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Jeder kann Leben retten – Experten lehren Reanimation am Bismarckplatz

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Von: Madlen Trefzer

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Heidelberg - Wie man richtig wiederbelebt, sollte jeder wissen. Dafür will sich das Team vom SRH Kurpfalzkrankenhaus einsetzen – und lehrt das Wiederbeleben auf offener Straße.

Das SRH Kurpfalzkrankenhaus macht heute (20. September) eine Wiederbelebungs-Aktion am Bismarkplatz in Heidelberg: Auf offener Straße werden bis 15 Uhr kostenfreie Schulungen angeboten – für alle, die ihren Erste-Hilfe-Kurs etwas auffrischen wollen. Dabei will das Team des Kurpfalzkrankenhauses zeigen, dass Reanimation einfach ist – jeder kann Leben retten. Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten daher nicht erst zum Thema werden, wenn eine Notsituation da ist.

„Woche der Wiederbelebung“ in Heidelberg: Wer richtig reanimieren lernt, kannst Leben retten

„Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen – deshalb sollte auch jeder in der Lage sein, im Notfall einfache und lebensrettende Sofortmaßnahmen zu ergreifen“, erklärt Dr. Stefanie Höger, Geschäftsführerin des SRH Kurpfalzkrankenhauses. Da bei vielen der Erste-Hilfe-Kurs in der Regel schon länger zurückliegt, ist es wichtig, das Wissen aufzufrischen und für den Notfall gewappnet zu sein.

In Deutschland sterben mindestens 50.000 Menschen pro Jahr an Herz-Kreislauf-Stillstand. Die Überlebenschancen würden sich verdreifachen, wenn Umstehende mit der Wiederbelebung (Reanimation) beginnen würden. Dadurch ließen sich nach Hochrechnung des Deutschen Rates für Wiederbelebung jedes Jahr 10.000 zusätzliche Leben in Deutschland retten. Noch sieht die Realität aber anders aus.

Sanitäter reanimiert Dummy
Betriebssanitäter Kapli erklärt gerade einem Passanten, wie man richtig reanimiert. © Madlen Trefzer/HEIDELBERG24

Heidelberg: Du solltest keine Angst davor haben, Hilfe zu leisten – Dein Mut kann Leben retten

Die Laienreanimationsquote in Deutschland liegt bei nur 39 Prozent (Stand: 2018). Höger vermutet stark: „Die Reanimationsquote ist so niedrig, weil die Menschen Angst haben, sich einer verletzten Person zu nähern“. Es bestünde auch die Angst, der Person während der Herzdruckmassage die Rippen zu brechen. „Diese Ängste wollen wir den Leuten nehmen“, so Höger. Damit die Herzdruckmassage erfolgt, gilt es folgende Punkte zu beachten:

Es ist sehr wichtig, sich einer bewusstlosen Person zu nähern und sie anzusprechen – das ist der erste Schritt. Dann gilt der Algorithmus Prüfen-Rufen-Drücken. „Hat die Person einen Motorradhelm an, muss der runter, auch wenn draufsteht, dass er an bleiben soll“, versichert Uwe Appelt, Sanitäter seit fast 30 Jahren. Um den Helm abzunehmen, brauche man zwei Personen: Die eine fixiert den Kopf, die andere nimmt den Helm ab.

Die „Woche der Wiederbelebung“ in Heidelberg rückt Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit ins Rampenlicht

Eine Wiederbelebung müsse man auch nicht alleine durchführen. „Es hilft, Menschen in unmittelbarer Nähe anzusprechen und sie um Mithilfe zu bitten. Dabei sollte man konkrete Aufgaben verteilen, wie zum Beispiel die Aufforderung, den Notruf zu wählen“, empfiehlt Stefanie Höger. Viele Menschen würden hingegen an bewusstlosen Personen einfach vorbeigehen. Vor allem, wenn es sich dabei um Obdachlose handelt. 

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Um der Rücksichtslosigkeit entgegenzuwirken, startet Höger zusammen mit Uwe Appelt eine Initiative für Obdachlose am Bahnhof. Dort werden Wunden versorgt und der Blutzucker gemessen. „Es hat etwas gedauert, bis die Menschen uns vertraut haben“, sagt Höger. Anlässlich der laufenden „Woche der Wiederbelebung“ rückt die Hilfsbereitschaft aller Menschen in den Fokus. (mad)

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