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Heidelberg: 1,3 Mio. Euro! So teuer wird die Sicherung der Ziegelhäuser Brücke

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Von: Florian Römer

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Die Ziegelhäuser Brücke muss abgerissen und neu gebaut werden.
Die Ziegelhäuser Brücke muss abgerissen und neu gebaut werden. © HEIDELBERG24/Josefine Lenz

Heidelberg - Die Ziegelhäuser Brücke ist so marode, dass sie abgerissen und neu errichtet werden muss. Was in Sachen Neubau bislang geplant ist, was die Sicherung kostet:

Update vom 11. Mai: Um die Ziegelhäuser Brücke für weitere acht Jahre bis zum Ersatzneubau sicher betreiben zu können, müssen umfangreiche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Grund: Das 1954 errichtete Bauwerk ist nicht mehr auf die heutige Verkehrsbelastung und Schwerverkehr ausgelegt – daher auch das verhängte Tempolimit (30 km/h) und die Gewichtsbeschränkungen für Fahrzeuge (3,5 t).

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl148.038 (31.12.2020)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Sicherung der Brücke zwischen Ziegelhausen und Schlierbach - Bauausschuss stimmt Kosten zu

Am Dienstag (10. Mai) hat der zuständige Stadtentwicklungs- und Bauausschuss sein Go für die europaweite Suche nach einem Architekten für den im Februar beschlossenen Neubau gegeben. Gleichzeitig hat der Bauausschuss einstimmig den 1,3 Millionen Euro zugestimmt, die für die Überprüfung und bauliche Sicherung der Ziegelhäuser Brücke veranschlagt worden sind.

Davon sind eine Million Euro auf die Baukosten, 150.000 Euro für Baunebenkosten und 150.000 Euro für „Unvorhersehbares“ einkalkuliert. Der Gemeinderat muss dies jedoch noch in seiner Sitzung am 2. Juni absegnen. Die entsprechenden Mittel stehen im Ergebnishaushalt des Tiefbauamts zur Verfügung.

Heidelberg: Neubau der Ziegelhäuser Brücke ‒ Planung beginnt

Update vom 16. Februar: Die bestehenden Entwürfe für den Neubau der Ziegelhäuser Brücke werden weiter verfolgt. Das hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen. Ein externes Planungsbüro wird nun prüfen, in welcher Art und Weise die Brücke neu gebaut wird. Die Planungen für den Neubau sollen bis spätestens 2028 abgeschlossen sein. Im Anschluss soll gebaut werden. Ziel der Planungen ist eine verbesserte Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer. Fußgänger und Radfahrer sollen sicher und barrierefrei die Brücke nutzen können. Damit will man die Verbindung zum S-Bahnhof Schlierbach/Ziegelhausen attraktiver gestalten. Beim Neubau der Ziegelhäuser Brücke will man auch den Lärmschutz für Anwohner verbessern.

Unklar ist derzeit noch, wie Fuß- und Radverkehr über die Brücke geleitet werden. Die Stadtverwaltung präferiert die „einseitige“ Variante. Sie sieht einen Rad- und Fußweg auf der Westseite der Brücke vor. Die politischen Gremien favorisieren allerdings eine Version, die einen Radweg auf beiden Seite der Brücke vorsieht. Wegen der Engstelle auf der Ziegelhäuser Seite führt die Stadt Gespräche über mögliche Grundstücksankäufe. Dann könnten Fuß-/Radweg eventuell auch weiter auskragen.

Hintergrund: Ziegelhäuser Brücke

Die Ziegelhäuser Brücke wurde 1954 als Spannbetonbrücke errichtet und ist für die heutigen Verkehrsverhältnisse statisch unterdimensioniert. Der Ersatzneubau der vorhandenen Brücke ist wegen des Alters, des schlechten baulichen Zustandes und der mangelhaften Tragfähigkeit zwingend notwendig. Bei der Standortuntersuchung hat sich herausgestellt, dass am bisherigen Brückenstandort die geringsten Hochwasserrisiken bestehen. Außerdem hatte eine Untersuchung mit dem Heidelberger Verkehrsmodell ergeben, dass über die Ziegelhäuser Brücke an ihrem aktuellen Standort die heutigen und künftigen Verkehrsströme am besten abgewickelt sowie alle grundsätzlichen Wegebeziehungen erhalten bleiben. Die Nähe zum S-Bahnhof Schlierbach/Ziegelhausen bleibt ebenfalls erhalten. Aufgrund der beeinträchtigten Tragfähigkeit der Brücke sind der Planungs- und Bauprozess so kurz wie möglich zu halten.

Seit März 2020 dürfen nur noch Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen die Brücke befahren. Vereinzelte Überfahrten von Bussen oder Rettungsfahrzeugen sind möglich. Es gilt Tempo 30. Seit Ende 2020 wird auch das Verformungsverhalten der Brücke bei Temperaturschwankungen elektronisch überwacht. Zudem wurde ein Blitzer zur Überwachung der Gewichts- und Geschwindigkeitsbeschränkung installiert. Mit diesem Maßnahmenbündel soll gewährleistet werden, dass die Ziegelhäuser Brücke bis zum Ersatzneubau eingeschränkt nutzbar bleibt.

