Präsenzkurse verboten

Corona: Online-Kurse statt Studio – wie eine Pilates-Trainerin ihr Geschäftsmodel digitalisiert

Pilates-Trainerin Anja Auer macht das Beste aus der Krise: Sie bietet ihre Kurse nun online an.
+
Pilates-Trainerin Anja Auer macht das Beste aus der Krise: Sie bietet ihre Kurse nun online an.

Pilates-Trainerin Anja Auer setzt auf Online-Kurse, seit ihr wegen der Corona-Pandemie Präsenzstunden untersagt wurden. Hier verrät die Unternehmerin ihre größten Hürden.

Corona stellt uns alle vor große Herausforderungen. Im privaten als auch beruflichen Leben. Zweiteres gilt besonders für Selbstständige*, die aufgrund der Maßnahmen ihre Geschäfte schließen mussten. Besonders betroffen sind Einzelhändler, Friseure, die Gastronomie oder auch Fitnessstudios. Zwar betreibt die 38-jährige Pilates-Trainerin Anja Auer kein großes Fitnessstudio, doch auch ihr wurde untersagt, Präsenzkurse in ihrem Speicher-Atelier zu geben.

Was also tun, wenn alle Einnahmen plötzlich wegbrechen? Die Antwort in ihrem Fall: versuchen auf betreute Online-Kurse umzustellen. Und wie sich im Interview mit der im oberbayerischen Moosburg lebenden Trainerin zeigt, klappt das auch nach und nach …

Frau Auer, seit wann geben Sie Ihre Pilates-Kurse schon online?

Anja Auer: Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 habe ich damit begonnen, meinen Präsenz-Kundinnen Online-Pilates anzubieten. Anschließend waren dann kurzzeitig wieder Präsenzkurse erlaubt, bis es wieder zum Lockdown kam. Da reichte es mir aber. Und ich dachte mir: Warum nur meinen aktuellen Präsenz-Kundinnen einen Online-Pilates-Kurs anbieten? Da kann doch jeder aus Deutschland mitmachen. Und sogar aus Österreich und der Schweiz.

Und wie nimmt man an einem Kurs teil?

Anja Auer: Das ist sehr simpel. Man erwirbt eine 10er-Karte und sucht sich auf meiner Webseite einen der rund 15 wöchentlichen Kurse aus, der einem zeitlich zusagt. Und ist somit zehnmal zu diesem Termin gebucht.

Lesen Sie auch: Geständnis aus dem Homeoffice – Netz feiert Mutter für ehrliche E-Mail: „Stecken in Lebenskrise“.

Die Teilnehmer loggen sich mit einem Link in den Kurs ein. Viele kennen sich aber mit Video-Software nicht aus...

Anja Auer: Richtig. Jedoch telefoniere ich vor dem ersten Kurs mit jedem Teilnehmer, um sicherzustellen, dass mit der Teilnahme auch alles klappt. Sprich: Dass sich der Teilnehmer einloggen kann, dass Mikrofon und Kamera funktionieren. Ich nehme da wirklich jeden einzeln an die Hand. Das ist ein großer Aufwand, aber der Service steht bei mir klar an erster Stelle.

Pilates-Trainerin Anja Auer trainiert zusammen mit ihren Kunden über das Internet.

Warum betreutes Online-Pilates und dafür zahlen? Es gibt doch viele kostenlose Angebote, wie etwa YouTube-Videos?

Anja Auer: Absolut richtig. Und die Damen und Herren, die diese Videos einstellen, sind auch bestimmt alle Profis. Ich würde es aber nicht machen. Aus einem Grund: In meinen Pilates-Online-Kursen mache ich vor dem Computer die Übungen vor und überwache auch die Ausführungen, weil ich sehe ja über meinen Bildschirm alle Teilnehmer. Und diese natürlich auch mich. So kann ich, wenn es notwendig ist, korrigierend eingreifen. Das ist aus meiner Sicht wichtig, denn wenn Übungen über längeren Zeitraum nicht korrekt ausgeführt werden, dann kann es zu Schädigungen kommen.

Wie viele Ihrer Präsenz-Kundinnen akzeptieren denn das Online-Angebot?

