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Heidelberg: Ärger an Bahnstadt-Schule ‒ zwei Klassen in Pfaffengrund „abgeschoben“

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Zwei Klassen aus der Bahnstadt-Grundschule sollen im neuen Schuljahr in den Pfaffengrund ausgelagert werden. Dagegen wollen sich Eltern wehren.

Vor knapp zehn Jahren zogen die ersten Bürger in Heidelberg jüngsten Stadtteil. Seither zieht die Bahnstadt insbesondere junge Familien an. Familienfreundlich, nachhaltig, ein Stadtquartier der kurzen Wege ‒ so wird die Bahnstadt in Heidelberg und der Welt gern beworben. Zum neuen Schuljahr erfüllt sich dieses Versprechen für manche Eltern wohl nicht mehr. Ihre Kinder werden dann im Pfaffengrund zur Grundschule gehen.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Anzahl Schülerca. 22.000

Heidelberg: Zwei Klassen der Bahnstadt-Grundschule werden ausgelagert

Zum neuen Schuljahr sollen zwei Klassen der Bahnstadt-Grundschule (BGS) in die „Graf von Galen-Schule“ im Pfaffengrund ausgelagert werden. Um „pädagogischen Spielraum gewinnen“ zu können, wie es von der Stadt heißt. Der Plan stößt bei vielen Eltern sauer auf. Immerhin ist von der Verlegung auch eine erste Klasse betroffen. Das sorgt für organisatorischen Mehraufwand und könnte sich negativ auf die Akzeptanz von Inklusionskindern in Schulkassen auswirken, fürchtet Jan Mandler.

„Im Mai ist die Elternschaft erstmals von den Auslagerungs-Plänen der Schulleitung informiert worden“, sagt der Elternbeiratsvorsitzender der BGS im Gespräch mit HEIDELBERG24. Bisher habe man den Inklusionsgedanken sehr stark mitgetragen. „Wenn man Klassen einfach so in einen anderen Stadtteil abschiebt, könnte sich das ändern“, mahnt Mandler.

Inklusion: Bahnstadt-Grundschule kooperiert eng mit Graf von Galen-Schule

In der Bahnstadt-Grundschule gibt es in jeder Klassenstufe eine Inklusionsklasse, kommendes Jahr wird es erstmals zwei erste Klassen mit Inklusionskindern geben. Als Schule mit inklusivem Grundgedanken kooperiert die BGS schon länger eng mit der Graf von Galen-Schule (GvG). An der GVG als sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum werden Schüler mit Behinderung und einem festgestellten Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot unterrichtet.

Zwei Klassen der Bahnstadt-Grundschule werden ab dem Schuljahr 2022/23 in der Graf von Galen-Schule in Heidelberg-Pfaffengrund unterrichtet.
Zwei Klassen der Bahnstadt-Grundschule werden ab dem Schuljahr 2022/23 in der Graf von Galen-Schule im Pfaffengrund unterrichtet. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Die Verlegung an die GvG erklärt die Schulleitung laut Mandler so: „Der Förderbedarf in der ersten Klasse mit vier Inklusionskindern ist so hoch, dass es besser ist, wenn sie an der GvG unterrichtet werden.“ Damit die erste Klasse nicht als einzige umziehen muss, soll noch eine vierte Klasse der BGS im Pfaffengrund zur Schule gehen. Die Stadt spricht von einer „temporären Verlegung“ der Klassen. Die kommende erste Klasse wird nach Informationen des Elternbeirats zumindest die kommenden zwei Schulzeiten an die GvG wechseln.

Heidelberg: Auslagerung reißt Schulkinder aus Lebens-Umfeld

Die betroffenen Kinder werden ihren Schultag und Hortbetreuung im Pfaffengrund verbringen. „Sie werden also kein vollwertiger Teil der Schulgemeinschaft in der Bahnstadt sein“, formuliert ein Elternteil in einem Leserbrief an diese Redaktion. Zudem ergebe sich für Familien mit mehreren Grundschulkindern ein „logistischer Kraftakt“, wenn sie an zwei Standorten unterrichtet werden.

Der Schulweg in den Pfaffengrund kreuzt auch den viel befahrenen Diebsweg in Heidelberg.
Der Schulweg in den Pfaffengrund kreuzt auch den viel befahrenen Diebsweg. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Daneben sehen viele Eltern den rund eineinhalb Kilometer langen Schulweg kritisch, da er den viel befahrenen Diebsweg kreuzt. Die Stadt habe zwar ein Busshuttle zur GvG angedacht, „aber das soll morgens und nachmittags jeweils nur ein Mal fahren.“ Sollte das Kind außerhalb der Fahrzeiten zur Schule oder nach Hause müssen, müssen wir das selbst organisieren“, kritisiert der Eternbeirat.

Bahnstadt-Grundschule schon jetzt zu klein?

„Aufgrund der (Wohn-)Bauentwicklung und der Bevölkerungsentwicklung sind die Klassen der Grundschule Bahnstadt gut gefüllt“, sagt eine Stadtsprecherin. Im Schuljahr 2022/23 werden nach Angaben der Stadt voraussichtlich über 280 Schüler in 13 Klassen an der BGS unterrichtet. Um pädagogischen Spielraum zu gewinnen und dem individuellen Förderbedarf der Kinder mit umfassenden Behinderungen auch künftig gerecht zu werden, haben sich die Schulleitung laut Stadt für die Auslagerung der beiden Klassen entschieden.

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Das kaschiere aber lediglich, dass die BGS mittlerweile schon zu klein ist, meinen viele Eltern. Das sei bei der Mensa so, für die Pausen habe man zudem eine zusätzliche externe Hoffläche angefragt, heißt es in dem Elternbrief. Bei den Planungen für die BGS habe man nicht auf die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung geschaut, so die Kritik. Obwohl das Regierungspräsidium die Bahnstadtschule zweizügig genehmigte, wurde sie dreizügig geplant und errichtet, entgegnet die Stadt.

Eltern wollen Klassen-Verlegung in den Pfaffengrund nicht hinnehmen

Viele Eltern wollen die Auslagerung der Klassen nicht hinnehmen. Zu den Verlegungsplänen sei die Rückmeldung aus den Klassen „in der überwiegenden Mehrheit“ negativ gewesen. Daraufhin habe man mit der Schulleitung, dem Schulamt und Bildungsbürgermeisterin Stefanie Jansen (SPD) das Gespräch gesucht, so Mandler.

„Sie werden gehört, wir entscheiden“, habe die Schulleitung der BGS dem Elternbeirat gesagt, berichtet Mandler. Bürgermeisterin Jansen habe zwar Verständnis für die Eltern, sei gegenüber der Schulleitung aber nicht weisungsbefugt. Jetzt haben sich die Elternvertreter an das Regierungspräsidium Karlsruhe gewandt. Das soll nun prüfen, „ob man Grundschüler einfach so an einen anderen Standort verlegen kann“, erklärt Mandler. (rmx)

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