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Termin für Karlstorbahnhof-Umzug unklar ‒ Grünen-Kritik an OB Würzner

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Von: Florian Römer

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Konzertsaal im neuen Karlstorbahnhof in den Campbell Barracks in der Heidelberger Südstadt.
Der neue Konzertsaal des Karlstorbahnhof ist doppelt so groß wie in der Altstadt. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Heidelberg - Dem Karlstorbahnhof steht ein holpriger Neustart in der Südstadt bevor. Dass sich der Umzug des Kulturhauses verzögert, sorgt im Gemeinderat für Bedauern und Kritik:

Update vom 1. März: Nach den Gemeinderats-Fraktionen kommentiert nun auch das Kulturhaus Karlstorbahnhof seinen verspäteten Umzug in die Südstadt: In Abstimmung mit allen Beteiligten sei immer von Mitte 2022 als Umzugszeitpunkt gesprochen worden, heißt es in dem Statement. „Geplant war, im August umzuziehen, um nach den Sommerferien eröffnen zu können.“ Jetzt wird die Stadt Heidelberg das neue Gebäude erst Ende Oktober übergeben.

Man freue sich, „dass die IBA ab Ende April unser neues Zuhause erleben“ könne. Durch die Bauverzögerungen sei eine „neue Situation“ entstanden, die dem Kulturhaus mit Blick auf die „Eröffnungsplanung Zugeständnisse“ abverlange. Man sei immer kompromissbereit gewesen und stelle sich zuversichtlich der neuen Lage, auch da dem Karlstorbahnhof von allen Seiten Unterstützung und Entgegenkommen zugesichert worden sei.

Karlstorbahnhof kann keinen konkreten Eröffnungstermin nennen

„Ein konkretes Datum für die Eröffnungsveranstaltung können wir noch nicht nennen, denn es sind noch Details im Ablauf der Inbetriebnahme zu klären“, so der Karlstorbahnhof. Da man bereits zahlreiche internationale Künstler für den Herbst gebucht habe, arbeite man jetzt „mit Hochdruck an einer termingenauen Planung“. Das Kulturhaus muss bereits „einige Veranstaltungen verschieben, auslagern und den Umzug in das neue Haus umplanen.“

„Nach einigen unruhigen Monaten“ sei jetzt durch die Flexibilität und Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten eine Lösung gefunden worden, mit der man umgehen könne. „Der neue Zeitplan ist sehr eng, wir sind aber zuversichtlich, dass eine noch engere Abstimmung in den kommenden Monaten weitere Verzögerungen verhindern kann“, schreibt das Team des Karlstorbahnhof abschließend.

Heidelberg: Verspäteter Karlstorbahnhof-Start ‒ Grüne kritisieren Würzner

Erstmeldung vom 26. Februar: Seit wenigen Tagen ist es offiziell: Der Umzug des Karlstorbahnhof Heidelberg (KTB) in die Campbell Barracks wird nicht wie geplant im Sommer über die Bühne gehen. Als Starttermin für das Kulturhaus in der Südstadt nennt die Stadtverwaltung jetzt „Ende Oktober“. Konkret soll die Neueröffnung des Karlstorbahnhof am 21. Oktober stattfinden. „Wegen Materialengpässen, mangelnder Verfügbarkeit von Handwerkern, etc.“ komme es zu Verzögerungen im Bau. Eine Eröffnung Anfang Oktober sei deshalb „nicht zu halten“, heißt es vonseiten der Stadt.

Das ist für die Karlstorbahnhof-Macher besonders bitter: Nicht nur für das im Oktober beginnende, international renommierte Musikfestival „Enjoy Jazz“ hatte man fest mit den neuen Räumen als Spielstätte geplant. Für die Neueröffnung in der Südstadt habe man schon diverse internationale Acts gebucht und zahlreiche Programmpunkte vorbereitet, erklärte Karlstorbahnhof-Geschäftsführerin Cora Malik kürzlich. Jetzt gilt es, passende Ausweich-Locations zu finden.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (31. Dez. 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Neuer Karlstorbahnhof: Verzögerungen wegen finaler IBA-Ausstellung?

Bemerkenswert: Auch wenn die Bauarbeiten am neuen Karlstorbahnhof noch lange nicht beendet sind, wird die Internationale Bauausstellung (IBA) im Gebäude ihre Abschlusspräsentation durchführen. Von Anfang April bis Ende Juni soll die finale IBA-Ausstellung in den Campbell Barracks zu sehen sein ‒ während im Rest des Gebäudes weiter gearbeitet wird. Foyer und Saal des Karlstorbahnhofs ‒ in dem ein Stadtmodell und ein dreidimensionaler Film zu sehen sein sollen ‒ werden bis Ausstellungsstart bezugsfertig sein, versicherte jüngst Baubürgermeister Jürgen Odszuck (CDU).

