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Amoklauf in Heidelberg: Was Todes-Schütze (†18) Umfeld über Waffen-Plan erzählte

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Ein junger Mann dringt in einen Hörsaal auf dem Uni-Campus Neuenheimer Feld ein und erschießt eine junge Frau. Dann tötet er sich selbst. Was man über den Täter weiß:

Update vom 10. Februar: Wie die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) unter Bezug auf Ermittlungsbehörden berichtet, soll sich Todes-Schütze Nikolai G. (†18) in der Woche vor der Tat vom 17. bis zum 21. Januar in der österreichischen Hauptstadt Wien aufgehalten haben. Dort soll er auch eine Wohnung angemietet haben, in der er sich tatsächlich aber nie aufgehalten habe. Ermittler vermuten, dass sich G. auf diese Weise eine Meldeadresse in Österreich verschaffen wollte, um dort Waffen erwerben zu können. Die beiden Tatwaffen habe er dann von einem Waffenhändler, eine dritte von einem Privatmann erworben haben.

In Österreich fallen die verwendeten Waffen in die rechtliche Kategorie C, ihr Erwerb ist auch ohne Waffenschein in der Regel legal möglich. Ob das auch auf G.s Fall zutreffe, sei aber noch Gegenstand laufender Ermittlungen. Um die Waffen und den Aufenthalt in Wien zu finanzieren, hatte er laut Staatsanwaltschaft einen Studienkredit aufgenommen, so die RNZ weiter. Außerdem habe G. Menschen in seinem persönlichen Umfeld von seinen Plänen, Waffen zu kaufen, berichtet und dies damit begründet, einen Jagdschein erwerben zu wollen.

Amoklauf in Heidelberg: Das ist über Todes-Schütze Nikolai G. (†18) bekannt

Update vom 7. Februar: Zwei Wochen nach der Amoktat auf dem Uni-Campus im Neuenheimer Feld hat die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass Nikolai G. „in der Vergangenheit in psychiatrischer und psychologischer Behandlung war“. Ob die Erkrankung zum Tatzeitpunkt noch bestand und ursächlich für die tödlichen Schüsse an der Uni Heidelberg waren, muss noch geklärt werden. Die Ermittler untersuchen auch andere Tatmotive.

Amok-Schütze Nikolai G.: „Ein ruhiger junger Mann“

Update vom 1. Februar: Auch bei der Gedenkfeier nach der Gewalttat im Hörsaal im Neuenheimer Feld kommt mehrfach die Frage nach dem Warum auf. Beantworten können Ermittler die Frage bislang nicht. Was trieb Nikolai G. zu den tödlichen Schüssen? Eine Mitarbeiterin eines Friseursalons, über dem G.s Wohnung in der Schwetzingerstadt in Mannheim liegt, beschreibt den Amokläufer als „ganz ruhigen jungen Mann“.

Amoklauf in Heidelberg: War Nikolai G. Mitglied in rechter Splitterpartei?

Update vom 27. Januar: Eine offizielle Bestätigung steht noch aus, aber diverse Medien berichten, dass es sich beim Amok-Schützen von Heidelberg um Nikolai G. handeln soll. Nach Informationen von Staatsanwaltschaft Heidelberg und Polizei soll der 18-jährige Biologie-Student in seiner Jugend Mitglied der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ gewesen sein. Dort tauchte er 2019 auf einer Mitgliederliste auf, trat im Oktober des gleichen Jahres aber aus der Partei aus. Einen politischen Hintergrund der Tat schließen die Ermittler weiter aus.

Auch zu den beim Amoklauf in Heidelberg verwendeten Waffen nennen die Ermittler neue Details: Doppelflinte und Repetiergewehr soll G. etwa eine Woche vor der Tat bei einem Waffenhändler in Österreich gekauft haben. Dort habe er auch ein Zimmer angemietet, wo man eine dritte Langwaffe gefunden habe. Dabei handelt es sich um eine Büchse, die er bei einer Privatperson erworben habe.

