Video-Schalte mit Studierenden aus Heidelberg

„Schlag ins Gesicht“ – Winfried Kretschmann schockiert Studis mit Depressions-Spruch

Heidelberg/Stuttgart - In einer Video-Konferenz mit Studierenden verharmlost Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Lage von Millionen Studis in der Corona-Pandemie.

Wenn ihn das mal nicht etliche Wählerstimmen bei der Landtagswahl* in Baden-Württemberg* am Sonntag (14. März) kostet, über die HEIDELBERG24* berichtet... Eigentlich wollte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72, Grüne)* gemeinsam mit der Heidelberger Landtagsabgeordneten und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (55) nur mit ein paar Studierenden aus Heidelberg* über deren Lage während der Corona*-Pandemie austauschen. Doch eine Aussage des Landesvaters aus der einstündigen Video-Schalte fällt ihm jetzt auf die Füße.

NameWinfried Kretschmann
Geburtsdatum17. Mai 1948 in Spaichingen
BerufLehrer; seit 12. Mai 2011 Ministerpräsident von Ba.-Wü.
ParteiBündnis 90/Die Grünen

Während Ex-Gymnasiallehrer Winfried Kretschmann – er selbst studierte von 1970 bis 1975 Biologie und Chemie an der Uni Hohenheim – zwar eingestehen musste, dass man die Studis zu wenig auf dem Schirm hatte und er „ein schlechtes Gewissen“ habe, wie die RNZ berichtet, ist ihm im Verlauf der Gesprächsrunde mit den fünf Studierenden ein gefühlloser wie folgenschwerer Satz herausgerutscht: „Vergleichen Sie Ihre Situation mit der anderer Menschen. Dann werden Sie sehen, dass es keinen Grund dafür gibt, depressiv zu werden.“ Rumms!

Winfried Kretschmann: Nach Depression-Spruch über Studierende – FDP-Politiker fordert Entschuldigung

Jetzt hagelt es Kritik aus allen Ecken: Viele Studierende haben in diesen schweren Zeiten, wo selbst Kinder und Jugendliche vor lauter Vereinsamung und Zukunftsängsten sogar Selbstmordgedanken äußern, null Verständnis für diese Verharmlosung der Volkskrankheit Depressionen.

In seiner manchmal ruppigen Art hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) diesmal Millionen Studierende in Deutschland verärgert.

Bestürzt darüber zeigt sich FDP-Landtagskandidat Benjamin Brandstetter (24). Für den Student sei es geradezu ein „Schlag ins Gesicht für Studierende“, wie er der RNZ sagte. Kretschmanns Empathielosigkeit mache ihn sprachlos. Speziell in diesen Lockdown-Zeiten, in denen Zehntausende Studis ihre Nebenjobs verloren haben und kaum wissen, wie sie die Miete bezahlen sollen. Von dramatischen Folgen wie Isolation und Vereinsamung ganz zu schweigen.

Jetzt fordert nicht nur der Jung-Politiker Brandstetter eine öffentliche Entschuldigung von Winfried Kretschmann für diesen verbalen Ausrutscher. Auffällig: Das Video der virtuellen Konferenz ist bereits gelöscht.

Winfried Kretschmann: Das sagt die Heidelberger Landtagsabgeordnete Theresia Bauer zum verbalen Ausrutscher des Ministerpräsidenten

Das Problem ist, dass solche Sätze oft aus dem Kontext gerissen werden“, beschwichtigt Theresia Bauer gegenüber der RNZ. Es sei eine intime Gesprächssituation gewesen, als würde man junge Menschen im Wohnzimmer treffen. Der Ministerpräsident habe den fünf Studierenden aufmerksam zugehört. „Er hat damit nicht die Krankheit Depression gemeint, sondern sprach von einem Gemütszustand.“ Viel eher sei der Satz als Aufmunterung, den Kopf nicht hängen zu lassen. Die Gesprächsteilnehmer hätten die umstrittene Aussage auch nicht als Kaltschnäuzigkeit aufgenommen.

Die Heidelberger Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (55, Grüne) nimmt Winfried Kretschmann in Schutz.

Doch auch der vermeintliche Trost von Winfried Kretschmann am Ende der Gesprächsrunde klingt ein wenig merkwürdig, wenn nicht sogar leicht daneben: „Später werden Sie mit Interesse auf diese Zeit zurückblicken. Sie haben nämlich was erlebt.“ Auf diese „Erlebnisse“ in der Corona-Pandemie mit Millionen Toten weltweit hätten wir sicher alle nur zu gern verzichtet. *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von Ippen-Media. (pek)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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