„Symptome einer klinischen Depression“

Im Zoo Heidelberg: Affe Epulu von Partnerin getrennt – jetzt hagelt es heftige Kritik

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Epulu und seine neue Freundin Susi im Zoo Heidelberg.

Heidelberg - Seit rund zwei Monaten lebt Schimpansen-Senior Epulu im Zoo Heidelberg – doch nun gibt es schwere Vorwürfe, denn dem Affen soll es dort gar nicht gut gehen: 

  • Seit dem 30. September 2019 lebt Schimpanse Epulu (51) im Zoo Heidelberg.
  • Initiative „Greate Ape Project“ kritisiert Umzug und aktuelle Haltung des Affen.
  • Zoo Heidelberg nimmt Stellung.

Wer Giraffen, Löwen oder Affen sehen will, der braucht keine Weltreise zu machen, sondern muss einfach nur einen Zoo besuchen. Doch was für die einen ein schönes Ausflugsziel für die ganze Familie ist, ist in den Augen anderer ein Ort der Gefangenschaft und des Leids. Zoos geraten immer wieder ins Visier von Tierschützern. Oftmals wird den Parks vorgeworfen, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten werden und Verhaltensstörungen aufzeigen. Die bekannte Tierschutzorganisation PETA spricht sogar von einer „Artenschutz-Lüge“, die so mancher Zoo auftischen würde. 

Ein Tierpark, der das aber wohl ganz anders sieht und seit Jahren besondere Artenschutzprojekte betreibt, ist der Zoo Heidelberg – doch nun gerät auch er heftig in Kritik

Zoo Heidelberg: Tierschützer besorgt um Schimpansen-Zuwachs

Ende September zog der 51 Jahre alte Schimpanse Epulu vom Wuppertaler Zoo nach Heidelberg. Jahrelang lebte er dort mit seiner 13 Jahre jüngeren Partnerin Kitoto zusammen. Damit die beiden aber ein schöneres Zuhause bekommen, wurde gemeinsam mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) entschieden, die beiden zu trennen und in jeweils andere Zoos zu bringen. „Beide Tiere werden in größeren Anlagen als in Wuppertal untergebracht sein und auch dauerhaften Zugang zu Außenanlagen haben. Dies konnte im Grünen Zoo nicht gewährleistet werden“, heißt es in einer Mitteilung vom Zoo Wuppertal.

Während Kitoto nach Antwerpen kam, zog Schimpansen-Senior Epulu nach Heidelberg. Er wurde nach und nach mit den vier bereits dort lebenden Weibchen Conny, Lulu, Heidi und Susi zusammengeführt. Die Mädels sind ebenfalls in Epulus Altersklasse und zwischen 45 und 48 Jahre alt. Doch während der Zoo Heidelberg den Eindruck vermittelt, dass die Integration erfolgreich vonstattengeht, sehen das Tierschützer beziehungsweise Verfechter des „Great Ape Project“ (GAP) ganz anders – und üben scharfe Kritik.

Zoo Heidelberg: Heftige Kritik an Haltung von Schimpansen-Opa Epulu

Die 1993 gegründete Initiative „Great Ape Project“ fordert für Menschenaffen – also Schimpansen, Gorillas und Organ-Utans – bestimmte Grundrechte, die derzeit nur den Menschen vorbehalten sind. Dazu gehören beispielsweise das Recht auf Leben und der Schutz der individuellen Freiheit.

Seit Ende Oktober hat ein GAP-Team den Zoo Heidelberg dreimal aufgesucht, um für ein paar Stunden nach den Schimpansen zu sehen. Dabei soll es beobachtet haben, wie Epulu alleine in den Gehegen herumgesessen und sogar „unübersehbare Symptome einer klinischen Depression“ gezeigt habe. „Er macht insgesamt einen ausgesprochen lethargischen Eindruck“, schreibt uns der Psychologe Dr. Colin Goldner, der seit acht Jahren beim „Great Ape Project“ mitmacht. Dem Zoo Wuppertal wird zudem vorgeworfen, dass Epulu und seine Partnerin Kitoto „gewaltsam“ getrennt worden sein sollen. Die Berichte über die GAP-Besuche bei Epulu und damit die Kritik gegen die Zoos sind auf Facebook hunderte Male geteilt worden. Unter den Posts sind Kommentare wie „Warum macht man so etwas? Sorgt dafür, dass die beiden wieder zusammen kommen. Ich gehe schon lange nicht mehr in einen Zoo oder Zirkus. Die Tiere dort tun mir einfach Leid“ und „Was für ein unmenschliches Verhalten. Man reißt doch auch kein glückliches Ehepaar auseinander. Manche Tiere leiden furchtbar unter Trennungen“ zu lesen.