Amok-Schütze Nikolai G.: Wohl keine Beziehung zu Opfer

Eine persönliche Beziehung zu der 23-jährigen Kommilitonin, die G. mit einem Kopfschuss tötete, scheint nach ersten Auswertungen der Ermittlungsgruppe „Botanik“ als Motiv auszufallen. In den ausgewerteten Mobiltelefonen, Laptops und einem Tablet haben sich keine Hinweise auf eine Verbindung des Amok-Schützen und der jungen Frau aus der Südpfalz gefunden.

Ursächlich für die Tat“ könnte weiterhin eine psychische Erkrankung des jungen Mannes sein. Laut „Spiegel“ soll G. in seiner Jugend unter Schizophrenie und Anpassungsstörungen gelitten haben. Zudem habe er Befehle von Stimmen vernommen.

Amoklauf in Heidelberg: Schüsse im Uni-Hörsaal ‒ Was über den Täter (†18) bekannt ist

Erstmeldung vom 26. Januar: Am Montag (24. Januar) stürmt ein 18-Jähriger in einen Uni-Hörsaal im Neuenheimer Feld. Unvermittelt schießt er einer jungen Frau mit einer „Langwaffe“ in den Kopf. Laut Polizei fallen mehrere Schüsse. Anschließend flüchtet der junge Mann ins Freie und richtet sich im angrenzenden Botanischen Garten selbst. Die 23-jährige Studentin stirbt wenig später in der Uniklink Heidelberg. Drei weitere Personen werden verletzt, können das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung aber wieder verlassen.

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl158.741 (2020)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Studierendeca. 39.000

Stadt und Uni stehen nach der Gewalttat unter Schock, die Anteilnahme ist groß. Am Botanischen Garten und anderen Orten auf dem Uni-Campus im Neuenheimer Feld werden Kerzen, Blumen und Kränze abgelegt. Hunderte Menschen versammeln sich spontan, um innezuhalten und zu gedenken. Viele Studierende sind schockiert und traumatisiert. Für Augenzeugen, Betroffene, Angehörige und Studierende hat die Uni mehrere Anlaufstellen eingerichtet, an die sich Hilfesuchende wenden können.

Amoklauf in Heidelberg: Ermittlungsgruppe soll Hintergründe aufklären

Derweil liegt das Augenmerk der Polizei auf einer schnellen Aufklärung der Hintergründe der Tat. „Mit Hochdruck“ werde man ermitteln, versprach Polizeipräsident Siegfried Kollmar am Montagabend bei einer Pressekonferenz. Welches Motiv liegt den Schüssen zugrunde? Warum hat der junge Mann nicht nachgeladen und weiter geschossen, obwohl er über 100 Schuss Munition und ein weiteres Gewehr im Rucksack bei sich trug? Es sei „spekulativ“ zu sagen, dass der Täter womöglich die Person getroffen habe, die er treffen wollte, sagte Kollmar.

Nach dem Amoklauf in Heidelberg werden Kerzen und Blumen niedergelegt.
Nach dem Amoklauf in Heidelberg werden Kerzen und Blumen niedergelegt. © HEIDELBERG24/Fabienne Schimbeno

Mittlerweile hat die Polizei die Ermittlungseinheit „Botanik“ mit 32 Beamten eingerichtet. Sie soll die Aufklärung der Umstände vorantreiben. Neben dem Mobiltelefon des jungen Mannes werden PCs untersucht. Auch das Smartphone seines Vaters wurde laut Polizei beschlagnahmt. Ihm schickte der 18-Jährige unmittelbar vor den tödlichen Schüssen eine schaurige WhatsApp-Nachricht: „Bestimmte Leute müssen jetzt bestraft werden“, hieß es darin. Laut Kollmar soll der Täter seinem Vater auch geschrieben haben, dass er sich eine Seebestattung wünsche und nicht auf einem Friedhof beerdigt werden wolle. Daraufhin meldete sich der Vater sofort bei der Polizei. Da war es aber schon zu spät.

