Zoo erforscht Verhalten: Smarte Affen und clevere Vögel

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Im Heidelberger Zoo wird das Verhalten von Orang-Utans mit Hilfe von Tablett-Computern erforscht.

Heidelberg – Inwieweit unterscheiden sich Denken und Verhalten von Affen und Vögeln? Eine Biologin erforscht das anhand von Tieren im Heidelberger Zoo. Es soll auch Aufschluss über die Entwicklung menschlicher Intelligenz geben.

Am Computer ist der 22 Jahre alte Ujian kaum zu stoppen. Aber es ist nicht nur der Spieltrieb, wenn der beeindruckende Orang-Utan begeistert die Bildchen auf dem Touchpad drückt. „Das liegt natürlich auch an den Süßigkeiten, die das Gerät ausspuckt, wenn Ujian auf die richtigen Symbole drückt“, sagt Vanessa Schmitt und lacht.

Verhaltensforscherin Vanessa Schmitt im Zoo Heidelberg.

Die 34 Jahre alte Biologin erforscht im Heidelberger Zoo das Verhalten und die Wahrnehmungsfähigkeit von Tieren. Schmitt hat am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen promoviert und auch schon in US-amerikanischen Tierparks geforscht. Das Heidelberger Projekt wird seit 2015 von der Klaus-Tschira-Stiftung gefördert und ist zunächst für drei Jahre geplant. Der Zoo in der Universitätsstadt soll dank moderner Computertechnik zu einem Kognitions-Zentrum werden, sagt Stiftungs-Geschäftsführerin Beate Spiegel.

Heidelberg soll Forschungszentrum werden

Ähnlich wie in Heidelberg beobachten auch Wissenschaftler an anderen Zoos – etwa am Primatenforschungszentrum im Zoo Leipzig – Affen dabei, wie sie sich in ihrer Umgebung verhalten und wie sie Aufgaben lösen, die ihnen gestellt werden. „Viele Fragestellungen lassen sich nur an Tieren untersuchen, die in Menschenobhut leben“, sagt Vanessa Schmitt.

Wichtigstes Arbeitsgerät: Der in einer Metallkiste befestigte Tabletcomputer mit Bildern.

Wohin aber führt uns letztlich das Wissen, dass beispielsweise Affen oder Vögel so gut entwickelte Gehirne haben, dass sie Objekte und Mengen unterscheiden können? Dass sie kombinieren und einordnen können? „Ein Ziel ist es, die Evolution der menschlichen Intelligenz zu verstehen. Dazu ist die vergleichende Perspektive unabdingbar“, sagt Julia Fischer. Bei der Professorin vom Primatenzentrum in Göttingen hat Vanessa Schmitt promoviert. Um zu testen, wie lernfähig verschiedene Tierarten sind, setzt die junge Wissenschaftlerin in Heidelberg Touchscreen-Computer ein. An den Kästen, die mit ihren Metallrahmen und Gittern vor dem Bildschirm ziemlich klobig wirken, lösen die Tiere knifflige Denkaufgaben. Ein Futterspender ist durch eine elektronische Steuereinheit mit dem Computer verbunden. Wenn Ujian mit seiner Hand das gewünschte Symbol berührt, kullert ein kleines Kügelchen mit Apfel-Geschmack aus dem Spender.

Immer neue Aufgaben

Allerdings sollen es die Tiere nicht allzu leicht haben. Daher müssen sie immer wieder neue Aufgaben lösen. Vanessa Schmitt ändert Reihenfolgen und Symbole. Die smarten Menschenaffen - neben Ujian werden die beiden Orang-Utan-Weibchen Puan und Sari regelmäßig getestet – bewältigen auch neue Aufgaben. Wenn auch unterschiedlich schnell. Das gilt auch für Gorillas und Schimpansen, die schon am Computer saßen.„Es ist erstaunlich, wie gut die Tiere lernen, auch unter veränderten Bedingungen zu ihrer Belohnung zu kommen“, sagt die Biologin.

Tests auch mit Vögeln

Neben den Affen zeigen Rabenvögel und Papageien beeindruckende kognitive Begabungen. So können Vögel mit ihren Schnäbeln den speziellen Touchscreen bedienen. „Sie stehen vielen Affen in ihren Fähigkeiten in nichts nach", sagt die Forscherin. Das gilt nicht nur für die Arbeit am Bildschirm, sondern auch beim Gebrauch eines Werkzeugs.

Am Ende geht es auch um die Frage, wie sich die Lebensbedingungen in der Gefangenschaft verbessern lassen. „Unsere Beobachtungen zeigen, dass es den Tieren gut tut, wenn sie sich mit bestimmten Aufgaben auseinandersetzen können. So können Langeweile und Stressreaktionen vorgebeugt werden“, sagt die Biologin.

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