Historischer Spaziergang

Heidelberger Stadtgeschichte im Gehen

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Das Westportal der Stadthalle Heidelberg.

Heidelberg - Stadtgeschichte? Von wegen langweilig! Historische Fakten und eine Vielzahl von Anekdoten machen die historischen Spaziergängen zu einer echten Attraktion für alle, die ihr Herz in und an Heidelberg verloren haben. Ein Eindruck.

Seit 2004 führen Michael Buselmeier (li.) und Hans-Martin Mumm auf ihren Spaziergängen durch die Epochen der Heidelberger Stadtgeschichte.

Dass man Stadtgeschichte auch auf kurzweilige Art „an die Leute“ bringen kann, zeigen Michael Buselmeier und Hans-Martin Mumm. Seit 2004 führen der Schriftsteller Buselmeier (76) und der ehemalige Leiter des Kulturamts, Hans-Martin Mumm (66), in zweieinhalb Stunden auf den Spuren der Geschichte durch die Gassen Heidelbergs. „Jedes Jahr“, erklärt Buselmeier im Hof des Kurpfälzischen Museums den über 30 Teilnehmern, „nehmen wir uns eine andere Epoche vor. Dieses Mal beleuchten unsere Rundgänge die Kaiserzeit, also die Jahre 1870 bis 1918.“ 

Heidelberger Stadtgeschichte im Gehen

Historismus, Stadthalle und Heidelberga

Für den Kopf der Heidelberga über dem Westportal der Stadthalle stand Elisabeth Götz, geb. Michelbach, Modell.

Nach einem kurzen Abstecher zum Restaurant Perkeo in der Hauptstraße und einer Einführung in die Architektur des Historismus, gelangt der Spaziergang über die Karpfengasse an das Westportal der Stadthalle. Das Kongress- und Kulturzentrum wurde von den Architekten Jakob Henkenhaf und Friedrich Ebert entworfen und zum hundertjährigen Jubiläum der Universitätsreform 1903 fertiggestellt. Mit vielen kleinen Anekdoten lassen Buselmeier und Mumm vergangene Zeiten wieder aufleben. Die beiden befreundeten Stadthistoriker erzählen vom eigenen Bootsanleger, den die Stadthalle mal hatte, bevor er dem zunehmenden Autoverkehr weichen musste, und vom Kopf der „Heidelberga“, die über das Westportal der Stadthalle wacht. 

Ernst Jünger, akademische Buchhandlungen und jüdisches Unternehmertum

In der Brunnengasse waren die Buchdruckerei Carl Pfeffer beheimatet, die bis 1982 auch das Heidelberger Tageblatt verlegte.

Weiter geht die kurzweilige Tour durch die Altstadt: Vorbei an den potenziellen Geburtshäusern des Schriftstellers Ernst Jünger in der Ziegelgasse und in der Sofienstraße, der Akademischen Buchhandlung Koester in der Hauptstraße und verschiedenen Stationen jüdischen Unternehmertums, wie dem Kaufhaus „Gebrüder Rothschild“ (heute Kaufhaus Kraus, die Red.) oder dem Carl Pfeffer Verlag in der Brunnengasse. Immer im Gepäck: Kleine Geschichten, Querverweise und den einen oder anderen humorvollen Disput um mögliche Deutungen des Gesagten.


Stadt der Geschichte(n) 

Kaum ein Straßenzug, kaum ein Gebäude, zu dem die beiden Stadthistoriker kein geschichtlich relevantes Detail recherchiert haben. Sei es das Haus, in dem der englische Erzähler und Dramatiker William Somerset Maugham in der Friedrich-Ebert-Anlage wohnte, deren oberes Ende in der Kaiserzeit übrigens als „Russenstraße“ bezeichnet wurde, weil die dort ansässigen Hotels und Pensionen vornehmlich russische Studenten beherbergten. 

Erste Fabrik in der Altstadt: Die ehemalige Tabakfabrik der Familie Landfried.

Oder ein Blick auf das Elternhaus des Astronom Max Wolf in der Märzgasse, das die Privatsternwarte erkennen lässt, die die Eltern 1880 für ihren Sprössling anbauen ließen als der noch aufs Gymnasium ging. Selbstverständlich wird die erste Fabrik in der Altstadt zwischen Haupt- und Landfriedstraße ebenso erwähnt wie das gesellschaftliche Aufsehen, das Clara Schumann und Johannes Brahms auslösten, als sie gemeinsam im Musiksalon Henriette Feuerbachs in der Theaterstraße musizierten. Das fällt dann bisweilen aus dem geschichtlich gesteckten Rahmen, ist aber unterhaltsam und wissenswert. 

Die Kümmelspalterei verdankt ihren Namen der Knauserigkeit des Wirts.

Und so findet die Führung in der Nähe der Unibibliothek ihr Ende. Nach einem kurzen Exkurs in die architektonische Einbettung der Universitätsbibliothek im Historismus kommt der Spaziergang gegenüber dem „Club 1900“ zum Ende. Zwischen ersten und zweiten Stockwerk prangt „Kümmelspalterei“ auf der Fassade. Was es damit auf sich hat, weiß Buselmeier: „Der Schriftzug bezieht sich auf eine Wirtschaft, deren Wirt so geizig war, dass die Studenten schon in den 1880ern ‚zum Kümmelspalter‘ gingen.“ 

Weitere Führungen finden statt: 

12.10., Altstadt II, Treffpunkt: Brückenaffe, Alte Brücke, 11 Uhr 

19.10., Neuenheim I, Treffpunkt: Marktplatz, Neuenheim, 11 Uhr 

26.10., Neuenheim II, Treffpunkt: Mönchhofplatz, Neuenheim, 11 Uhr 

Die Teilnahme kostet jeweils fünf Euro. Weitere Infos: www.heidelberg.de/hd,Lde/HD/Rathaus/Stadtgeschichte+im+Gehen.html

rmx

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