Jahresbilanz 2017 

Heidelberger Staatsanwaltschaft: „Straftaten-Anstieg nicht nur ein Gefühl“

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Die Heidelberger Staatsanwälte Thomas Bischoff, Romeo Schüssler und Tim Haaf (von rechts).

Heidelberg - Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat 2017 alle Hände voll zu tun. In fast allen Straffeldern steigt die Zahl der Verfahren und auch die personelle Situation lässt zu Wünschen übrig.

Dreimal so viele Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige aufgrund von Kapitalverbrechen, 25 Prozent mehr wegen Sexualdelikten und 17 Prozent mehr Verfahren wegen Betäubungsmitteln wie noch 2016! 

Diese Zahlen sind ein Teil der Bilanz, die die Heidelberger Staatsanwälte Romeo Schüssler, Tim Haaf und Thomas Bischoff im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag (27. März) ziehen. Eine Woche zuvor blickte das Polizeipräsidium Mannheim mit einer Kriminalitätsbilanz 2017 schon auf das Jahr zurück.

Allzeit-Rekordhoch

Im Bereich der Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige beobachtet man in fast allen der 15 Kriminalitätsfeldern Zuwachs. Nachdem dieser sich bereits seit mehreren Jahren hält, verzeichnet man 2017 ein Allzeit-Rekordhoch. Insgesamt sind es 28.327 Verfahren (2016: 27.169).  „Der Trend geht auch in diesem Jahr weiter“, informiert Staatsanwalt Schüssler.

Der allgemeine Zuwachs von 24,5 Prozent im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erklärt Schüssler unter anderem durch die höhere Anzeige-Quote. Außerdem habe sich in dem Bereich juristisch etwas getan – neue Straftatbestände sind hinzugekommen. War früher beispielsweise Grapschen eine sexuelle Nötigung, ist es jetzt eine sexuelle Belästigung.

In Sachen Verkehrsstraftaten meint Thomas Bischoff: „Gerade auf den Autobahnen ist der Anstieg leider kein subjektives Gefühl. Es passieren tatsächlich mehr Verstöße.“ Zur höheren Zahl im Kriminalitätsfeld ,Betäubungsmittel‘ meint Schüssler: „Die ist auch durch eine höhere Polizeipräsenz zu erklären. Umso mehr ermittelt wird, desto mehr kommt ans Tageslicht.

Die Zahl der Verfahren gegen unbekannte Tatverdächtige (16.445) ist niedriger als im Vorjahr (17.833). Darunter fallen 365 Ermittlungsverfahren wegen Tötung, 13 wegen Brandstiftung und 25 politisch motivierte Straftaten. 

Antrag auf Haftbefehl

Gegen 253 Personen wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen (2016: 210) – gegen elf Personen einen Unterbringungsbefehl, also eine Verwahrung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Erziehungsanstalt

Abgeschlossen werden 2017 insgesamt 27.953 Verfahren gegen 31.887 Personen. Während sie gegen 23.872 Personen (74 Prozent) eingestellt werden. Davon fast die Hälfte aufgrund von fehlendem öffentlichen Interesse.

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Die personelle Situation, so Schüssler, lasse zu wünschen übrig. Im höheren Dienst seien 80 Personen beschäftigt. Dabei beträgt die Deckungsquote 2017 78 Prozent. „Da mussten wir auch mal Prioritäten setzen – mit dem groben Besen anstatt der feinen juristischen Klinge ran gehen“, meint Schüssler. 

Die Zuweisung von zwei zusätzlichen Stellen nennt er ein „positives politisches Zeichen“ weist aber auch darauf hin, dass diese noch nicht genug seien.

In Straf- und Gnadensachen werden 2017 Geldauflagen in einer Gesamthöhe von circa 270.000 Euro erteilt. Diese gehen an gemeinnützige Vereine. Bei der Auswahl, so Bischoff, komme es vor allem darauf an, dass diese regional und sachbezogen sind. Zum Beispiel gehen Geldauflagen bei Drogendelikten in die Drogenprävention.

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gs

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