Bleibt im PZN

Urteil gefallen: Amok-Fahrer vom Bismarckplatz ist schuldunfähig! 

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Der Angeklagte Mathias K. beim Prozessauftakt am 22. August. 

Heidelberg-Weststadt - Schon am dritten von vier angesetzten Prozesstagen fällt am Freitag das Urteil gegen den Amokfahrer vom Bismarckplatz. Er ist schuldunfähig:

Eigentlich war erst am 12. September mit einem Urteil gegen den Amokfahrer vom Bismarckplatz gerechnet worden. 

>>>Prozess erhellt Hintergründe: Wer ist Amokfahrer Mathias K.?

Da weniger Zeugen als geplant im Prozess gegen den Todesfahrer vom Bismarckplatz aussagten, wird schon am Freitag (25. August) das Urteil gesprochen. So machte beispielsweise die Schwester von Mathias K. von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und reiste für den Prozessauftakt gar nicht erst aus England an.

Öffentlichkeit vom Amokfahrer-Prozess ausgeschlossen

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hatte in ihrer Anklageschrift eine dauerhafte Unterbringung des Amokfahrers im PZN Wiesloch gefordert. Auf Antrag der Nebenklage dürfen nur Angehörige der Betroffenen dem Verfahren beiwohnen. Die Öffentlichkeit ist erst wieder zur Urteilsverkündung zugelassen. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem in Worms geborenen Studenten vor, am 25. Februar 2017 absichtlich am belebten Bismarckplatz mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren zu sein, dabei einen Rentner (†73) getötet sowie zwei Personen verletzt zu haben.

Mann nach Amokfahrt niedergeschossen!

Das Gericht bewertet die Tat als: Verbrechen des Mordes, des versuchten Mordes in zwei Fällen und des versuchten Totschlags.

Nach der dringenden Annahme des vorläufigen Sachverständigengutachtens, Mathias K. habe die Tat aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung begangen und sei somit womöglich schuldunfähig, ist er seit Mitte Mai vorläufig in einer Fachklinik untergebracht. Er soll die Tat unter einer „akuten paranoiden Schizophrenie“ begangen haben, „unfähig, seine Handlungen zu steuern“, so die Staatsanwältin.

Das Urteil

Das Gericht sieht alle Vorwürfe als erwiesen an. Da Mathias K. an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, ist er laut Paragraph 20 des StGB schuldunfähig und er wird außerdem als gefährlich eingestuft. 

Mit Urteil des Landgerichts Heidelberg wird in dem Sicherungsverfahren gegen den 36-Jährigen die Unterbringung im PZN Wiesloch angeordnet.

Während der Verhandlung zeigt der Beschuldigte keinerlei Einsicht hinsichtlich seiner Krankheit und verleugnet diese. 

Urteil noch nicht rechtskräftig: Erst wenn Mathias K. binnen einer Woche keine Revision am Bundesgerichtshof einlegt, ist es rechtskräftig.

Rückblick

Am 25. Februar lenkt der damals 35-Jährige gegen 15:55 Uhr einen gemieteten Opel Astra von der Bergheimer Straße kommend absichtlich auf den belebten Bismarckplatz, fährt vor dem Verkaufsstand der Bäckerei Grimminger an der „Galeria Kaufhof“ drei Passanten um.

Mit der rechten Frontseite des Autos ‚erwischt‘ er mit Tempo 20 bis 25 einen gehbehinderten 73-Jährigen. Der Mann prallt zunächst gegen die Windschutzscheibe des Fahrzeugs, wird dann gegen einen Betonpfosten des Kaufhauses geschleudert. Dabei erleidet er schwere innere Verletzungen, stirbt knapp zwei Stunden später trotz intensiver notärztlicher Betreuung.

Ein Pärchen (29/32) rammt er mit der linken Seite von hinten. Die beiden kommen glücklicherweise mit leichten Prellungen und leichteren Verletzungen davon. Eine vierte Person rettet sich in letzter Sekunde durch einen instinktiven Schritt zur Seite.

Der mutmaßliche Amokfahrer steigt danach aus und läuft mit einem Küchenmesser mit 15 Zentimeter langer Klinge bewaffnet die Bergheimer Straße entlang in Richtung Thibaut-Straße. An der Haltestelle „Altes Hallenbad“ wird er schließlich von mehreren Polizisten gestellt. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte versucht haben, vor dem Hotel Bergheim 41 einen Polizisten mit einem Messer zu erstechen.

Trotz mehrfacher Aufforderung der Beamten legt der Beschuldigte nicht sein Messer weg. Auch der wiederholte Einsatz von Pfefferspray bleibt erfolglos. Der 35-Jährige zeichnet sich mit dem Finger ein Kreuz auf die Stirn, hält sich eine Hand vor das Gesicht und stürmt mit gezücktem Messer auf einen der Polizisten los. Dieser wehrt den Angriff durch einen Schuss aus der Dienstwaffe ab. Mit einem lebensgefährlichen Bauchdurchschuss wird Mathias K. in einer Heidelberger Klinik erfolgreich notoperiert.

OB Würzner und Bürger trauern um Opfer

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kp/rmx

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