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6 Fragen an OB-Kandidaten: Würzner will Neckartunnel für die B37 bauen

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Am 6. November wird in der Unistadt der Oberbürgermeister gewählt. Amtsinhaber Eckart Würzner erklärt auf unsere Fragen, was er in den kommenden acht Jahren vorhat:

Neun Kandidaten treten am 6. November zur Oberbürgermeister-Wahl in Heidelberg an. Im Gegensatz zur letzten Wahl 2014 bekommt der amtierende Rathauschef Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos) dieses Mal „richtige“ Konkurrenz. Insbesondere die Heidelberger Landtagsabgeordnete und ehemalige Wissenschaftsministerin Baden-Württembergs, Theresia Bauer, macht sich berechtigte Hoffnungen, den 61-Jährigen als Oberbürgermeister von Heidelberg abzulösen.

OB-Wahl in Heidelberg: 6 Fragen an Eckart Würzner

HEIDELBERG24 hat den OB-Kandidaten sechs Fragen zu den laut Heidelberg-Studie wichtigsten Themen Verkehr, Wohnen und Klimaschutz gestellt. Amtsinhaber Eckart Würzner wurde in Goslar geboren und lebt seit Anfang der 1980er in Heidelberg. Er hat vier Kinder. Nach dem Geographie-Studium stieg Würzner als Umweltfachberater bei der Stadt ein, wurde 2001 Umweltbürgermeister.

2006 wird er als Nachfolger von Beate Weber (SPD) zum Oberbürgermeister gewählt. In seinen Antworten erklärt Rathaus-Chef Würzner, wie er den Verkehr in Heidelberg umbauen möchte, wie Wohnen in der Unistadt bezahlbar bleiben kann und welches Projekt er unbedingt bis 2030 umsetzen will.

Prof. Dr. Eckart Würzner (61) kandidiert für eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister in Heidelberg.
Prof. Dr. Eckart Würzner (61) kandidiert für eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister in Heidelberg. © privat

Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Verkehrsprobleme in Heidelberg und wie wollen Sie diese angehen?

Würzner: „Wir haben verschiedene Aufgaben. Zum einen werden wir die Rad- und Fußgängerinfrastruktur weiter ausbauen, denn schon heute werden fast 80% aller Wege innerhalb Heidelbergs zu Fuß, mit dem Rad und mit Bus und Bahn zurückgelegt. Hier gibt es noch weiteres Potenzial, das ich heben möchte. Dazu braucht es mehr und sichere Wege. Zudem ist mein Ziel ein kostenloser ÖPNV in ganz Heidelberg. Mit dem 3-Euro-Ticket für Kinder und Jugendliche sowie Heidelberg Pass (+)-Beziehende sowie dem 365-Euro-Ticket für Senioren haben wir einen ersten Schritt gemacht. Ich möchte den nächsten Schritt machen.

Um weniger ein- und auspendelnden Individualverkehr zu haben, möchte ich zudem die Schnellbuslinien aus dem Umland ausbauen und so genannte Mobilitätshubs an den Stadteingängen, an denen der Umstieg attraktiv ist. Mir ist es im Gegensatz zu meinen Herausforderern wichtig, die Verkehrswende mit Angeboten statt Verboten zu gestalten und nicht gegen, sondern mit den Menschen umzusetzen.“

Wie teuer sollte der ÖPNV Ihrer Meinung nach in Heidelberg und im Verbundnetz sein und warum?

Würzner: „Mobilität ist extrem wichtig. In Zeiten, in denen Autofahren immer teurer wird und die Benzinpreise steigen, müssen wir eine bezahlbare Alternative anbieten. Deshalb ist mein Ziel ein kostenfreier ÖPNV in Heidelberg. Gleichzeitig wollen wir, wo nötig, den ÖPNV ausbauen, zum Beispiel durch eine Straßenbahntrasse im Neuenheimer Feld. Auch im Verbundnetz benötigen wir ein kostengünstiges Ticket, das den Umstieg auf den ÖPNV attraktiv macht.“

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„Wir wollen zudem durch Schnellbuslinien aus den Umlandgemeinden das Ein- und Auspendeln erleichtern. Die drei Monate mit dem 9-Euro-Ticket haben gezeigt: Der ÖPNV ist dann attraktiv, wenn er bezahlbar und möglichst unkompliziert ist (keine Waben, Ticket deutschlandweit gültig). Hier sind Bundes- und Landesregierung in der Verantwortung aktiv zu werden und ihren Beitrag zu leisten. Leider passiert in diesem Bereich zu wenig“, so der Amtsinhaber weiter.

Wie stehen Sie zu den Themen Anwohnerparken und Gehwegparken?

