Gespräch mit Wolfram Schnelle

Heidelberger treibt Zigarettenrecycling voran

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Der gebürtige Heidelberger Wolfram Schnelle ist Geschäftsführer vom Recyclingunternehmen TerraCycle in Deutschland.
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Eine motivierte Sammlerin.
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Extrudierer.
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Aufbereitetes Zigarettenfilter-Material während der Verarbeitung.
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Das Lagerhaus von TerraCycle.
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Recycling von Zigarettenstummeln.
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Recycelte Plastikpalette aus Zigarettenstummeln.
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Zigarettenabfall während der Verarbeitung im Extrudierer.

Heidelberg/Berlin: In Deutschland ist das erste Recycling-Programm für Zigarettenstummel gestartet. Der Kopf hinter der Initiative: der Heidelberger Wolfram Schnelle.

Zigarettenstummel konnten bisher nicht nachhaltig entsorgt werden. Durch die nationale Umweltinitiative vom Recyclingunternehmen TerryCycle hat sich das geändert. Zigarettenabfall bekommt so ein völlig neues Gesicht. 

Wolfram Schnelle ist Geschäftsführer von TerraCycle in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Unternehmen hat sich auf das Recyceln von Abfällen spezialisiert, die bisher nicht recycelt werden konnten. HEIDELBERG24 hat sich mit dem gebürtigen Heidelberger über das spannende und wichtige Projekt unterhalten.

Durch das Programm von TerraCycle können Zigarettenstummel erstmals zu hundert Prozent recycelt werden. Was ist bisher mit den Stummeln passiert?
Im besten Fall landen die Zigarettenstummel im Restmüll und anschließend in Müllverbrennungsanlagen. Im schlimmsten - und leider häufigsten - Fall landen die Stummel auf dem Boden oder werden einfach in die Natur geschmissen. Da liegt natürlich ein weiterer Vorteil des Programms, denn dadurch sollen die Leute angehalten werden, Stummel als Rohstoff und nicht als Abfall anzusehen.

Was wird aus den recycelten Zigarettenstummeln?
Der Filter der Zigarette besteht aus Celluloseacetat. Dieses Material kann nur wiederverwertet werden, wenn es separat gesammelt wird. Deswegen werden die Stummel erst geschreddert und dann werden die Filter von Tabak und Papier getrennt. Die Reste werden dann kompostiert. Das Celluloseacetat verhält sich wie ein Plastikprodukt und wird eingeschmolzen. Später kann es dann für die Produktion von allen möglichen Plastikprodukten wie Mülleimer, Transportpaletten oder Aschenbecher genutzt werden.

Wie werden neue Themen für Recycling-Programme entwickelt und welche Produkte sind für TerraCycle interessant?
Im Prinzip ist für uns alles interessant, das bisher noch nicht recycelt wurde, bzw. wofür es noch keine Recycle-Infrastruktur gibt. In der Regel lohnt sich das Recyceln ökonomisch nicht. Das ist nicht nur die große Herausforderung, sondern auch der Grund, warum das bisher noch niemand gemacht hat. Das Einsammeln und Weiterverarbeiten zu Rohmaterial ist nämlich teurer als der Wert des Rohmaterials, das durch Recycling entsteht. Technisch ist das das kleinste Problem.

Und was macht TerraCycle anders?
TerraCycle geht direkt zu den Herstellern und gibt diesen die Chance, Verantwortung für den Abfall zu übernehmen, der durch ihre Produkte verursacht wird. Bei einer Kooperation übernehmen die Hersteller dann die Finanzierungskosten des Programms. Danach ist es unsere Aufgabe, nach bereits existierenden Infrastrukturen zu suchen, die für das Recycle-Programm in Frage kommen. Der Neubau von Maschinen ist dabei keine Option.

Wer finanziert das Recycling-Programm für Zigarettenstummel?
Hinter der Finanzierung für das Stummel-Recycling-Programm steckt die Philip Morris GmbH.

Mit welchen Firmen arbeitet TerraCycle noch zusammen?
TerraCycle gibt es mittlerweile in 23 Ländern und arbeitet  mit mehr als 30 der größten Firmen der Welt zusammen. In Deutschland gibt es bereits ein Sammelprogramm für Zahnpflegeprodukte, bei dem wir mit Colgate kooperieren. Dazu gibt es ein Sammelprogramm für Stifte in Kooperation mit BIC und ein Programm für Deodosen, bei dem wir mit Unilever und dm zusammenarbeiten.

Wie funktioniert die Teilnahme?
Wer fleißig seine Zigarettenstummel gesammelt hat, packt diese dann am besten in verschließbare Plastiktüten oder wegwerfbare Plastikbehälter, die dann in einen Versandkarton gepackt und zur Post gebracht werden. Vorher einfach auf unsere Internetseite (www.terracycle.de, Anm. d. Red.), Profil erstellen - dazu muss man allerdings volljährig sein - und die Abfallart wählen, die man gerne recyceln möchte. Dort kann man sich dann kostenlos ein Versandetikett für die gesammelten Zigarettenstummel herunterladen. In unserem Lagerhaus in Stuttgart kommt dann alles an, von dort geht es dann in den Recycling-Prozess. 

Wie viele Zigarettenstummel sind denn schon zusammengekommen?
In Deutschland haben wir schon über zwei Millionen Stummel recycelt. Allein in Baden-Württemberg gibt es 200 angemeldete Sammelstellen. Darunter befinden sich neben Einzelpersonen auch Kneipen, Vereine, Hotels und der Europapark.

Vor allem eine Studentenstadt wie Heidelberg mit all den Bars und Kneipen wäre doch da ein perfekter Partner. Ist das Sammelprogramm bisher nur auf Zusendungen beschränkt oder gibt es auch Initiativen, mit Städten zu kooperieren?
Wir haben bereits in verschiedenen Ländern mit Kommunen kooperiert, zum Beispiel in New Orleans oder Vancouver. Dort wurden dann spezielle Aschenbecher installiert, deren Inhalt direkt nach der Entleerung an TerraCycle geschickt wird. Die Stadt Heidelberg kann da natürlich gerne mitmachen (lacht). Das Ganze ist natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden, schließlich muss irgendjemand die Aschenbecher entleeren. Aber das Entleeren findet ja sowieso statt. Der einzige Unterschied ist, dass man den Abfall nicht in den Restmüll, sondern in einen Extrasack schmeißt und diesen an TerraCycle schickt. Aber wir freuen uns natürlich über jeden einzelnen Heidelberger, der mitmacht.

Sind sie Raucher?
Nein. Also gelegentlich.

Und dann werden die Stummel auch vorbildlich gesammelt?
(lacht) Ich rauche meistens nur in Kombination mit einem Bier, aber die Stummel werden dann selbstverständlich alle ordentlich gesammelt. Meine Kumpels machen sich schon über mich lustig, wenn ich mal wieder ein paar Stummel von anderen Tischen extra mitnehme.

rob

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