Über das Game, die Gala und ihre Zukunft

Heidelberger Videospiel gewinnt „Deutschen Computerspielpreis“: So freuen sich die Macher

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Wir treffen Yves Masullo und Robin Mächtel im Gründer-Institut der SRH Hochschule.

Heidelberg/Berlin - Zwei Studenten der SRH Hochschule entwickeln ein Videospiel und räumen gleich damit beim „Deutschen Computerspielpreis“ ab. Alles über ihr Game, den Preis und ihre Zukunft:

In Berlin findet am Dienstagabend (9. April) die Verleihung des „Deutschen Computerspielpreises“ statt. In 14 Kategorien werden hier die besten Spiele „made in Germany“ vergeben. Die Gewinner können Trophäen und Preisgelder erhalten. Was aber noch viel wichtiger ist – ihnen winken das Prestige und die Aufmerksamkeit der gesamten Gaming-Szene. Die ist an diesem Abend durch zahlreiche Entwickler und Publisher vertreten. Aber auch Politiker wie der Verkehrsminister Andreas Scheuer und Digitalisierungsministerin Dorothee Bär sind vor Ort.

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Videospiel „Orbital Bullet“: Programmiert von Studenten aus Heidelberg 

Unter den Nominierten sind auch zwei Studenten aus Heidelberg – Yves Masullo und Robin Mächtel. Beide studieren Games-Development an der SRH Hochschule und sind mit ihrem Spiel „Orbital Bullet“ in der Kategorie „Nachwuchspreis Prototyp“ nominiert. 

Am Ende reicht es zwar nicht für den ersehnten ersten Platz – der geht an das Spiel „A Juggler´s Tale“ – doch das Duo belegt den zweiten Rang. Damit bekommen sie sogar noch ein Preisgeld von 15.000 Euro! Eine tolle Zeit hatten die beiden Freunde und Geschäftspartner trotzdem.

Die Entwickler Yves Masullo und Robin Mächtel zeigen ihr Spiel „Orbital Bullet“.

In Heidelberg arbeitet derzeit auch der Indie-Entwickler „Andrade Games“ an dem Videospiel „Heidelberg 1693“. Dazu soll es bald eine Demo geben.

Interview mit Entwicklern von „Orbital Bullet“

HEIDELBERG24 trifft die beiden Entwickler im Gründer-Institut der SRH Hochschule Heidelberg. Dort erzählen sie über ihr Spiel, das Treffen mit Politikern und Publishern und wie sie die Verleihung des „Deutschen Computerspielpreises“ erlebt haben. 

Dieser wird kritisiert, weil die Moderatorin Ina Müller nur Klischees angesprochen hat und sich viele Gewinner und Teilnehmer dadurch beleidigt fühlten. Darüber schreibt der Spiegel.

H24: „Erstmal Glückwunsch für den zweiten Platz eures Spiels „Orbital Bullet“. Wie lange programmiert ihr eigentlich schon daran?“

Yves: „Also ursprünglich hat es im Jahr 2017 angefangen. Da gab es einen Game-Jam, das funktioniert so: Entwickle ein Spiel innerhalb von 48 Stunden. Und da haben wir den Prototyp entwickelt. Ich war damals noch alleine und er hat schon viel Potenzial gezeigt. Robin hab ich dann mit ins Boot geholt, weil wir davor schon an Projekten zusammen gearbeitet haben und es immer gut funktioniert hat. 

Dann haben wir im März 2018 hier angefangen. Wir haben immer ein bisschen On-Off-Entwicklung gehabt, weil wir noch nicht wussten, in welche Richtung es gehen soll. Und die richtige Produktionsphase ist im Juli 2018 gestartet, wo wir dann gesagt haben: Ok, jetzt committen wir uns auf dieses Projekt und haben dann auch einen Prototypen für die Gamescom entwickelt. Das war der Startpunkt der Entwicklung.“

Das Spiel „Orbital Bullet“ hat den zweiten Platz in der Kategorie „Prototyp“ belegt.

H24: „Gibt es schon ein Veröffentlichungsdatum für das Spiel?“

Yves: „Also wir hatten eigentlich noch dieses Jahr angepeilt. Durch Studium und die Bachelorarbeit ist es jedoch schwer einzuplanen. Es war nicht realistisch, dass wir bis dahin fertig werden. Deswegen haben wir jetzt 2020 geplant – das ist durchaus realistischer. Jetzt auch noch, weil wir den „Deutschen Computerspielpreis“ gewonnen haben. Dadurch haben wir auch etwas mehr finanziellen Puffer und auch für mögliche Förderungen ist es sehr interessant.“

Eigenes Unternehmen für „Orbital Bullet“ gegründet

H24: „Ihr habt ja dann eure eigene Start-Up-Firma gegründet. Wie heißt die?“

Yves: „SmokeStab.“

H24: „Und danach soll es dann mit dem Start-Up weitergehen oder ist angepeilt zu großen Entwicklern zu gehen?“

Robin: „Also wir haben schon angepeilt uns selbstständig zu machen. Gerade weil wir jetzt ja das Preisgeld nutzen müssen, um das Spiel zu entwickeln. Und das Projekt hat eigentlich so viel Potenzial, dass man es auf jeden Fall fertig machen muss.“

H24: „Wie seid ihr auf das Spiel „Orbital Bullet“ gekommen? Haben euch andere Spiele beeinflusst?“

