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HeidelbergCement: Nach Besetzung der Zentrale – Hohe Geldstrafe für Klima-Aktivisten

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Von: Josefine Lenz

Heidelberg - Am 7. August 2020 haben mehrere Klima-Aktivisten die Zentrale von HeidelbergCement besetzt. Ein Jahr später jetzt der Prozess vorm Amtsgericht:

Update vom 9. August, 12:31 Uhr: Nach einer Blockade der Firmenzentrale von HeidelbergCement sind am Montagvormittag am Amtsgericht vier Aktivist*innen wegen Hausfriedensbruch zu einer Zahlung von 2.100 Euro verdonnert worden. Die Aktivist*innen selbst nutzten das Verfahren als Bühne, sprachen von einem Skandal, da legitimer Protest durch einen Milliardenkonzern kriminalisiert worden sei. Rückblick: Nach dem Protest am 7. August 2020 der Zement-Konzern Strafantrag gegen insgesamt 17 Aktivist*innen gestellt. Vier Aktivist*innen, die ein Vordach besetzt hatten, sind letztendlich angeklagt worden, die restlichen Verfahren eingestellt.

HeidelbergCement: Nach Besetzung der Zentrale – Prozess gegen Klima-Aktivisten

Update vom 6. August: Vor genau einem Jahr haben Aktivisten des Bündnisses „Wurzeln im Beton“ die neue Firmenzentrale von HeidelbergCement blockiert. Während einige das Vordach besetzt hatten, haben sich Mitstreiter vor der Eingangstür die Füße einbetoniert! Laut Eigenangaben richtete sich der Aufsehen erregende Protest gegen die Klimazerstörung des Konzerns, gegen die Menschenrechtsverletzungen der Zementindustrie und gegen die globale Ausbeutung von Mensch und Natur. Am 9. August (9 Uhr) müssen sie sich nun wegen Hausfriedensbruchs vor dem Amtsgericht Heidelberg verantworten.

Ein Banner der Klima-Aktivisten in Heidelberg.
Ein Banner der Klima-Aktivisten auf dem Vordach der Firmenzentrale von HeidelbergCement. © HEIDELBERG24/PR-Video/Priebe

Deshalb haben „cemEND“ und weitere Gruppen am 9. August für 16 Uhr eine Demo vor dem Amtsgericht angekündigt, um ihrem Unmut über „die Repressalien gegen die Aktivist*innen“ Luft zu machen. Was die Aktivisten auch ärgert: Etwa sechs Stunden nach Beginn der Blockade habe HeidelbergCement eingewilligt, auf eine Strafverfolgung zu verzichten, wenn die Aktivist*innen ihre Aktion selbst beenden. Obwohl dies dann geschehen ist, stünden sie jetzt vor Gericht. Vier Personen wird vorgeworfen, bei der Besetzung des Vordachs Hausfriedensbruch begangen zu haben. Dafür droht eine Strafe von 30 Tagessätzen á 50 Euro – also 1.500 Euro pro Person.

HeidelbergCement: Klima-Aktivisten wollen Prozess als Bühne nutzen

Die Aktivist*innen wehren sich nun vor Gericht gegen die Vorwürfe und kündigen an den Prozess nutzen, um Ihren Standpunkt zu verdeutlichen: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter dieser Aktion und halten weitere Aktionen dieser Art für eine ethische Notwendigkeit. Denn Politik und Konzerne versagen beim Klimaschutz. Die EU unterstützt die zerstörerische Zement-Branche mit kostenlosen Emissionszertifikaten. Ungebremst rasen wir auf eine 5 Grad heißere Welt zu“, so einer der Angeklagten.

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Klima-Protest gegen HeidelbergCement: Aktivisten ziehen nach krasser Aktion wieder ab

Update vom 7. August 2020, 15:04 Uhr: Wie das Polizeipräsidium Mannheim berichtet, ist die Aktion von der Versammlungsbehörde der Stadt Heidelberg aufgelöst worden. Wegen des Verdachts, gegen das Versammlungsgesetz und gegen das Hausrecht der Firma verstoßen zu haben -die Firma behält sich die Stellung eines Strafantrages vor-, werden die Personalien der 17 Aktivisten festgestellt.

Update vom 7. August, 13:36 Uhr: Um 11:50 beenden die Aktivisten von „Wurzeln in Beton“ ihre Protestaktion vor der Firmenzentrale von HeidelbergCement. Zuvor haben sie mit Polizei und Geschäftsleitung von HeidelbergCement eine Verhandlung geführt. Rund 60 Einsatzkräfte der Polizei sind vor Ort, ebenso beobachtet die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke) die Klima-Demo.

Hätten die Aktivisten nicht selbständig den Platz und das Dach geräumt, hätte nach Angaben der Polizei auch das SEK kommen können. Der Konzern will sich nach mehrmaligen Nachfragen nicht äußern, vielmehr man bei HeidelbergCement, auch die Presse zu verscheuchen. Eine Spezialeinheit des SEK Baden-Württemberg kommt am Samstag (8. August) im Großkraftwerk Mannheim zum Einsatz. Dort waren Umwelt-Aktivisten auf das Dach einer Förderanlage geklettert und hatten den Betrieb für einige Stunden lahm gelegt.

Polizei-Einsatz bei HeidelbergCement: Klima-Aktivisten mit extremer Aktion – muss das SEK anrücken?

Update vom 7. August, 11:45 Uhr: Seit 7 Uhr harren etwa 20 Aktivisten vor der Zentrale von HeidelbergCement aus. Einige von ihnen haben sich die Füße erst eingegipst und sie dann in Kisten einbetoniert. Fünf der Aktivisten stehen auf dem Vordach der Firmenzentrale. 60 Polizisten, einige davon aus Mannheim, haben das Gebäude umstellt. Am Vormittag wird noch zwischen der Polizei und den Klimaaktivisten verhandelt. Die Klimaschützen bieten an, ihren Protest zu beenden, wenn sie ihre Personalien nicht angeben müssen.