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„Ich bin darüber nicht ganz glücklich“, sagt Stadtrat Michael Eckert (FDP) im Gespräch mit HEIDELBERG24. „In laufende Bauarbeiten macht man keine Ausstellung rein“. Normalerweise sei in jedem Bau ein Puffer eingeplant, um Verzögerungen zu vermeiden. „Da ist jetzt kein Millimeter Luft mehr drin“, erklärt Eckert, der den verspäteten Karlstorbahnhof-Start nicht nur wegen Enjoy Jazz bedauert. Vielleicht sei es „nicht die glücklichste Entscheidung gewesen“, die IBA-Abschlusspräsentation im neuen Karlstorbahnhof abzuhalten, finden die beiden SPD-Fraktionsvize Mathias Michalski und Sören Michelsburg. An dieser Stelle könne man nur noch versuchen, „den Start und Umzug bestmöglich zu unterstützen und den finanziellen Schaden zu kompensieren, der durch die Verzögerung entsteht.“

Umzugsverzögerung beim Karlstorbahnhof: Bedauern und finanzielle Unterstützung

Bis zu einer Höhe von 100.000 Euro wird man etwaige Zusatzbelastungen für den Karlstorbahnhof decken. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss (HAFA) am Mittwoch (23. Februar) einstimmig beschlossen. Dort habe die Stadt Heidelberg auch versichert, „dass es keinerlei Möglichkeit gibt – etwa durch zusätzliche Finanzmittel oder gar durch eine Absage der IBA-Ausstellung – sicher den Eröffnungstermin am 1. Oktober zu gewährleisten“, berichtet Dr. Jan Gradel. „Wir bedauern diese Situation sehr“, so der CDU-Fraktionschef. Man wünsche Cora Malik und ihrem Team „jetzt gute Nerven“ und dem Kulturhaus am 21. Oktober einen guten Start „in eine blendende Zukunft in den neuen Räumen, die deutschlandweit zu den besten Veranstaltungsstätten für Live-Events in dieser Größenordnung zählen wird“.

Auch die Wählerinitiative „Die Heidelberger“ bedauert, „dass der Karlstorbahnhof nicht wie geplant Anfang Oktober mit der Eröffnung von Enjoy Jazz in sein geplantes Programm einsteigen kann“, erklärt Larissa Winter-Horn. Da es bei Bauvorhaben in dieser Größenordnung durchaus zu Verzögerungen kommen könne, solle man von Schuldzuweisungen absehen. „Als die Entscheidung getroffen wurde, die Ausstellung zur IBA-Endpräsentation im Foyer und Saal des Karlstorbahnhofs als Zwischennutzung durchzuführen, war man gut in der Zeit und die Risiken wurden abgewogen – eine größere Verzögerung war nicht absehbar.“ Gemeinsam mit Verwaltung und Oberbürgermeister wolle man dem Kulturhaus „jegliche Hilfe zukommen lassen, um möglichst viele der ab Anfang Oktober geplanten Veranstaltungen durchführen zu können“. Winter-Horn freut sich „schon jetzt riesig auf die gigantische kulturelle Bereicherung, die Heidelberg und insbesondere der Heidelberger Süden ab Ende Oktober erfahren wird!“

Karlstorbahnhof Heidelberg: Grüne kritisieren Stadtspitze wegen IBA-Endpräsentation

Kritik für die Stadtspitze kommt indes von den Grünen: Seine Fraktion sei „verstimmt“ darüber, dass der Karlstorbahnhof nicht zum avisierten Termin im August umziehen könne, sagt Fraktionschef Derek Cofie-Nunoo dieser Redaktion. Im Fokus auch die Informationspolitik der Verwaltung: „Die Entscheidung, die Abschlusspräsentation der IBA in den neuen Räumlichkeiten des KTB durchzuführen, hat die Verwaltung und nicht der Gemeinderat getroffen.“ Noch sei Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner eine Antwort schuldig, „wer eigentlich wann entschieden hat, dass die IBA Endpräsentation im KTB stattfinden soll und welcher Zeitplan zu diesem Zeitpunkt Grundlage der Entscheidung war“, so Cofie-Nunoo. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass auf Druck der Stadtspitze bekannte Risiken wissentlich ignoriert und Kostensteigerungen sowie zeitliche Verzögerungen billigend in Kauf genommen wurden.“ Die Grünen fordern „umfassende Aufklärung“.

Blick auf den Eingangsbereich des neuen Karlstorbahnhof in den Campbell Barracks in der Heidelberger Südstadt.
Wann kann der Karlstorbahnhof in den Campbell Barracks einziehen? © Florian Römer/HEIDELBERG24

Auf die Frage, wer über den Standort der IBA-Endpräsentation entschieden hat, verweist ein Stadtsprecher auf die IBA. „Der Karlstorbahnhof war das Ergebnis eines langen Auswahlprozesses verschiedener Standorte“, sagt IBA-Sprecherin Angela Kratz. Über ein Jahr lang habe man gesucht und keine andere geeignete Location gefunden. Die Entscheidung sei laut Kratz „bereits 2021 von der Stadt Heidelberg gemeinsam mit der IBA Heidelberg und im Einvernehmen mit dem Karlstorbahnhof getroffen“ worden. Bauverzögerungen waren damals „noch nicht absehbar“.

Dass Rathauschef Würzner behaupte, die Stadt wäre weitgehend im Terminplan, „offenbart seine Distanz zu den tatsächlichen Problemen der beteiligten Organisationen“, kritisiert Grünen-Chef Cofie-Nunoo. Der Karlstorbahnhof brauche „endlich Planungssicherheit“. Was OB Würzner anbiete, führe zu einem stark abgespeckten KTB-Programm am neuen Standort in der Südstadt. Das gehe „unter anderem zu Lasten von Jugend- und Gegenwartskultur. Hier geht es zum einen um viel Geld, zum zweiten auch um das Prestige unserer Stadt als Kulturstandort“, betont Cofie-Nunoo. (rmx)

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