Würzner: „Der Gemeinderat hat das Anwohnerparken im vergangenen Jahr auf 120 Euro verteuert. In der aktuellen Situation mit steigenden Belastungen in vielen Bereichen halte ich eine weitere Verteuerung auf zum Beispiel 360 Euro, wie beispielsweise von den Grünen gefordert, für heute nicht vertretbar.

Gehwegparken ist durch die Straßenverkehrsordnung untersagt. Daran müssen sich alle Beteiligten halten. Mein Ziel ist es, die Gehwege durch Kontrollen und neue Regelungen Schritt für Schritt freizubekommen. In der Ladenburger Straße und der Gaisbergstraße haben wir das zuletzt umgesetzt. Gleichzeitig erleben wir dabei auch viele Widerstände, denn die PKW verschwinden ja nicht. Deshalb brauchen wir zusätzlich Quartiersgaragen in unseren Stadtteilen, wie wir sie gerade im Bereich Hospital in Rohrbach umsetzen.“

Heidelberg wächst und ist für immer mehr Menschen ein attraktiver Ort zum Leben. Gleichzeitig wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Wie wollen Sie sicherstellen, dass in der Unistadt ausreichend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht?

Würzner: „In der Heidelberger Südstadt bauen wir gerade eines der größten Wohnprojekte für bezahlbaren Wohnraum in ganz Deutschland mit einem Anteil von 70% gefördertem Wohnraum. Wir haben einen doppelt so hohen Anteil mit 17% an städtischen Wohnungen in Heidelberg wie in anderen Universitätsstädten (z.B. Freiburg oder Tübingen). So gelingt es, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft GGH eine Durchschnittskaltmiete von 6,82 Euro erhebt und 82% aller Wohnungen eine Kaltmiete von unter 8 Euro pro Quadratmeter haben.

Auf Patrick-Henry-Village werden wir ebenfalls Wohnraum für alle Einkommensgruppen schaffen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viel mehr Menschen in Heidelberg wohnen wollen als wir Wohnraum zur Verfügung haben. Die steigenden Zinsen, die aktuelle Situation, Materialpreise und Lieferengpässe stellen uns vor zusätzliche Herausforderungen. Bundes- und Landesregierung müssen sich zukünftig deutlich stärker beim Thema Wohnungsbau engagieren. Es kann nicht sein, dass schon heute sämtliche Töpfe der Bundesförderung leer sind und die Städte und Gemeinden alleine gelassen werden.“

Luftbild Heidelberg ehem. Liegenschaften US-Army Patrick-Henry-Village Konversionsfläche
Im Patrick-Henry-Village soll ein neuer Stadtteil für 10.000 Bewohner entstehen. © Klaus Venus

Heidelberg will im Jahr 2030 klimaneutral sein. Falls Sie erneut zum OB gewählt werden – welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen?

Würzner: „Wir haben einen ambitionierten 30-Punkte-Plan im Gemeinderat verabschiedet, um dieses Ziel zu erreichen. Die größten Hebel, um zeitnah Erfolge zu erzielen sind im Bereich Gebäudesanierung, Energieerzeugung und Verkehr. Hierauf müssen wir unser Augenmerk legen. Bis 2030 werden unsere Stadtwerke die gesamte Innenstadt mit klimaneutral erzeugter Fernwärme versorgen. Wir planen gerade ein Flusswärmekraftwerk im Neckar und bauen Wind- und Solarparks mit 30 anderen Städten im Rahmen einer gemeinsamen Initiative.

Um bei der Gebäudesanierung und dem Ausbau der Photovoltaik voran zu kommen, brauchen wir deutliche bürokratische Entlastungen durch Land und Bund. Ebenso beim Ausbau der regionalen Radschnellwege. Hier braucht das Land mindestens sieben Jahre, um den Weg zwischen Heidelberg und Mannheim zu bauen. In dieser Geschwindigkeit können wir unsere Ziele nicht erreichen. Die Städte und Gemeinden haben große Ziele, aber Bund und Land müssen unterstützen und die Voraussetzungen schaffen.“

Sollten Sie zum OB gewählt werden – welches Projekt wollen Sie bis 2030 unbedingt in Heidelberg umsetzen?

Würzner: „Stadt an den Fluss. Die Oberbürgermeister-Wahl ist auch eine Abstimmung darüber, ob wir eine Promenade am Neckar wollen oder nicht. Ich bin überzeugt, dass hier ein Schlüssel zu noch mehr Lebensqualität liegt. Direkt am autofreien Neckar unterhalb von Schloss und Alter Brücke flanieren, das muss unser Ziel sein.“ (rmx)

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