Clubsterben geht weiter

Heidelberg: Nach „Ziegler“-Schließung – nächste Bar vor dem Aus

Heidelberg – Werden in der Studentenstadt bald abends die Bordsteine hochgeklappt? Ein Kult-Club nach dem anderen macht für immer dicht. Nun trifft es die nächste Institution des Nachtlebens.

  • Clubs, Bars und Vereine in Heidelberg leiden unter Umsatzeinbußen wegen der Corona-Verordnung.
  • Die Folgen des Coronavirus gefährden die Existenz der Gastronomen: Das Nachtleben der Stadt der Universität Heidelberg blutet allmählich aus
  • Nach dem „Schwimmbad Club“, „Nachtschicht“ und halle02 hat es den nächsten Heidelberger Kult-Club getroffen – das „Ziegler“:

Update vom 9. Juli: Das Bar-Sterben in Heidelberg geht weiter und die Corona-Krise fordert ihr nächstes Opfer: Jetzt macht auch der beliebte Irish Pub O‘Reillys dicht! Ende Juli schließt mit dem Crowne Plaza in der Kurfürsten-Anlage das erste Hotel in Heidelberg wegen Corona.

Erstmeldung vom 6. Juli: Um das Heidelberger Nachtleben ist es nicht gut bestellt. Bereits vor der Corona-Krise macht das „Clubsterben“ in der Studentenstatt die Runde: Auf den Abriss des kultigen „Schwimmbad Clubs“ folgt die Schließung der beliebten „Nachtschicht“. Hinzu kommt der Dauerstreit im Gemeinderat über die Sperrzeiten in der Altstadt. Als wäre die Gastronomie in Heidelberg nicht bereits genug gebeutelt, wird die Welt nun auch von der Corona-Pandemie heimgesucht – an Großveranstaltungen und Tanzen ist gegenwärtig nicht zu denken. Die daraus resultierenden Einschränkungen sind für die verbleibenden Clubs und Bars existenzbedrohend.

Heidelberg: Zahlreiche Clubs und Bars stehen vor dem Aus – Gemeinderat will helfen

Erwartungsgemäß fallen weitere Ausgeh-Institution der Corona-Verordnung zum Opfer. Während die Betreiber der halle02 bereits das Handtuch geworfen haben und in Zukunft lediglich Businessvents organisieren wollen, steht auch das Cave54 in Heidelberg vor dem Aus. Letztere wollen aber über eine Crowdfunding-Kampagne die drohende Insolvenz noch abwenden. Das allein wird jedoch nicht ausreichen, denn die Clubbetreiber sind vor allem von einem Entgegenkommen ihrer Vermieter abhängig.

Aus diesem Grund hat sich der Gemeinderat der Stadt Heidelberg am 7. Mai für die Clubszene stark gemacht. Parteiübergreifend sprachen sich mehrere Stadträte für die kommunale Unterstützung der Heidelberger Clubkultur aus und forderten den Erlass der Mietzahlungen für städtische Liegenschaften. Daher betont auch Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner, dass der Gemeinderat über einen Mieterlass für Heidelberger Clubs entscheiden könnte.

Heidelberg: Nach halle02 – auch „Ziegler“ macht dicht

Leider werden auch wir nicht mehr öffnen. Allerdings nicht allein aufgrund von Corona.

Gerhart Bollack, Betreiber des Zieglers

Für einen weiteren Kultschuppen in Heidelberg kommt das allerdings zu spät: das legendäre „Ziegler“. Bereits zum 30-jährigen Jubiläum im Jahre 2017 hat Betreiber Gerhart Bollack mit dem Gedanken gespielt die Pforten dicht zu machen. Der Grund damals: Ein auslaufender Mietvertrag gepaart mit einem neuen Gebäudebesitzer.

Aus der Befürchtung das Ziegler könnte der halle02 folgen, wird nun traurige Gewissheit: „Leider werden auch wir nicht mehr öffnen. Allerdings nicht allein aufgrund von Corona. Leider hat unser Vermieter die Nebenkosten so eklatant erhöht, dass eine wirtschaftliche Betreibung für uns nicht mehr möglich ist. Wir finden es sehr schade nach 31 Jahren die Türen endgültig zu schließen“, klagt Bollack gegenüber HEIDELBERG24.

Heidelberg: Möglicher Mieterlass kommt für das „Ziegler“ zu spät

Damit verliert die romantische Stadt am Neckar mit ihren zahlreichen Studenten der Universität Heidelberg eine weitere Institution des Nachtlebens. Über einen Mieterlass für die noch bestehenden Bars und Clubs wird der Gemeinderat im nächsten Haupt- und Finanzausschuss beraten.

Für Zora Brändle, erste Vorsitzende des Clubverbands EventKultur Rhein-Neckar ist das ein wichtiger Schritt: „Unsere Clubs halten sich mit aller Kraft über Wasser – aber die Mittel reichen nicht mehr“, so Brändle. Doch muss man leider feststellen: Für zahlreiche Gastronomen kommt diese Initiative zu spät. Auch in Mannheim macht das Baton Rouge wegen der Krise zu. Im Juli wollen Kulturschaffende in Mannheim demonstrieren, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Für eine stadtbekannte Heidelberger Kneipe kommt aus einer anderen Richtung Gegenwind. Ein Student hat eine Anzeige im Zusammenhang mit dem Namen der Kneipe gestellt. (esk)

Die Tangente in Heidelberg hat ebenfalls große Probleme wegen der Corona-Verordnungen. Doch mit diesem Plan soll die Zukunft gesichert werden. In Mannheim muss auch die Kneipe Nummer 6 schließen. Das hat allerdings keine finanziellen Gründe, sondern hängt mit dem Vermieter zusammen.

Rubriklistenbild: © Sophia Kembowski/dpa

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