1. Heidelberg24
  2. Heidelberg

Theresia Bauer vor OB-Wahl in Heidelberg: „Mehrheit will nach 16 Jahren kein ‚Weiter so‘“

Erstellt:

Von: Florian Römer

Kommentare

Heidelberg - Beim zweiten Wahlgang am Sonntag läuft es auf ein Duell zwischen Eckart Würzner und Theresia Bauer hinaus. Das sagt die Herausforderin kurz vor der OB-Wahl:

Bei der OB-Wahl in Heidelberg kommt es zum spannenden Duell zwischen dem parteilosen Amtsinhaber Eckart Würzner und seiner Herausforderin Theresia Bauer (Grüne). Der amtierende Rathauschef konnte den ersten Wahlgang mit fast 46 Prozent der Stimmen klar für sich entscheiden, verpasste aber die absolute Mehrheit.

Rund 107.000 Wahlberechtigte sind am Sonntag (27. November) erneut aufgerufen, einem der drei verbliebenen Kandidaten im Rennen um den Chefsessel im Rathaus ihre Stimme zu geben. Im Interview erklärt Theresia Bauer, wo über 100 Millionen Euro dringender investiert werden sollten als in einen Neckarufertunnel, wie sie gegen hohe Mieten vorgehen will und wieso sie die „richtige“ Rathauschefin für Heidelberg ist.

Gespräch mit Theresia Bauer vor OB-Wahl in Heidelberg

Frau Bauer, Sie lagen nach dem ersten Wahlgang mit 28,6 Prozent der Stimmen deutlich hinter Amtsinhaber Würzner. Hat Sie das Wahlergebins enttäuscht – immerhin ist Heidelberg eine „grüne“ Stadt, in der die Grünen auch die stärkste Gemeinderatsfraktion stellen?

Bauer: „Der Amtsinhaber hat im 1. Wahlgang keine Mehrheit erhalten. Über 50% der Wähler*innen haben sich für einen Wechsel ausgesprochen. Zahlreiche Kandidaten haben mit starken Argumenten und guten Ideen für den Wechsel geworben. Auf diese haben sich die Stimmen der Wähler*innen für den Wechsel aufgeteilt.

Ein ähnliches Bild, wie es sich auch im Gemeinderat zeigt: hier haben die Grünen nicht die Mehrheit – die Grüne Fraktion hat 16 von 48 Sitzen, also nur ein Drittel. Im 2. Wahlgang ist die Situation eine andere, da das Kandidatenfeld deutlich kleiner geworden ist.“

Theresia Bauer will Oberbürgermeisterin von Heidelberg werden.
Theresia Bauer will Oberbürgermeisterin von Heidelberg werden. © Francesco Futterer/Kontext Kommunikation

Acht Kandidaten waren gegen OB Würzner angetreten, jetzt sind nur noch Björn Leuzinger („Die Partei“) und Sie im Rennen. Außer Alina Papagiannaki-Sönmez wollte keiner der ausgeschiedenen Bewerber eine Wahlempfehlung für Sie aussprechen. Wird es dadurch schwieriger, Wähler für einen Wechsel an der Stadtspitze zu mobilisieren?

Bauer: „Im 2. Wahlgang haben wir eine andere Situation als bei der Wahl am 6.11.. Denn die meisten Kandidaten, die im ersten Wahlgang für einen Wechsel in Heidelberg angetreten sind, haben nun ihre Kandidatur zurückgezogen. Damit haben sie es ermöglicht, die Kräfte für den Wechsel zu bündeln. Neben Volt Heidelberg haben sich auch Heidelberg in Bewegung und Alina Papaginannaki-Sönmez für mich ausgesprochen. Darüberhinaus spricht sich die GAL für einen Wechsel an der Heidelberger Stadtspitze aus. Schließlich haben in der Wählerinitiative „Wechselbürger*innen“ Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft, der FDP und auch der SPD ihre Unterstützung für mich erklärt.

Ich werbe um die Stimmen aller Bürgerinnen und Bürger, die den Wechsel wollen. Dabei sollten Wahlempfehlungen nicht überschätzt werden. Die Wählerinnen und Wähler wollen für den 2. Wahlgang selbst überzeugt werden. Ich mache ein klares Angebot und trete an als sozial-ökologische Alternative zum von CDU und FDP getragenen Amtsinhaber.“

Eckart Würzner ist seit 16 Jahren Stadtoberhaupt und zeigt sich zuversichtlich, dass er noch eine dritte Amtszeit bekommt. Für den zweiten Wahlgang werben Sie mit dem Slogan „Eine für alle“. Wieso sind Sie die richtige Rathauschefin für Heidelberg? Was unterscheidet Sie vom amtierenden OB?

