das Auto (32 Prozent) am stärksten genutzt. Das Auto bleibt auch für Fahrten in der Region das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel (64 Prozent).

Dass das Rad einen hohen Stellenwert besitzt, dürfte in Heidelberg auch damit zusammenhängen, dass über 60 Prozent der Einwohner im Stadtgebiet arbeiten, 18 Prozent haben den Arbeitsort sogar im eigenen Stadtteil. 37 Prozent der Befragten gaben an, ihren Arbeitsplatz außerhalb Heidelbergs zu haben. Hier liegt die Quote bei Männern (45 Prozent) deutlich höher als bei Frauen (29 Prozent).

Heidelberg: Leben und Arbeiten in der Corona-Pandemie

Vom Coronavirus geht eine Gefährdung für die eigene Gesundheit aus, befinden 57 Prozent der im Oktober 2020 Befragten, 40 Prozent sehen das nicht so. Besonders die Altersgruppen ab 50 Jahre sehen sich in ihrer Gesundheit gefährdet. Mit der Coronabekämpfung in Heidelberg sind 82 Prozent der Einwohner (sehr) zufrieden, 15 Prozent (gar) nicht zufrieden. Positive Entwicklungen wie technische Verbesserungen oder kreative Lösungen habe die Corona-Krise gebracht, meinen zwei Drittel der Befragten.

Maskenpflicht Heidelberg

In Heidelberg greift die Notbremse © HEIDELBERG24/Celine Burmeister

Die Bedeutung sozialer Beziehungen in der Nachbarschaft wurde durch die Pandemie deutlich, findet die Studie: Vor allem für Risikogruppen kann Unterstützung bei täglichen Erledigungen wie Einkaufen nützlich sein. 83 Prozent der Befragten beschrieben ihr Verhältnis zur Nachbarschaft als (sehr) gut, 15 Prozent gaben an, kein großen Kontakt zu Nachbarn zu haben. Besonders stark in der Nachbarschaft vernetzt ist der Heidelberg-Studie 2020 zufolge die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (96%). Deutlich weniger Kontakte zu Nachbarn haben die 16- bis 29-Jährigen (68 Prozent).

Von 28 Prozent vor der Corona-Krise ist der Anteil der Heidelberger, die im Home-Office arbeiten auf 40 Prozent gestiegen. Für 62 Prozent der Studienteilnehmer ist es ganz oder teilweise möglich, von zu Hause zu arbeiten. Besonders in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen sehen Erwerbstätige die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten. Insgesamt sind 77 Prozent mit ihrer Situation im Home-Office zufrieden. Allerdings finden vor allem Eltern junger Kinder (unter 6 Jahren), dass Beruf und Familie im Home-Office schwer vereinbar sind (31 Prozent).

Heidelberg-Studie 2020: Politik, Gemeinderat, Oberbürgermeister

Im Vergleich zu den Vorjahren ist das Interesse an Politik in Heidelberg gestiegen. 62 Prozent interessieren sich laut der Heidelberg-Studie 2020 „sehr stark“ oder „stark“ für das politische Geschehen. Auch wenn das Interesse an der Heidelberger Kommunalpolitik derweil auf 38 Prozent (2019: 44%) gesunken ist, finden 70 Prozent der Befragten, dass Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos) gute Arbeit macht. 15 Prozent sehen das nicht so. Mit der Arbeit des Heidelberger Gemeinderats zeigt sich die Hälfte der Studienteilnehmer (sehr) zufrieden, ein Drittel war weniger oder sogar gar nicht zufrieden.

Bei der Parteipräferenz der Befragten bildet sich grob die Verteilung im Gemeinderat ab: 34 Prozent gefallen die Grünen am besten, gefolgt von der CDU (12%), der SPD (10%) und den „Heidelbergern“ (7%). Die FDP präferieren vier Prozent, alle anderen Parteien liegen bei drei Prozent oder darunter. 21 Prozent machten keine Angabe zu ihre politischen Präferenz.

Heidelberger bestellen immer häufiger online

Wie auch 2019 gaben zwei Drittel aller Befragten an, im Internet einzukaufen. Ein Viertel tut das nicht, zehn Prozent haben eher kein Internet. Indessen hat der Anteil der Angerufenen, der mindestens ein Mal pro Woche oder mehrmals monatlich im Internet shoppen, auf 35 Prozent zugenommen (2019: 28%). Am Häufigsten bestellen Heidelberger im Netz Kleidung und Schuhe, Elektronik, Computer(Zubehör) oder Haushaltsgeräte sowie Bücher und eBooks. Den größten Anteil der Online-Shopper in Heidelberg haben die Altersgruppen der 30- bis 39-Jährigen und 40- bis 49-Jährigen.

In Heidelberg greift die Notbremse

Läden in Heidelberg waren 2020 teilweise länger geschlossen. © HEIDELBERG24/Celine Burmeister

Heidelberg profitiert von Wissenschaftseinrichtungen

Der Fokus der Heidelberg-Studie liegt 2020 auf dem Thema Wissenschaft. Heidelberg profitiere von seinen Wissenschaftseinrichtungen, wie der Ruprecht-Karls-Universität, dem Uniklinikum oder dem DKFZ, meinen 95 Prozent der Befragten. Die Einrichtungen haben neben dem Ansehen auch starken Einfluss auf Arbeiten, Wohnen, Wirtschaft und Verkehr. 23 Prozent der Teilnehmer geben an, in einer wissenschaftlichen Einrichtung zu arbeiten, 54 Prozent sind deshalb nach Heidelberg gezogen.

Ein Luftbild von Heidelberg, auf dem der Stadtteil Neuenheim und der Unicampus Neuenheimer Feld zu sehen sind. Im Neuenheimer Feld ist neben Instituten der Ruprecht-Karls-Universität auch das Universitätsklinikum Heidelberg angesiedelt.

Luftbild von Neuenheim und dem Neuenheimer Feld. © Stadt Heidelberg/Diemer

Ein Interesse an Wissenschaft und Forschung haben 63 Prozent der Befragten, neun Prozent mehr als 2019. Damit Heidelberg Wissenschaftsstandort weiterhin konkurrenzfähig bleiben kann, brauchen Wissenschaft und Forschung weitere Wachstumsflächen, glauben 81 Prozent der Teilnehmer. Die Unterstützung von Politik und Verwaltung für die Wissenschaftseinrichtung bewerten zwei Drittel mit „gerade richtig“. (rmx) Quelle: Heidelberg-Studie

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