Clubsterben?

Studie verrät: So schlimm steht es wirklich um Heidelberger Clubszene!

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Immer mehr Clubs in Heidelberg schließen: Der Schwimmbad Club wird dem Erdboden gleich gemacht. (Archivbild)

Heidelberg - Wie steht es um die Heidelberger Clubszene wirklich? Antworten auf diese Frage liefert eine neue Studie, die die Stadt in Auftrag gegeben hat. Mit erschreckenden Ergebnissen:

In Heidelberg herrscht Clubsterben – so heißt es zumindest, wenn man die Feiernden in der Altstadt fragen würde. Doch steht es um die Clubszene wirklich? Das Geographische Institut der Universität Heidelberg soll das im Rahmen einer Studie im Auftrag der Stadt Heidelberg herausfinden. Die Ergebnisse stellt Professor Johannes Glückler am Donnerstag (13. September) im Ausschuss für Kultur und Bildung vor:

Ergebnis der Studie zum Clubsterben in Heidelberg

In Heidelberg gibt es mit 32 Musikspielstätten mit Live-Musik immer noch eine Angebotsvielfalt, allerdings ist die Zahl der Clubs und der Musikveranstaltungen seit 2007 kontinuierlich gesunken. Gleichzeitig wächst Heidelbergs Bevölkerung um zehn Prozent auf rund 160.000 Einwohner!

Datengrundlage für die Studie ist eine nicht-repräsentative Onlinebefragung von 1.238 Bürgern, Interviews mit Clubbetreibern und Experten der Szene, sowie die Auswertung von Veranstaltungsankündigungen in der Rhein-Neckar-Zeitung aus dem Zeitraum 2007 bis 2017.

Basierend darauf identifizierten die Wissenschaftler 32 Musikspielstätten, darunter sechs größere Musikclubs mit mehr als 24 regelmäßigen Live-Konzerten im Jahr und 26 Clubs und Musikspielstätten, bei denen unregelmäßig Live-Musik angeboten wird. Nicht unter den „Club“-Begriff fallen die rund 600 Gaststätten und Vereine, bei denen die Musik ausschließlich vom Tonträger kommt.

Fotos: Bye, bye Nachtschicht!

Weniger Veranstaltungen und weniger Clubs

Die Studie bestätigt einen kontinuierlichen Rückgang an Musikveranstaltungen im untersuchten Zeitraum. Die Zahl der Veranstaltungen sank um 60 Prozent. Entgegen dem Trend veranstaltet die halle02, der Karlstorbahnhof, das Jazzhaus und das Cave 54 im Jahr 2017 mehr oder ähnlich viele Veranstaltungen wie in den Vorjahren.

Die Veranstaltungen konzentrieren sich auf weniger Orte, da auch die Zahl der Veranstalter um 65 Prozent fiel. Mögliche Gründe für die sinkende Zahl an Musikveranstaltungen sieht die Studie in den gestiegenen Kosten für Livemusik-Konzerte und veränderte Konsummuster. Als Heidelberger Spezifikum nennt die Studie den Weggang der amerikanischen Soldaten und damit den Wegfall eines Teils des Publikums für Jazz und Hip-Hop.

Ergebnis Interviews mit Clubbetreibern

Herausforderungen für Clubbetreiber:

  • Sperrzeiten
  • Empfinden Gebühren für Plakatwerbung als zu hoch
  • Unberechtigte Lärmbeschwerden von Nachbarn
  • Gesunkenes Interesse an Live-Musik

„Nein!“ zu den Sperrzeiten: Studis protestieren auf Heumarkt

Wünsche der Clubbetreiber:

  • Mehr Vermittlung zwischen Anwohnern, Stadt und Clubs
  • Mehr Förderung von Kulturveranstaltungen
  • Keine Unterscheidung zwischen „High und Low Kultur“ bei der Budgetvergabe.

Ergebnis Online-Befragung

Die Heidelberger, die sich an der öffentlichen Onlinebefragung beteiligten, geben zu zwei Dritteln an, dass ihnen vielfältige Veranstaltungen wichtig sind. 60 Prozent der Befragten wünschen sich längere Öffnungszeiten, 20 Prozent beklagen eine schlechte Anbindung von außerhalb liegenden Locations.

Clubsterben kein Heidelberger Phänomen

Das Clubsterben ist laut Glückler kein isoliertes Phänomen in Heidelberg. Die Zahl der Clubs sei auch in anderen großen deutschen Städten rückläufig. Welchen Handlungsbedarf es zur Stärkung der Clubszene in Heidelberg gibt, will die Verwaltung nun weiter mit dem Gemeinderat beraten. 

Hierzu möchte die Stadtverwaltung im nächsten Ausschuss für Bildung und Kultur Ende November eine Stellungnahme zu den Ergebnissen der Studie und möglichen Handlungsansätzen vorlegen. Dabei sollen die Förderung von Live-Musik, die unterstützende Veranstaltungsbewerbung im Online-Bereich und die Zwischennutzung leerstehender Gebäude und Flächen für Clubs berücksichtigt werden. Wirtschaftsförderer Marc Massoth kündigt an, den Dialog mit der Clubszene über Formate wie Branchentreffen stärken zu wollen.

jab/pm

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