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Wichtig für Autofahrer: Umweltzonen in Heidelberg sollen abgeschafft werden

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Von: Peter Kiefer

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Heidelberg - Wer sie nicht am Auto kleben hat, dem drohen 80 Euro Bußgeld. Doch die Tage der Feinstaub-Plaketten in der Uni-Stadt sind gezählt. Wann es soweit sein könnte:

Sie kleben seit dem 1. Januar 2008 auf den Windschutzscheiben unserer Autos – die gelben, roten und grünen Plaketten. Wer ohne die Feinstaub-Plakette unterwegs ist, darf nicht in ausgewiesene Umweltzonen. Wer sich nicht daran hält, dem droht ein saftiges Bußgeld in Höhe von 80 Euro. Doch das ändert sich im Jahr 2023 in Heidelberg und weiteren Kommunen im Südwesten.

Verkehrsministerium plant vielerorts in BW die Abschaffung der Umweltzonen

Gleich mehrere Kommunen in Baden-Württemberg sollen im Laufe des Jahres die Umweltzonen und die damit verbundene Pflicht zur grünen Plakette abgeschafft werden. Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist die Anweisung aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium das völlig falsche Signal. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagte der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe: „Wir werden natürlich alle rechtlichen Mittel prüfen und angehen, um zu verhindern, dass Baden-Württemberg jetzt die Luft verschlechtert.“

Umweltzonen sind Gebiete, in denen nur Fahrzeuge fahren dürfen, die bestimmte Abgasstandards einhalten. Dafür gibt es Plaketten je nach den erforderlichen Werten in den Farben rot, gelb und grün, die an Windschutzscheiben angebracht werden. In Deutschland gibt es laut Umweltbundesamt 56 Umweltzonen. In 55 davon seien nur Fahrzeuge mit grüner Plakette zulässig, in Neu-Ulm auch solche mit gelber Plakette.

In der Stadt Heidelberg werden womöglich die Umweltzonen abgeschafft. (Fotomontage)
In der Stadt Heidelberg werden womöglich die Umweltzonen abgeschafft. (Fotomontage) © HEIDELBERG24/Florian Römer; Peter Steffen/picture alliance/dpa

Aufhebung der Umweltzonen in Heidelberg, Karlsruhe und im Pfinztal

Konkret bereitet das Regierungspräsidium Karlsruhe die Aufhebung der Umweltzonen in Heidelberg, Karlsruhe und im benachbarten Pfinztal vor. „Aufgrund der dauerhaft niedrigen Messwerte für insbesondere Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10) in diesen beiden Städten und dieser Gemeinde sowie angesichts der Prognose, dass alle geltenden Grenzwerte für Luftschadstoffe auch weiterhin sicher eingehalten werden, sind die dortigen Fahrverbote durch die grünen Umweltzonen nicht mehr erforderlich“, erklärte eine Sprecherin.

Die Anhörung der betroffenen Kommunen soll im Januar abgeschlossen werden. Derzeit hätten noch Bürger Gelegenheit zur Stellungnahme. „Mit den eingegangenen Stellungnahmen werden wir uns auseinandersetzen und uns im endgültigen Plan dazu äußern“, erläuterte die Sprecherin des Regierungspräsidiums. Dieser werde dann noch einmal ausgelegt, voraussichtlich im Februar 2023. Im Anschluss sollen die fortgeschriebenen Luftreinhaltepläne in Kraft treten.

Deutsche Umwelthilfe kritisiert Abschaffung der Umweltzonen

Das Regierungspräsidium Stuttgart bereitet die Aufhebung der Umweltzonen in Wendlingen am Neckar (Landkreis Esslingen), Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis), Ilsfeld (Landkreis Heilbronn) und Urbach (Rems-Murr-Kreis) vor. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist den Angaben zufolge für das erste Quartal 2023 geplant. Die genannten Umweltzonen sollen dann voraussichtlich zum 1. Mai 2023 aufgehoben werden.

DUH-Bundesgeschäftsführer Resch kritisierte das Vorgehen: „Das hat mich ziemlich verärgert, als ich das ausgerechnet aus
Baden-Württemberg gehört habe“, sagte er mit Blick auf die seit Jahren grün-geführte Landesregierung und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). „Die machen Maßnahmen gegen die Luftqualität.“ Dabei plane die EU zu Recht, die Grenzwerte zu verschärfen. Um diese einhalten zu können, müsse man jetzt strengere Maßnahmen ergreifen.

Zehntausende Menschen in EU wegen Luftverschmutzung gestorben

Zum Schutz der Gesundheit der Bürger gelten europaweit seit einigen Jahren Grenzwerte für Schadstoffe in der
Luft. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission soll der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) ab 2030 nun nur noch bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen statt wie bisher bei 40. Die Belastung durch Feinstaub mit einer Partikelgröße von bis zu 2,5 Mikrometer soll demnach von 25 auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter reduziert werden.

Der Straßenverkehr ist nach Angaben der Kommission die größte Quelle für Luftverschmutzung in Städten. Trotz besserer Luftqualität sind im Jahr 2020 nach Schätzungen der EU-Umweltagentur EEA rund 240.000 Menschen in der EU durch die Belastung in ihrer Umgebung mit Feinstaub vorzeitig gestorben, etwa 28.900 davon in Deutschland. 49.000 weitere Todesfälle (Deutschland: 10.000) seien auf chronische Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) sowie 24.000 (Deutschland: 4.600) auf die Belastung mit bodennahem Ozon (O3) zurückzuführen.

umweltfreundliche Autos
Mit den Feinstaub-Plaketten sollen ‚Stinker‘ aus den Städten verbannt werden. Jetzt droht den Plaketten im Südwesten das Aus. (Symbolfoto) © dpa

„Grüne Umweltzonen haben ihre Wirkung erzielt“

Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums rechtfertigte das Vorgehen dennoch: „Grüne Umweltzonen haben ihre Wirkung erzielt.“ Durch sie sei die Fahrzeugflotte in Baden-Württemberg schneller erneuert worden. Es würden nur noch Gelegenheitsbesucher aus dem Umland mit alten Fahrzeugen durch grüne Umweltzonen aus den Städten herausgehalten.

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Zugleich sei die Entwicklung der Luftqualität sehr erfreulich. „In Städten, in denen die Grenzwerte deutlich unterschritten werden, sind die grünen Umweltzonen zur Einhaltung der Grenzwerte nicht mehr notwendig.“ Zur Einhaltung neuer Werte könnten sie nicht beitragen. Damit würden Fahrzeuge ausgeschlossen, die vor 2006 erstzugelassen wurden - und 2030 also keine große Relevanz mehr haben dürften. (dpa/pek)

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