Yves: „Die ursprüngliche Idee war ein 3D-Spiel zu machen, wenn man kein 3D kann (lacht) – so ist das gestartet. Und dann war es eigentlich so, dass wir als Spielerfahrung ein Spiel machen wollten, in dem es richtig abgeht, das actiongeladen ist und wo viel passiert auf dem Screen. Und der Spieler wird jede Runde, die er spielt, besser. Vieles wurde durch Feedback klarer. Zum Beispiel haben Leute gesagt: Hey, das ist cool was ihr macht, aber wenn ihr das und das ein bisschen anders macht, dann versteht man es viel besser. Und so kam es nach und nach, dass es sich so entwickelt hat – dann auch mit 360 Grad und diesen runden Welten.“ 

Einreichung von „Orbital Bullet“ beim „Deutschen Computerspielpreis“

H24: „Kommen wir mal zum „Deutschen Computerspielpreis“. Habt ihr euch da selbst eingereicht oder wird man da eingereicht?“

Robin: „Dort muss man sich selbst einreichen. Wir hatten das Ziel schon viele Monate im Voraus. Es wurde dann doch auf die letzten paar Minuten ziemlich knapp, sodass wir fünf Minuten vor Frist eingereicht haben – also wirklich kurz vor knapp.“

H24: „Und war die Überraschung groß, als es auf hieß: Ihr seid unter den Top-3?“

Robin: „Das war eigentlich ganz witzig. Wir haben die E-Mail bekommen und dachten das wäre so eine automatisch generierte E-Mail: ‚Danke für die Teilnahme, wurde leider nichts.‘ Dann haben wir nachgeschaut und gedacht: ‚Hey, da sind ja nur drei Leute, wir sind ja echt nominiert.‘ Wir haben eigentlich gar nicht damit gerechnet. Das war schon eine große Überraschung.“ 

Die Programmierer treffen Bundeskanzlerin Angela Merkel

H24: „Wart ihr dann nur für den einen Tag in Berlin oder habt ihr gleich noch Sightseeing gemacht?“

Yves: „Wir waren eigentlich eine ganze Woche dort. Einen Tag vor dem „Deutschen Computerspielepreis“ war ein Abendempfang im Kanzleramt, an dem jeweils ein Vertreter aus den ganzen Teams teilnehmen konnte. Da hat auch Dorothee Bär gesprochen und Angela Merkel ist vorbei gekommen. Alles ganz entspannt – so ein bisschen Bankett. Nach dem DCP waren wir noch auf der „Amaze“. Das ist so ein Entwickler-Festival, wo wir auch nochmal das Spiel ausgestellt haben.

H24: „Habt ihr dann auch mal der Kanzlerin die Hand geschüttelt?“

Yves: „Nee, das nicht. Ich weiß nicht, was man da so groß mit der reden sollte.“

Kontroverse beim „Deutschen Computerspielpreis“

H24: „Wie war das auf dem „Deutschen Computerspielpreis“? Da gab es ja mehrere Kontroversen, gerade um die Moderatorin Ina Müller. Einige haben das Preisgeld auch als Schmerzensgeld für die Show bezeichnet. Wie habt ihr das wahrgenommen?“

Robin: „Also man hätte sich vielleicht eine Moderation, die ein bisschen mehr themennah ist, gewünscht. Die einfach auch ein bisschen mehr Ahnung hat. Es war vor Ort wahrscheinlich noch einmal weniger schlimm, als wenn man zuschaut. Das war wahrscheinlich nochmal etwas mehr cringy. Aber es war noch verkraftbar – sagen wir es mal diplomatisch.“

Yves: „Also man muss sagen vor der Verleihung und danach war deutlich besser als während der Verleihung. Sie (Ina Müller) hat so ein paar Dinger rausgehauen, die waren schon... (tiefes Ausatmen). Eigentlich ist es ja da, um die ganzen Entwickler und Projekte die gemacht wurden, zu würdigen. Und wenn du dann auf die Bühne kommst und dann kriegst du so ein: ‚Hey, dass du mit dem Scheiß Geld verdient.‘ Das ist nicht unbedingt das, was man hören will.“

Schöne Zeit trotz Enttäuschung beim „Deutschen Computerspielpreis“

H24: „Auf einem Bild habt ihr ja mit Dorothee Bär posiert. Habt ihr euch dann mit ihr oder Andreas Scheuer unterhalten? Wie war da der Umgang?“

Yves: „Also auf dem „Deutschen Computerspielpreis“ haben wir uns nicht wirklich mit ihr unterhalten. Im Kanzleramt-Treffen konnte man mehr mit ihr sprechen. Bei Dorothee Bär merkt man auch, dass sie Interesse an dem ganzen Geschehen hat und nicht einfach nur: ‚Juhu, Games, Games.‘ Die hat auch wirklich Bock darauf und ist da involviert und will auch, dass das gescheit präsentiert wird. Das merkt man ihr an. Auch ihre Art – wirklich sehr sympathisch.“

Yves Masullo, Staatsministerin Dorothee Bär und Robin Mächtel bei der Preisverleihung des Deutschen Computerspielpreises in Berlin.

H24: „Wie war der Moment, als das andere Spiel den ersten Platz geholt hat und nicht eures?“

Robin: „Das war schon sehr enttäuschend. Da kommt immer so eine kleine Einleitung zu dem Spiel. Und währenddessen wird einem schon klar: ‚Ok, das ist auf jeden Fall nicht unseres‘. Man gönnt es ja auch den anderen. Man hat auch schon vorher mit ihnen gesprochen. Das Gute war, dass wir ja eh Gewinner waren. Bei uns in der Kategorie hat jeder das Preisgeld gewonnen und auch der Abend an sich war schon ein Gewinn. Die Enttäuschung war zwar da, aber sie war schon gedämpft.“

H24: „Vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg für euer Spiel und euer Start-Up.“

dh

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