Zivilcourage häufig Fehlanzeige

„Städter sehen weg – häufiger als Dorfbewohner“

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Die Feldstudie zur Zivilcourage zeigt deprimierende Ergebnisse auf. 

Heidelberg - Ein Mädchen sitzt weinend am Straßenrand, eine Schürfwunde am Knie, ganz allein. Helfen Menschen oder laufen sie einfach weiter? Die Ergebnisse einer Feldstudie.

Studierende der SRH Hochschule Heidelberg untersuchten die „Auswirkungen der Bevölkerungsdichte auf prosoziales Verhalten gegenüber Kindern“. 

Dies klingt zunächst sehr kompliziert. Doch aufgezeigt an einem Beispiel, ist der Grundgedanke dieser Feldstudie ganz einfach: 

Ein Mädchen sitzt mit einem blutenden Knie am Straßenrand und weint. 

Die Passanten müssen sich entscheiden: Helfend beispringen oder einfach weiterlaufen?

Erschreckend: Eine alarmierend hohe Zahl der Testpersonen wird die zweite Option wählen. Das stellten die Studierenden an der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH Hochschule Heidelberg fest. 

Die Studie:

In drei unterschiedlichen Orten mit verschiedener Bevölkerungsdichte haben sie untersucht, ob die Hilfsbereitschaft mit von Bevölkerungsdichte abhängig ist. 460 Passanten wurden getestet. 

Sie kamen zum folgendem Ergebnis: Je größer die Stadt, desto weniger sahen sich die Fußgänger veranlasst, dem Kind zu helfen.

Im konkreten Fall halfen in Karlsruhe mit circa 300.000 Einwohner nur 7% aller Passanten dem augenscheinlich notleidenden Mädchen, wohingegen in einem Dorf mit circa 6.000 Einwohnern zumindest 30% aller Vorbeilaufenden Hilfe leisteten.

 „Mich hat vor allem ergriffen, dass in der Stadt sogar Mütter mit ihren Kindern an dem Mädchen vorbeigelaufen sind, obwohl sie sicherlich wollen würden, dass ihrem Kind in einer vergleichbaren Situation auch geholfen wird“, so Silke Adomeit, Studentin an der SRH Hochschule Heidelberg und Mitverantwortliche der Feldstudie. 

Was ist der Grund für die fehlende Zivilcourage?

Prof. Dr. Frank Musolesi, Dekan der Fakultät für Angewandte Psychologie an der SRH Hochschule Heidelberg, diskutiert die Ergebnisse der Studie mit seinen Studierenden anhand unterschiedlicher Theorien:

 „Zum einen könnte die so genannte´pluralistische Ignoranz ́ für das doch sehr ernüchternde Ergebnis verantwortlich sein. Das bedeutet, ein Zuschauer stuft die Situation aufgrund der Untätigkeit anderer Zeugen als unbedenklich ein. Andererseits besteht aber auch eine gewisse Furcht, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren sowie die Gefahr einer auftretenden Reizüberflutung in Groß-Städten, die einem gewissermaßen Scheuklappen anlegt.“ so Musolesi. 

pm/nis 

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