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Heidelberg: Versuchter Mord? Prozess gegen Mann (25) endet mit Teil-Freispruch

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Von: Peter Kiefer

Ein Polizeiauto steht in Heidelberg vor dem Gerichtsgebäude.
Der Prozess findet am Landgericht Heidelberg statt. (Archivbild) © Christine Cornelius/dpa

Heidelberg – Eigentlich stand ein 25-jähriger Mann wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht. Doch verurteilt wurde er letztendlich wegen anderer Verbrechen:

Update vom 19. Juli, 14:26 Uhr: Etwas überraschende Wende im Mordprozess gegen den 25-jährigen Angeklagten. Denn im Laufe der Verhandlung wurden ihm ‚nur noch‘ sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Und dafür ist der Täter im Fall der Studentin (22) zu einer Haftstrafe von 5 Jahren und einem Schmerzensgeld von 6.500 Euro verurteilt worden. Die junge Frau leidet bis heute psychisch unter den Folgen der Schreckenstat vom 5. September 2020.

Die zweite Tat, die sich nur wenige Minuten nach der ersten ebenfalls im Neuenheimer Feld ereignet haben soll, und bei der der 25-Jährige eine 57-Jährige in sexueller Absicht angegriffen und in den Neckar gestoßen haben soll, konnte ihm letztendlich nicht nachgewiesen werden. Heißt: Freispruch statt Urteil wegen versuchten Mordes!

Heidelberg: Versuchter Mord an Joggerin! Mann (25) auf der Anklagebank

Der Fall schockierte die Menschen letztes Jahr in Heidelberg und weit über die Stadtgrenzen hinaus: Ein inzwischen 25-jähriger Mann soll am 5. September 2020 gegen 7:20 Uhr im Neuenheimer Feld eine Studentin (22) verfolgt, sie anschließend gepackt und in sexuell motivierter Weise angefasst haben. Dabei soll der Angeklagte die damals 22-Jährige mehrfach mit der Faust in das Gesicht geschlagen haben. Wegen der Gegenwehr und der Hilfeschreie der Studentin sollen Anwohner auf das Geschehen aufmerksam geworden sein, weshalb der Angeklagte von ihr abgelassen und die Flucht ergriffen haben soll. Die Studentin habe mehrere leichte Verletzungen davongetragen.

Stadt\tHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche108,84 km²
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Nur knapp 20 Minuten später ist es unweit vom ersten Tatort zu einem zweiten sexuellen Übergriff gekommen: Eine damals 57-jährige Joggerin ist gerade auf dem Leinpfad hinter dem Zoo unterwegs, als sie eine kurze Laufpause einlegt. Schnaufend steht sie auf dem Waldweg, als sie plötzlich von einem unbekannten Mann nach dem Weg gefragt wird. Nach dem kurzen Gespräch setzt die Joggerin ihre Runde fort und auch der Mann scheint seinen Weg zu gehen.

Doch der sexuell motivierte Angreifer geht der Frau hinterher. Wenige Minuten später wird die Frau dann unerwartet in den Rücken gestoßen – und zwar so stark, dass sie die Uferböschung zum Neckar hinunterstürzt. Dort schlägt er auf die Frau ein. Als sich sein Opfer vehement zur Wehr setzt, stößt er die Frau mit einem kräftigen Stoß über eine Spundwand in den Neckarkanal. Während die leichtverletzte Frau wegschwimmt, hatte auch der Täter die Flucht ergriffen.

Heidelberg: DNA-Spuren überführen mutmaßlichen Täter

Die sexuellen Übergriffe sind damals der Polizei Heidelberg gemeldet worden. Die Kripo startet daraufhin sofort mit der Fahndung nach dem bis dahin unbekannten Täter. Am Tatort werden Hinweise gesichert, unter anderem finden die Ermittler DNA-Spuren. Diese lenken schließlich den Verdacht auf den damals 24-Jährigen.

Landgericht Heidelberg, Justiz Heidelberg, Amtsgericht Heidelberg © HEIDELBERG24/Florian Römer
Der Prozess findet am Landgericht Heidelberg statt. (Archivbild) © HEIDELBERG24/Florian Römer

Erst rund zwei Monate später, am 4. November 2020, konnte der Mann schließlich von der Kripo Heidelberg in seiner Wohnung in Leimen festgenommen werden. Noch am selben Tag ist er einer Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Heidelberg vorgeführt worden. Diese hatte dann auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erlassen, woraufhin der Beschuldigte in eine JVA gebracht wurde. 

Landgericht Heidelberg: Anklage lautet auf Vorwurf des versuchten Mordes

Seit Dienstag (6. Juli) muss sich der Angeklagte Karim M. nun vor dem Landgericht Heidelberg verantworten. Die Kammer hat zur Durchführung der Beweisaufnahme 21 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Fortsetzungstermine sind am 8. Juli, 9. Juli, 12. Juli und 16. Juli jeweils um 9 Uhr. (PM/pek)

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