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Ärger um geplante Fuchstötung: Zoo Heidelberg sagt Jagd ab

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Von: Josefine Lenz

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Heidelberg - Weil im Zoo immer mehr Füchse auf Beutezug gehen, beschließt der Tierpark eine drastische Maßnahme: Die Tiere sollen getötet werden. Nun wird die Jagd kurzfristig abgesagt:

Rund 2.000 Tiere von über 150 Arten leben im Heidelberger Zoo. Ob Elefant, Gorilla oder Erdmännchen – sie alle finden dort ein Zuhause. Seit August lebt sogar der gefährlichste Vogel der Welt im Zoo. Doch nun gibt es eine Spezies, die dem Tierpark starke Bauchschmerzen bereitet – und die lebt nicht einmal in einem Gehege. Im Zoo Heidelberg geht nämlich der Fuchs um!

Zoo Heidelberg hat seit Jahren Füchse als Nachbarn – doch Population steigt an

Seit vielen Jahren leben Füchse in Nachbarschaft mit den Zootieren. „Dabei hat der Zoo die Erfahrung gemacht, dass es große individuelle Unterschiede im Verhalten der Füchse gibt: Manche Füchse haben eine wesentlich größere Tendenz, Zootiere zu erbeuten als andere“, heißt es am Dienstag (19. Oktober) in einer Pressemitteilung des Tierparks. Derzeit lebe ein älteres Fuchspaar in der Nähe, welches kaum Jagd auf die Zoobewohner macht. Gibt es Nachwuchs im Fuchsbau, verschwindet dieser nach ein paar Wochen und sucht sich ein neues Zuhause. Wollen es sich fremde Füchse im Zoo bequem machen, schreitet normalerweise das alte Fuchspaar ein und verscheucht sie – normalerweise.

Laut Zoo Heidelberg gibt es aktuell das Problem, dass es viele Jungtiere gibt, die den Park nicht verlassen und auch nicht von den „Alteingesessenen“ verjagt werden. „Dadurch musste der Zoo Verluste an Zootieren erleiden“, schreibt der Tierpark. Unter anderem sind Wachteln und Vögel den Füchsen zum Opfer gefallen.

Fuchsproblem im Zoo Heidelberg: Tiere finden immer einen Weg ins Gehege

Der Zoo weist darauf hin, dass Füchse im Tierpark nicht versorgt werden und wild leben. Aktuell befürchte man, dass die Population noch weiter ansteige. Zwar versucht der Zoo Heidelberg mittels Strombarrieren, Verstärkungen der Gehege oder Unterbindung neuer Fuchsbauten eine Art „Fuchssicherheit“ zu bieten, aber dies gelinge nur bedingt.

„Moderne Tierhaltung gibt den Zootieren so oft wie möglich die Wahl, ob sie sich in den Innen - oder Außengehegen aufhalten wollen. Das bedeutet, dass bei größeren Tieren alle Gehegeteile für Füchse zugänglich sind. Die Alternative, alle Tiere nachts in die Ställe einzusperren und ihnen keinen Freigang in die Außenanlagen zu gewähren, würde für den Tierschutz der Zootiere einen erheblichen Rückschritt bedeuten“, heißt es in der Mitteilung des Zoos.

Die Füchse würden außerdem die Scheu vor Menschen immer mehr verlieren, weshalb sie auch tagsüber auf die Jagd gingen. Man finde zudem häufiger Fuchskot im Zoo, der Krankheiten auf Menschen übertragen könne.

Jungfüchse sollen im Zoo Heidelberg womöglich erschossen werden
Jungfüchse sollen im Zoo Heidelberg womöglich erschossen werden © Patrick Pleul/dpa

„Gefahr für unsere Tiere und die Menschen“: Zoo Heidelberg plant Fuchstötung

Doch wie umgehen mit dieser Situation? Der Zoo hat bereits seit Monaten Lebendfallen aufgestellt, aber bislang erfolglos. Was also wenn die freundliche Methode nicht klappt? Der Tierpark Heidelberg will zur Waffe greifen. „Da alle Versuche, der Tiere mit milderen Methoden habhaft zu werden, keinen Erfolg hatten, hat sich der Zoo nach sorgfältiger Abwägung und Überlegung aufgrund der hohen Zahl der Füchse im Zoo und der damit verbundenen Gefahr für unsere Tiere und die Menschen für die Bejagung entschlossen“, so der Zoo Heidelberg.

Man wolle gezielt die Jungfüchse auslöschen, das alte Paar dürfe bleiben. „Für die Bejagung wurden im Vorfeld alle notwendigen, rechtlichen und gesetzlichen Bestimmungen eingeholt, sodass eine fachkundige Jagd gewährleistet ist.“

PETA kritisiert Vorhaben massiv: Fuchsjagd im Zoo Heidelberg abgesagt

Trotz aller bereits getroffenen Maßnahmen hält der Zoo Heidelberg die Finger still und drückt noch nicht den Abzug. Man wolle nochmals alle Optionen prüfen, heißt es am Mittwoch. Eigentlich sollte die Jagd am 20. und 25. Oktober stattfinden. Woher der Sinneswandel des Zoos kommt, ist unklar. Am Dienstag (18. Oktober) reagiert jedoch die Tierrechtsorganisation PETA auf die geplante Fuchstötung im Zoo Heidelberg – und verurteilt diese scharf.

„Nach Ansicht der Tierrechtsorganisation richtet sich die Entscheidung darüber, wer im Zoo Heidelberg leben darf, offenbar nach dem Nutzen der Tierart für die Zurschaustellung“, schreibt PETA. Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche, meint: „Heimische freilebende Füchse zu töten und sich gleichzeitig als Artenschützer aufzuspielen, ist völlig absurd. Offenbar muss jedes Tier im Zoo, das sich nicht für die Zurschaustellung eignet, um sein Leben fürchten. Wildtieren muss ihr natürlicher Lebensraum zugestanden werden, denn sie haben ein Recht auf Leben, genau wie Menschen.“

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „So versucht der Heidelberger Zoo, die Tötung von Wildtieren zu rechtfertigen, da sie für die Zoodirektion keinen Wert haben und als „Schädlinge“ betrachtet werden.“ Im gleichen Atemzug kritisiert PETA außerdem die grundsätzliche Haltung von exotischen Tieren im Zoo.

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Fakt ist: Vorerst versucht der Zoo Heidelberg die Füchse auf humane Art vom Tierpark zu vertreiben. Dennoch bleibt der Schutz der Zoobewohner für sie an erster Stelle. Die Jagdwaffen sind also erstmal zur Seite gelegt worden, aber noch beladen und schussbereit. (jol)

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