Bauer: „Mein Politikstil setzt auf mehr Kooperation statt Konflikt: mit einer früheren Bürgerbeteiligung, in der Alternativen ergebnisoffen abgewogen werden, statt weiteren kräftezehrenden Bürgerentscheiden. Außerdem werde ich den Umsetzungsstau – ob bei Fahrradstraßen oder Schulsanierungen – konsequent abarbeiten, statt die Verwaltung möglichst schlank zu halten. Eine wachsende Stadt braucht Investitionen in die Verwaltung.

Schließlich setze ich klare sozial-ökologische Prioritäten: viel mehr Bäume und Entsiegelung statt überhitzter Plätze, 100 Millionen Euro für Schulen und Kitas statt für den Neckarufertunnel für Autos, Wohnen für alle statt maximaler Rendite, mehr Umsetzungstempo im Klimaschutz, sichere Radwege statt verstopfter Straßen.“

Die Grünen kritisieren die Pläne Würzners, einen Neckarufertunnel in der Altstadt zu realisieren. Welche Projekte oder welches Projekt wollen Sie unbedingt umsetzen?

Bauer: „Der Amtsinhaber setzt falsche Prioritäten, wenn er Personal und über 100 Millionen € in der Großbaustelle Neckarufertunnel binden will. Statt Prestigeprojekte voranzutreiben, müssen jetzt Investitionen in den sozialen Zusammenhalt getätigt werden. Die Liste notwendiger Vorhaben ist lang: undichte Dächer und fehlende Mensen in Schulen, die Kita-Gebühren bei vielen Trägern wachsen den Familien über den Kopf und seit mehreren Jahren muss das Frauenhaus wegen Platzmangel rund 80 % der Schutzsuchenden abweisen.

Deshalb investiere ich in die Sanierung der Schulen, günstige Kita-Plätze bei allen Trägern, mehr Kita-Fachkräfte und höhere Zuschüsse für die sozialen Einrichtungen. Außerdem entlaste ich diejenigen, denen die steigenden Preise besonders zu schaffen machen – beispielsweise mit der Ausweitung des Härtefallfonds gegen Energiekosten und mit dem 3-Euro-Ticket auch für Studierende.“

Theresia Bauer vor OB-Wahl: Bezahlbarer Wohnraum in Heidelberg möglich machen

Bezahlbarer Wohnraum zählt zu den drängendsten Themen in der Universitätsstadt. Wie wollen Sie bis 2030 sicherstellen, dass sich alle Einkommensschichten leisten können, in Heidelberg zu wohnen?

Viel zu bauen ist keine Garantie für bezahlbaren Wohnraum. In der neu entwickelten Bahnstadt hat die Stadtspitze die Rahmenbedingungen so gesetzt, dass vor allem Großinvestoren zum Zuge kamen – die Folge: viel zu hohe Mieten.

Theresia Bauer, OB-Kandidatin der Grünen

Bauer: „In der Wohnungspolitik werde ich umsteuern: statt an Großinvestoren zu verkaufen, muss die Stadt den Zugriff auf den Boden behalten. Bei der Entwicklung neuer Wohngebiete setze ich auf gemeinwohlorientierte Partner wie GGH, Baugenossenschaften und bürgerschaftliche Baugruppen.

Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Hier ist Luft nach oben: pro Kopf besitzt die kommunale Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG 40% mehr Wohnungen als die Heidelberger GGH. Der bisherige Masterplan PHV muss sozial orientiert überarbeitet werden. Auf PHV öffne ich zügig den Leerstand für Studierende, Auszubildende und Beschäftigte als Zwischennutzung.

Theresia Bauer vor OB-Wahl in Heidelberg: „Mehrheit will nach 16 Jahren kein ‚Weiter so‘“

Was macht Sie zuversichtlich, dass Sie am Sonntag die Nase vorn haben?

Bauer: „Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler will nach 16 Jahren kein Weiter so. Sie wissen, Heidelberg kann mehr – und das ist nötig, damit Heidelberg seine Klimaziele einhalten kann und sich Menschen mit geringerem Einkommen weiterhin eine Wohnung in Heidelberg leisten können.

Das zeigt auch die breite Wähler*inneninitative „Wechselbürger*innen“, die sich nach dem 1. Wahlgang gegründet hat und die mich unterstützt. Dabei sind Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft, aber auch von SPD, Bunter Linker, GAL und FDP.“ (rmx)

Auch interessant

Kommentare