Oh du schönes Heidelberg

Eine Studie verrät: Heidelberger Innenstadt ist fast die beste Deutschlands!

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Neues im Alten: Die Altstadt ist ein Ort ständiger Veränderung. Nicht jeder findet das gut. 

Heidelberg - Stören Dich Einkaufsketten in der Hauptstraße? Nachvollziehbar, jedoch kein Heidelberger Phänomen. Eine Studie sagt sogar: Die Altstadt zählt zu den lebendigsten und attraktivsten Innenstädten Deutschlands!

Am 19. Juni 2012 begann die Heidelberger Studentenzeitung „ruprecht“ mit der Veröffentlichung der Reihe: „Hässlichste Orte Heidelbergs“. Teil 8 der ‚Abrechnung‘, veröffentlicht am 17. Juli 2013, trägt den Titel „Die längste Einöde Europas“. Der Autor Kai Gräf schreibt darin: „Die mit ununterbrochenen 1,6 Kilometern „längste Fußgängerzone Europas“ ist in Wahrheit die längste zusammenhängende Einöde des Kontinentseine abstoßende Mischung aus Vulgärromantik und Kettenkonsums.“ 

Harte Worte und eher Kommentar als Artikel. Die Stadt selbst hingegen rühmt sich auf ihrer Website gerade mit seiner guterhaltenen Altstadt und der sie durchziehenden Hauptstraße: „Ein Einkaufsbummel in Heidelberg ist ein Genuss: Zwischen Bismarckplatz und Marktplatz erstreckt sich die 1,4 Kilometer lange, autofreie Hauptstraße in der historischen Altstadt. Sie ist eine der schönsten Fußgängerzonen Europas und zweifellos der Hauptanziehungspunkt für Heidelberger Shoppingfans.“ 

Wer hat recht? Schönste Fußgängerzone oder längste Einöde des Kontinents? Eine Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) aus Köln gibt Aufschluss und wird die Brust von so manchem Heidelberger schwellen lassen.  

Eine der vitalsten Innenstädte

Die Untersuchung „Vitale Innenstädte 2018“ kommt nämlich zu dem Schluss, dass die Heidelberger Altstadt zu den lebendigsten und attraktivsten Innenstädten Deutschlands zählt. Heidelberg überzeugt in der Umfrage unter Passanten mit seinem Ambiente, seiner Gesamtattraktivität sowie seinem Einzelhandel- und Gastronomieangebot. 

In allen Kategorien geben die Befragten die Gesamtnoten „sehr gut“ oder „gut“. Mit der Gesamtnote 2,1 belegt Heidelberg knapp hinter Trier den zweiten Platz unter den untersuchten Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern. Der Notendurchschnitt aller 116 teilnehmenden Städte in ganz Deutschland liegt bei 2,6.

„Die Heidelberger Innenstadt bietet mit ihren vielen kleinen und inhabergeführten Geschäften, der hohen Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und dem einmaligen Ambiente einen attraktiven Mix zum Einkaufen und Verweilen. Das Angebot kommt sowohl bei den Heidelbergerinnen und Heidelbergern als auch bei den Besucherinnen und Besuchern unserer Stadt sehr gut an. Die positiven Rückmeldungen der Passanten sind ein Ansporn für uns, mit allen Beteiligten weiter an der Stärkung des Stadterlebnisses zu arbeiten, an der Verbindung aus Einkaufen und hoher Aufenthaltsqualität. Auf diesem Weg kann sich der Einkaufsstandort Heidelberg weiter gegen den Onlinehandel behaupten“, sagt Marc Massoth, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und Wissenschaft.

