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Heidelberg: Zu viele streunende Katzen – kommt bald eine Kastrations-Pflicht?

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Von: Daniel Hagen

Eine Katze sitzt auf einer Steinwand.
In Deutschland leben etwa 2 Millionen streunende Katzen. (Symbolfoto) © Frank Rumpenhorst/dpa

Heidelberg - In Deutschland gibt es etwa 2 Millionen streunenden Katzen – Tendenz steigend. Die Stadt Heidelberg arbeitet daher an einer Katzenkastrationsverordnung.

Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa zwei Millionen Katzen auf der Straße. Sie sind oft weder geimpft noch kastriert und häufig krank und abgemagert. Verschlimmert wird ihr Leid durch die hohe Fortpflanzungsrate“, heißt es in einer Mitteilung der Stabsstelle der Landesbeauftragten für Tierschutz. Durch die unkontrollierte Fortpflanzung der Vierbeiner entsteht viel Leid, da die domestizierten Katzen ohne den Menschen nur schwer zurechtkommen. Das Ergebnis: kranke und abgemagerte Samtpfoten mit mehreren ebenfalls schlecht versorgten Kätzchen. Aus diesem Grund plant die Stadt Heidelberg eine Katzenkastrationsverordnung. Vielleicht wäre sogar eine Katzenschutzverordnung sinnvoll.

NameHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Bewohner160.355 (2019)
OberbürgermeisterEckart Würzner (Parteilos)

Heidelberg: Stadt unterstützt Verein, um Streunern zu helfen

Seit 1994 kümmert sich „Straßenkatzen e.V.“ in Heidelberg um streunende Katzen. Dort werden die Samtpfoten eingefangen, aufgepäppelt und im Anschluss wieder freigelassen – oder auch an Menschen vermittelt. Bevor es allerdings zurück auf die Straße geht, werden die Tiere erstmal kastriert, damit es keine weiteren Streuner gibt. Neben der Kastration erhalten die Vierbeiner auch Impfungen und einen Chip.

Unterstützt wird der Verein auch von der Stadt Heidelberg – und zwar mit Geld und Räumlichkeiten für die Gerätschaften und Fallen. Um alle Streuner kann sich „Straßenkatzen e.V.“ allerdings nicht kümmern. Auch, weil die Katzen nicht immer so leicht zu finden sind. „Um das Katzenleid zu erkennen, muss man schon genau hinschauen. Freilebende Katzenpopulationen finden sich meist versteckt an Orten wie Campingplätzen, Schrebergärten, Bauernhöfen und Firmengeländen. Freilebende Streunerkatzen sind zudem meist scheu und nachtaktiv“, erklärt Dr. Julia Stubenbord, Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg.

Heidelberg: Stadt arbeitet an Kastrationsverordnung

Doch wie soll man das Problem mit den zahlreichen Streunern in den Griff bekommen? Für die Stadt Heidelberg wäre ein „Erlass der Katzenkastrationsverordnung“ sinnvoll. „Demnach müssten Katzenhalter dafür sorgen, dass ihre Vierbeiner kastriert sind, wenn diese draußen herumlaufen dürfen. Eine Grauzone stellen allerdings Katzen dar, die offiziell niemandem gehören, aber ihre festen Futterstellen haben. Die Entscheidung soll in der ersten Jahreshälfte vorbereitet werden“, sagt eine Sprecherin der Stadt Heidelberg auf Anfrage.

Doch nicht nur in Heidelberg sorgen die Streuner für Probleme. Im Morgenweb spricht sich Hellen Kühner vom Mannheimer Verein „Straßenkatzen“ ebenfalls für eine Kastrationsverordnung aus. „Das Problem der verwilderten Tiere ist über die Jahre nie richtig wahrgenommen worden“, erklärt die Tierschützerin. Richtig schlimm sei es dann, wenn plötzlich mehrere Katzen auf einmal eintreffen. Das kommt vor allem bei Fällen von „Animal Hoarding“ vor, bei denen zahlreiche Tiere auf engstem Raum leben müssen. So wie im November 2018, als in einer Wohnung im Rhein-Pfalz-Kreis 60 Katzen aus einer Wohnung befreit wurden. Hohe Wellen geschlagen hat auch der Fall einer Messie-Tierärztin aus Bornheim, die mit 18 Katzen, über 40 Hunden und drei Kängurus zusammenlebte.

Heidelberg: Tierschutzbeauftragte hofft auf Katzenschutzverordnung

Was ebenfalls gegen die Streuner-Problematik helfen würde, wäre eine sogenannte kommunale Katzenschutzverordnung. Eine solche Verordnung dient laut Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutzdem Schutz von freilebenden Katzen vor erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden, die auf eine hohe Anzahl dieser Katzen innerhalb des Gebietes der Gemeinde/Stadt … zurückzuführen sind.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg diese Ermächtigung auf die Städte und Gemeinden des Landes übertragen. „Leider haben bis heute erst fünf Gemeinden in Baden-Württemberg eine Katzenschutzverordnung umgesetzt. Außerhalb von Baden-Württemberg haben viele Städte und Gemeinden entsprechende Verordnungen erlassen“, betont Dr. Julia Stubenbord. Ihre Hoffnung ist, dass die Landeshauptstadt Stuttgart eine Katzenschutzverordnung erlässt, um damit eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Eine solche Lösung könnte vielleicht auch in Mannheim, Heidelberg und anderen Städten die lang ersehnte Antwort sein. (dh)

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