Doch ist die Kritik um die Trennung und dem neuen Zuhause von Epulu berechtigt? Der Zoo Heidelberg bezieht ganz klar Stellung und begründet die Entscheidungen. 

Heidelberg: Schimpanse Epulu depressiv? Zoo weist schwere Vorwürfe zurück

Am Dienstag (26. November) wehrt sich der Zoo Heidelberg auf Nachfrage gegen die schweren Vorwürfe und beschreibt, wie es Epulu wirklich gehen soll. „Epulu geht es in Heidelberg gut. Er zeigt sich aufmerksam und nimmt gerne Kontakt mit Tierpflegern und Besuchern auf. Er nimmt die unterschiedlichen Beschäftigungsangebote gerne an, ist neugierig und aktiv, wenn es darum geht, die verschiedenen Objekte zu erkunden“, so eine Pressesprecherin vom Zoo Heidelberg

Auch die Kritik, dass der Affe alleine sei, stimme nicht: „Seit über drei Wochen ist er konstant, also 24 Stunden am Tag, mit Schimpansin Susi zusammen. Immer wieder teilen sie sich auch zu dritt mit einer der anderen Schimpansinnen, Lulu oder Heidi, einen Teil des Geheges. Mit dem vierten Schimpansen-Weibchen Conny besteht der Kontakt über ein Kontaktgitter, da diese Schimpansin anfangs sehr ängstlich und aufgeregt auf Epulu reagierte. Inzwischen beobachten die Tierpfleger, dass sich die Aufregung bei der Schimpansin Conny legt, sodass in der nächsten Zeit auch sie direkt mit Epulu zusammengeführt werden soll.

Heidelberg: Zoo nimmt Stellung zu schweren Vorwürfen um Schimpansen-Trennung

Auch die Trennung zwischen Kitoto und Epulu sei für die Affen nicht so schlimm, wie vielleicht viele annehmen. Schimpansen würden nicht in Einehe, sondern in Gruppen mit wechselnden Mitgliedern leben, erklärt die Zoo-Sprecherin weiter. „Die Beziehungen zwischen den jeweiligen Tieren untereinander sind dabei sehr individuell. Das Zusammenleben mit mehreren ganz unterschiedlichen Schimpansen ist eine Bereicherung für das Sozialleben der Individuen. Insbesondere das Verhältnis zwischen Epulu und Susi ist schon jetzt sehr eng und es sind zahlreiche positive Interaktionen zu beobachten“, heißt es in der Stellungnahme. 

Susi, Epulu und Lulu im Innengehege des Zoo Heidelbergs.

Warum Kitoto nicht einfach mit nach Heidelberg ziehen konnte, wird ebenfalls erklärt: „Für Kitoto, die deutlich jünger als Epulu ist, wurde vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) eine größere Gruppe mit unterschiedlich alten Männchen und Weibchen in Antwerpen ausgewählt, in die sie aktuell integriert wird und hoffentlich noch lange leben kann. Epulu ist mit 51 Jahren bereits in einem sehr fortgeschrittenen Alter, ähnlich der vier Weibchen, die in Heidelberg leben. Durch die Zusammenführung in die beiden verschiedenen Gruppen wurde für beide Tiere im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms eine möglichst passende Gruppe für die Integration ausgewählt, außerdem wurde so vermieden, dass irgendwann ein Tier alleine gehalten werden muss. Schimpansin Kitoto und Epulu haben sich in Wuppertal gut vertragen, ihr Verhältnis war aber nicht so eng, dass ihnen der Umzug in verschiedene neue Haltungen Probleme bereitet.“

Die heftige Kritik vom „Great Ape Project“ scheint also unbegründet zu sein, zumindest kann der Zoo Heidelberg einige Vorwürfe dementieren. Ob die Tierschützer sich davon aber beeindrucken lassen und aufgeben, ist jedoch stark anzuzweifeln, denn auch wenn alle Beteiligten eigentlich das gleiche Ziel verfolgen, bringt sie genau das weit auseinander: Epulu und seinen Weibchen sollen einen schönen Ruhestand genießen dürfen.

In Kritik gerät auch ein Tierversuchslabor in Hamburg. Dort werden Hunde, Katzen und Affen für Tests grausam misshandelt, wie nun veröffentlichtes Videomaterial zeigt.

jol

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