Tödliche Schüsse im Neuenheimer Feld: Wer war der Täter?

Aber wer war der junge Mann, der zu so einer unfassbaren Tat imstande ist? Noch als die Situation im Neuenheimer Feld unübersichtlich war, kursierten bereits Fake News über den vermeintlichen Täter. Das Polizeipräsidium Mannheim arbeitete mit Informationen dagegen an, soweit das möglich war. Über den Amok-Täter haben Polizei und ermittelnde Staatsanwaltschaft Heidelberg bislang nicht viel preisgegeben. Polizeipräsident Kollmar berichtete, der 18-Jährige sei selbst Biologie-Student an der Uni Heidelberg gewesen. Er habe in Mannheim gewohnt. Weder in Mannheim noch in Heidelberg sei der junge Mann bislang polizeilich aufgefallen, so Kollmar.

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Aus Ermittlerkreisen sickerte mittlerweile durch, dass der Täter in Berlin-Wilmersdorf aufgewachsen ist. Dort soll er sich laut „BZ“ auch eine Jugendstrafe wegen Körperverletzung eingehandelt haben. „Lange zurückliegend“ soll der Amok-Schütze auch psychisch erkrankt gewesen sein, berichtete Kollmar am Montag. Er habe aber als „gesund“ gegolten. Auch dahingehend soll die Ermittlungsgruppe „Botanik“ Licht ins Dunkel bringen. Einen Hinweis auf eine politisch oder religiös motivierte Tat gibt es nicht.

Generell könne ein Mensch zum Amokläufer werden, „weil er die vorhandenen oder die subjektiv wahrgenommenen Kränkungen von der Kindheit übers Jugendalter zum jungen Erwachsenenalter als besonders schlimm erlebt“, sagte Polizeipsychologe Adolf Gallwitz dem Radiosender „SWR Aktuell“. Amokläufer haben bei tödlichen Angriffen wie dem in Heidelberg ein gemeinsames Denkmuster. „Er hat eine grandiose Art des Untergehens gesucht“, so Gallwitz. „Ein Suizid war ihm letztlich einfach zu banal.“ Die Täter seien keine Einzelgänger und „auch nicht immer nur Leute, die schwer psychisch krank sind“.

Amok-Schütze von Heidelberg: Wer verkaufte ihm die Waffen?

Die Aufklärungsarbeit der Ermittler richtet sich jetzt auch auf die beiden Schusswaffen, die der 18-Jährige bei der Tat benutzte. Bei den beiden „Langwaffen“ handelt es sich um eine Doppel-Schrotflinte und ein Repetiergewehr, erklärte Kollmar. Einen Waffenschein für die beiden Gewehre habe der junge Mann nicht besessen. Auch seine nahen Angehörigen haben keine Waffenlizenz.

Polizisten untersuchen eine Waffe am Gelände der Heidelberger Universität, wo es einen Amoklauf gegeben.
Polizisten untersuchen eine Waffe am Gelände der Heidelberger Universität, wo es einen Amoklauf gegeben. © Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa

Beide Gewehre seien kurz vor der Tat im Ausland gekauft worden. Dazu gebe es laut Leitendem Oberstaatsanwalt Andreas Herrgen „Kaufbelege“. Aktuell wird untersucht, ob der Verkäufer der Waffen womöglich mitverantwortlich ist. Ein legaler Erwerb der Waffen ist laut Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB) nur mit Waffenschein möglich. Wie der „SWR“ berichtet, handelt es sich bei der Doppelflinte um eine Churchill 512 von Akkar (Türkei). Die zweite Waffe sei ein Unterhebelrepetiergewehr Modell 1894 vom amerikanischen Hersteller Marlin. Beide Waffen werden in der Jagd eingesetzt und gelten nach Angaben des VDB als „eher preisgünstig“.

Hinweis: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Du unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidest oder eine Dir bekannte Person es tut, kontaktiere bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. (rmx mit Material von dpa)

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