Drei von vier Befragten bewerten Attraktivität mit Note 1 oder 2

Für die Studie interviewte das IFH bundesweit insgesamt mehr als 59.000 Personen zu ihren Einkaufsgewohnheiten und der jeweiligen Innenstadt. In Heidelberg wurden am 27. und 29. September 2018, einem Donnerstag und einem Samstag, rund 850 Passanten in der Altstadt durch Studierende des Geographischen Instituts der Universität Heidelberg interviewt. Drei von vier Befragten (77,4 Prozent) bewerten die Attraktivität der Innenstadt mit den Schulnoten 1 oder 2 – nahezu genauso viele wie bei der vorherigen Studie vor zwei Jahren (80,5 Prozent; Gesamtnote 2,0). Nur 6,3 Prozent geben eine schlechtere Note als 3.

Sehr gut oder gut beurteilen die Befragten die Erreichbarkeit der Innenstadt mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln und dem Fahrrad, das Gastronomie- und das Dienstleistungsangebot sowie die Ladenöffnungszeiten. Auch für das Ambiente erhält Heidelberg Bestnoten – vor allem aufgrund der Lebendigkeit, Sauberkeit und Sicherheit der Innenstadt sowie attraktiver Sehenswürdigkeiten, Straßen und Plätze. 

Luft nach oben sehen die Passanten bei der Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto, Parkmöglichkeiten und dem Freizeitangebot (Note 3). Beim Einzelhandelsangebot geben die Befragten Bestnoten in den Bereichen Bekleidung, Schuhe/Lederwaren, Uhren/Schmuck, Bücher, Optiker, Büro/Schreibwaren und Drogeriewaren (Note 1 oder 2). Die weiteren Kategorien wie Unterhaltungselektronik, Sport/Spiel und Lebensmittel werden mit der Note 3 bewertet. Jeder Dritte fährt mit dem öffentlichen Nahverkehr – deutlich mehr als bundesweit.

Zwei von drei Befragten kommen von außerhalb Heidelbergs in die Innenstadt und sind weiblich. Ein Drittel aller Besucherinnen und Besucher nutzt den öffentlichen Nahverkehr für die Fahrt in die Altstadt (34,9 Prozent) – im Durchschnitt aller untersuchten Städte trifft das nur auf jeden Fünften zu (21 Prozent). Ein weiteres Drittel fährt mit Auto oder Motorrad (35,5 Prozent). Bundesweit sind mit 45,2 Prozent deutlich mehr auf diese Weise unterwegs. Das dritte Drittel kommt mit dem Rad oder zu Fuß in die Innenstadt.

Der typische Innenstadtbesucher ist weiblich

Der „typische Innenstadtbesucher“ in Heidelberg ist der Befragung zufolge weiblich, 39 Jahre alt, kommt aus dem Umland in die Innenstadt und kauft trotz vermehrter Online-Angebote weiter regelmäßig in den Geschäften in der Altstadt ein. Hauptgrund für den Aufenthalt ist das Einkaufen – erst nachrangig geht es um das Verweilen und Sightseeing, Gastronomieangebote, Behördengänge oder den Besuch von Freizeit- und Kulturangeboten.

Dennoch: Die Heidelberger Innenstadt überzeugt auch mit ihren Angeboten zum Verweilen und Essen. 81,1 Prozent der Befragten verbinden ihren Besuch in der Innenstadt gerne mit der Nutzung des gastronomischen Angebots. 73,8 Prozent geben an, dass die Altstadt einen hohen Erlebnis- und Unterhaltungswert biete. Dementsprechend hoch ist die Verweildauer: Mehr als jeder Zweite bleibt länger als zwei Stunden in der Innenstadt (55 Prozent). In anderen Städten trifft dies nur auf 35,2 Prozent zu.

Der Online-Handel hat bei den Befragten eher einen geringen Einfluss auf das Einkaufsverhalten in der Innenstadt: Nur jeder Vierte kauft nach eigener Aussage verstärkt online ein und besucht daher die Innenstadt zum Einkaufen seltener. Ob Kai Gräf noch in Heidelberg oder gar in der Altstadt wohnt, scheint fraglich. Den meisten anderen scheint es in hier aber ganz gut zu gefallen. 

pm/chh

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