Die Polizei lehnt das jedoch ab und verkündet um 11:45 Uhr über ein Megafon, dass der Eigentümer einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt hat. Die Aktivisten müssten die Versammlung auflösen und ihre Personalien angeben. Falls sie das Dach nicht räumen würden, müsse ein SEK-Team anrücken. Wie ein Sprecher der Polizei vor Ort bestätigt, sei das Team schon auf Anfahrt.

Eine Sprecherin von HeidelbergCement will sich vor Ort nicht zu der Aktion äußern und die Vertreter der Presse vom Gelände verweisen. Die Polizei erlaubt den Pressevertretern jedoch in gebührendem Abstand zu den Aktivisten zu bleiben.

Polizeieinsatz bei HeidelbergCement: Klima-Aktivisten machen mit extremer Aktion auf sich aufmerksam

Erstmeldung vom 7. August 2020, 10:30 Uhr: Viele Aktivsten setzen sich mit Leib und Seele für ihre Sache ein. Doch was die Protestler am Freitagmorgen (7. August) gegen 6 Uhr in Heidelberg planen und letztlich auch machen, ist sehr außergewöhnlich. Denn protestieren nicht nur mit Bannern, sondern blockieren gleich den Eingang zur Firmenzentrale von HeidelbergCement.. Die Polizei ist in Heidelberg bereits im Einsatz und überwacht den Eingang von HeidelbergCement. Doch das ist noch nicht alles.

Heidelberg: Klima-Protest vor HeidelbergCement – Aktivisten betonieren ihre Füße ein

Die Klima-Aktivsten besteigen die Vordächer und lassen sich sogar die Füße einbetonieren. „Einen Tag lang soll somit der Haupteingang des Gebäudes blockiert werden, um auf die Klimakrise und auf das neokoloniale Handeln HeidelbergCements hinzuweisen“, heißt es in einer Mitteilung vom Bündnis „Wurzeln im Beton".

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot bei der Klima-Protestaktion vor Ort.
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot bei der Klima-Protestaktion vor Ort. © HEIDELBERG24/PR-Video, Priebe

Die Protestform des Füße-Einbetonierens stamme von indonesischen Aktivisten und solle ein Zeichen der Solidarität sein. Laut den Aktivsten plane eine Tochterfirma von HeidelbergCement in Indonesien ein Kalksteinabbau. „Der Abbau würde das Ökosystem des Karstgebirges, seinen Wasserhaushalt und seine hohe Artenvielfalt zerstören und die Existenzgrundlage der Kleinbauern in der Region vernichten“, prophezeien die Mitglieder des Bündnisses.

Heidelberg: Schwere Anschuldigungen gegen HeidelbergCement – Klima-Aktivsten fordern Bauwende

Es ist nicht das erste Mal, dass Klima-Aktivisten sich gegen HeidelbergCement richten. Erst im Juni versammelten sich zahlreiche Demonstranten von Fridays for Future, Watch Indonesia!, ROBIN WOOD und pax christi in Heidelberg. Sie formulierten die gleichen Vorwürfe gegen HeidelbergCement wie das Bündnis „Wurzeln in Beton“.

So wird dem Baustoffkonzern unter anderem vorgehalten, zu viel Emissionen auszustoßen. Die Baubranche verschlinge Unmengen an Energie und heize den Klimawandel an. „Aus diesem Grund protestieren wir hier heute gegen den Klimakiller Zement. Besonders europäische Zementriesen wie LafargeHolcim und HeidelbergCement tragen eine maßgebliche Verantwortung für die Klimakrise“, betont die Pressesprecherin Luca Holz vom Bündnis und fügt an: „Die Zementherstellung sorgt nicht nur für die globale Klimakatastrophe, sondern auch für lokale Zerstörung an Abbaustandorte im globalen Süden. In Indonesien, Ghana, Togo, der Westsahara sowie im Westjordanland handelt HeidelbergCement unverantwortlich gegenüber Menschen und Umwelt.“ Die Klima-Aktivsten fordern durch ihre Aktion in Heidelberg eine grundlegende Bauwende. Man müsse Bauen und Wohnen „radikal umdenken“.

Heidelberg: Klimakiller HeidelbergCement? Wie schlimm ist Zement wirklich?

HeidelbergCement hat sich zu der Aktion bislang nicht geäußert. Sucht man nach Klimaschutz findet man allerdings bei HeidelbergCement eine ausführliche Auflistung mit Maßnahmen, wie das Unternehmen auch einen Beitrag leisten will. „Der Klimaschutz steht im Zentrum unserer Umweltpolitik. Als energieintensives Unternehmen bemühen wir uns seit vielen Jahren, unsere CO2-Emissionen zu minimieren“, heißt es direkt zu Beginn. Unter anderem setzt die Firma auf Technologien zur Nutzung von CO2 als Rohstoff.

Inwiefern das aber tatsächlich im Kampf gegen die Klimakrise hilft, ist anzuzweifeln. So heißt es in einer ZDF-Reportage mit dem Titel „Zement – der heimliche Klimakiller“: „Nicht nur für viele ursprüngliche Naturlandschaften, auch für das Klima ist Zement eine massive und meist unterschätzte Bedrohung. Die Zementherstellung allein verursacht zwischen fünf und acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen.“ Bei der Herstellung entstehe mehr Kohlenstoffdioxid als durch den gesamten Flugverkehr weltweit. (jol)

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