Heidelberg: Neubau der Ziegelhäuser Brücke ‒ Engstelle am Nordufer macht Probleme

Erstmeldung vom 21. Januar: Seit gut zwei Jahren ist klar: Die Ziegelhäuser Brücke in Heidelberg ist zu marode für eine Sanierung. Die wichtige Neckarquerung zwischen den Stadtteilen Schlierbach und Ziegelhausen muss unbedingt neu gebaut werden. Um das über 70 Jahre alte Bauwerk bis zu seinem Abriss zu schützen, wurde eine Gewichtsbeschränkung eingeführt: Es darf nur noch von Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen, Radfahrern und Fußgängern benutzt werden. Ein Blitzer überwacht seit vergangenem Jahr die Einhaltung der Gewichtsbeschränkungen.

Heidelberg: Brücken-Neubau ‒ Engstelle auf Ziegelhäuser Seite

Aber wie sieht es in Sachen Brücken-Neubau aus? Abriss und Neuerrichtung der wichtigen Querung im Neckartal sind Zukunftsmusik, so viel steht fest. Eine Finanzierung des Bauwerks wird wohl frühestens 2028 den Weg in den städtischen Haushalt finden. Dennoch gilt es, bis dahin wichtige Fragestellungen zu lösen. Um dem motorisierten Verkehr sowie Radfahrer und Fußgängern genügend Platz zu bieten, sollte die Stadt Heidelberg eine doppelstöckige Brücke prüfen. Als Vorbild dient die Eisenbahnbrücke in Neckargemünd.

Zudem müssten auf Ziegelhäuser Seite zusätzliche Grundstücke erworben werden. Denn: Auf einer Länge von rund 50 Metern gibt es eine Engstelle, „in deren Bereich kein regelkonformer Straßenquerschnitt umsetzbar ist“. Im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität (AKUM) informierte die Verwaltung am Mittwoch (19. Januar) über den aktuellen Stand: Die betroffenen Eigentümer wollen ihre Grundstücke vorerst nicht verkaufen. Das sei bei einem Vor-Ort-Termin in der Vorwoche klar geworden.

Keine doppelstöckige Brücke über den Neckar

Auch die doppelstöckige Brücke wie in Neckargemünd scheint aus Stadtsicht nicht umsetzbar. Zwar habe diese Option den Vorteil, dass Radfahrer und Fußgänger vom motorisierten Individualverkehr (MIV) getrennt wären und damit deutlich sicherer seien. Allerdings müssten alle Verkehrsarten bei dieser Variante „auf dasselbe Höhenniveau an den anschließenden Knoten zusammengeführt werden.“ Das müsste auf Ziegelhäuser Seite mittels Rampen geschehen.

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Damit Schiffe weiterhin unter der Brücke passieren können, müsste die Brücke zudem höher gebaut werden. Das würde zu sehr steilen Brückenauffahrten für den MIV führen. „Insbesondere für die vorhandene Engstelle auf Ziegelhäuser Seite erscheint eine zufriedenstellende Lösung mit der zweistöckigen Wegeführung zumindest fraglich“, heißt es in der Ergänzungsvorlage der Verwaltung.

Zwei mögliche Verkehrs-Varianten

Für eine gemeinsam genutzte Brücke hat die Stadt zwei Varianten untersucht: In der ersten Variante sind Passanten und Radfahrer auf der Westseite räumlich vom MIV auf der Ostseite der Brücke getrennt. Die Verwaltung gibt dieser Variante den Vorzug, da sie eine „nahezu regelkonforme Lösung“ am Ziegelhäuser Engpass zulässt. Dort stünden Fußgängern und Radfahrern ein nur 3,80 Meter breiter Steifen zur Verfügung, dem MIV 6,50 Meter.

Das zulässige Höchstgewicht für Fahrzeuge wurde im Februar 2020 auf 3,5 Tonnen reduziert. (Archivfoto)
Die Engstelle auf Ziegelhäuser Seite. (Archivfoto) © HEIDELBERG24/Josefine Lenz

In der zweiten Variante wird der MIV auf zwei Fahrbahnen in der Mitte über die Brücke geführt. Jeweils in Fahrtrichtung schließt eine Radspur an. Der Fußgängerweg wäre auch hier auf der Westseite der Brücke. An der Engstelle wäre die Fahrbahn bei diesem Szenario für den MIV 4,80 breit, die Radspuren hätten jeweils eine Breite von 1,50 Meter und der Fußweg wäre 2,50 Meter breit.

Auskragendes Geländer als Option?

Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer könnte an der Engstelle ein auskragendes Geländer schaffen. Das müsste aber vom Regierungspräsidium in Karlsruhe genehmigt werden. Auch die Anlieger müssten der Option zustimmen. Die Außenkante der Brücke würde dann bis auf zwei Meter an die Nachbarbauwerke heranreichen.

Zwölf Stadträte stimmten im AKUM für die zweite Variante, ein Stadtrat votierte dagegen. Da die rechtliche Situation aber weiter fraglich ist, wird die andere Variante weiter verfolgt. Sollten die Anrainer sich doch noch zu Grundstücksverkäufen bereit erklären, wären ohnehin zusätzliche Optionen möglich. Genug Zeit ist ja noch bis 2028. (rmx)

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