Messungen von Institut für Umweltphysik

Erschreckend: Heidelberger Busse belasten massiv die Umwelt! 

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Ein Bus einer Verkehrsgesellschaft. (Symbolfoto)

Heidelberg - Das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg hat 49 Heidelberger Busse gemessen und analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend und besorgniserregend!

Täglich fahren dutzende Busse durch Heidelberg, um Menschen von A nach B zu bringen. Was dabei keiner wahrnimmt, sind die Schadstoffe, die bei einer Bus-Fahrt ausgestoßen werden. Das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, darüber aufzuklären.

Dafür wurden im Jahr 2017 an insgesamt 49 Bussen Messungen durchgeführt. Mit einem selbst konstruierten Gerät namens „ICAD“ messen angehende Physiker die Ausstöße der Fahrzeuge und analysieren diese auf Stickstoffdioxid (NO2). Mit ihrem Kleinbus fahren sie dafür bis zu fünf Minuten hinter Fahrzeugen der rnv, VR N und der DB-Regio her. 

Mit einer Messlanze am Kühlergrill des Wagens analysieren sie die Auspuffgase und bekommen dann Werte über den Ausstoß mitgeteilt. Diese werden später noch genauer ausgewertet. Die Busse werden dabei in verschiedenen Situationen verfolgt, um sich ein umfassendes Bild zu machen.

Die Ergebnisse sind teilweise sehr erschreckend! 34 der gemessenen Busse haben schlechtere Werte, als es die sogenannte Euro-5-Norm erlaubt. Laut dieser darf ein Bus 2.000 Milligramm Stickstoffdioxid pro Kilowattstunde nicht überschreiten. Das gilt allerdings nur für Fahrzeuge, die zwischen 2008 und 2013 gebaut wurden. 

Dieses Ziel wird teilweise deutlich überschritten. So erreicht ein Bus, der seit dem Jahr 2011 im Einsatz ist, einen Spitzenwert von fast 7.000 Milligramm pro Kilowattstunde! Seit 2013 gibt es sogar die Euro-6-Norm, welche die Werte auf 400 Milligramm pro Kilowattstunde reguliert.

Institut für Umweltphysik äußert sich

Joscha Reber, der mit seinen Kollegen die Messungen durchgeführt hat, erklärt HEIDELBERG24 das System dahinter. Die Verkehrsbetriebe seien nicht Schuld an diesen Werten, sondern die Fahrzeughersteller, die bei Zulassungstests Grauzonen ausnutzen würden. Im April werde sein Team sogar bei der rnv vorsprechen, die sehr interessiert an den Werten seien.

Bei der Euro-5-Norm wurde zum ersten Mal ein neues System zur Reduzierung der Schadstoffe eingebaut, dieses würde aber mittlerweile nicht mehr richtig ausreichen und funktionieren. Dazu kommt, dass der TÜV keine Abgaswerte überprüfe und die Busse dann mit defektem System weiterfahren.

Viele Busse sind im Verkehr, die deutlich mehr NO2 emitieren, als sie sollten!“, so Reber. Helfen würde eine Nachrüstung der alten Busse mit einem speziellen Gerät, welches den Ausstoß reduziert. Der NO2 Ausstoß könnte dadurch bis zu 80 Prozent gesenkt werden!

Die Stadt Heidelberg hat Anfang März bekannt gegeben, dass zwischen dem Hautbahnhof und der Altstadt bald E-Busse fahren werden, die keine Emissionen mehr ausstoßen. Das Institut für Umweltphysik findet das gut, könne sich aber ohne genaue Hintergründe noch keine genaue Meinung bilden.

Elektrobusse sind eine gute Sache, um die Emissionen aus der Stadt rauszubekommen“, meint Reber. In der Stadt sind die Belastungen nämlich deutlich höher, als auf dem Dorf. Dies sei aber wegen dem generellen Verkehr so. Auch ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in der Stadt könne erstmal helfen. Der öffentliche Nahverkehr sei eine gute Alternative und würde die Umwelt entlasten.  

In Zukunft will das Institut noch weitere Städte messen. Wo genau, steht noch nicht fest. Mit dem Messgerät werden auch Autos und Lastwagen gemessen. Mit einem Fahrrad lässt sich sogar die Belastung messen, die auf einen Menschen im Stadtverkehr wirkt

dh

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