Anja Auer: Ich würde sagen, so um die 95 Prozent. Was ich schon als eine echt gute Quote empfinde. Und es sind auch schon Neu-Kundinnen aus Berlin und Köln dazugekommen.

Auch interessant: Corona: Bekomme ich eine Krankschreibung, wenn ich in Quarantäne muss?

Was war die größte Herausforderung bei der Umstellung auf den Online-Service?

Anja Auer: Von der technischen Sicht der Dinge: Im Frühjahrs-Lockdown vergangenen Jahres habe ich die Kurse noch mit meinem Laptop gegeben. Miese Kamera, schlechtes Licht und kleiner Bildschirm. Vor drei Monaten habe ich dann umgerüstet und investiert: eine Internetverbindung per Kabel durchs Haus auf den Speicher gezogen und einen großen Monitor besorgt, damit ich auch zwölf Teilnehmerinnen richtig gut beobachten kann. Dazu noch einen flotten Computer, eine Top-Kamera, eine Beleuchtungsanlage und einen Schreibtisch.

Sie sprechen von technischen Herausforderungen, auf welche anderen sind sie gestoßen?

Anja Auer: Im Rahmen der Bestandskunden auf keine, aber es ist schon schwer, neue Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland zu akquirieren. Pilates ist ein People Business. Das heißt: kenne ich den Service, den eine Trainerin anbietet, entweder persönlich oder erfahre ich davon über eine Person, der ich vertraue, ist das Eis gebrochen. Ist dies nicht der Fall, ist es schwer Anfragen zu erhalten. Wir, also mein Verlobter unterstützt mich bei PR und Marketing, versuchen deshalb derzeit auch mit Bildungseinrichtungen wie der VHS zu kooperieren. Gerade haben wir mit der ersten VHS einen Kooperationsvertrag geschlossen.

Sehen Sie im Video: Über diesen Fitness-Opa wundert sich das Netz

Viele Menschen wollen vielleicht auch nicht unbedingt online trainieren …

Anja Auer: Da gebe ich Ihnen Recht. Zumindest dann, wenn sie es noch nicht ausprobiert haben. Witzigerweise gibt es aber gerade bei meinen Teilnehmerinnen eine Handvoll, die früher einmal in der Woche in den Präsenzkurs kamen, jetzt aber zweimal online dabei sind.

Gibt es aus Ihrer Sicht Vorteile, die Online-Kurse mitbringen?

Anja Auer: Na ja, im Winter muss man zum Beispiel kein Eis vom Auto kratzen und auf vielleicht nicht geräumten Straßen zum Training kommen. Man spart sich zudem die Anfahrtszeit und Geld für Benzin oder die öffentlichen Verkehrsmittel. Oder die Kinderbetreuung: Ich spreche hier nicht von Babys, neben diesen kann man schwerlich trainieren. Aber ab einem gewissen Alter können zwar Kinder schon allein im Nebenzimmer spielen, es muss jedoch eine Aufsichtsperson im Haus oder der Wohnung sein. Und wenn man im Wohnzimmer Online-Pilates macht und die Kinder im Kinderzimmer spielen, spart man sich den Babysitter.

Lesen Sie auch: Krankmeldung: Was passiert, wenn man die AU nicht bei der Krankenkasse abgibt?

Welche Vorkenntnisse sind notwendig?

Anja Auer: Überhaupt keine, denn ich biete Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Auch müssen keine teuren Trainingsgeräte angeschafft werden. Eine Matte und bequeme Sportkleidung. Das war’s und es kann losgehen.

Wie geht es nach Corona weiter?

Anja Auer: Das wird sich zeigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Präsenzkurse so schnell wieder genehmigt werden. Da sind erst andere Gruppen an der Reihe. Und wenn es soweit ist: der Kunde ist König. Ich werde mich danach richten, was die Teilnehmerinnen wollen. Vielleicht ist eine Hybrid-Lösung auch denkbar: Präsenzkurse als auch betreutes Online-Pilates. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Informationen zu den betreuten Online Pilates Kursen von Anja Auer finden sie auf www.anjaauer.de

Lesen Sie auch: Jobwechsel während Corona: Welche Chancen haben Bewerber 2021?

Wollen Sie über aktuelle Karriere-News auf dem Laufenden bleiben? Dann folgen Sie unserer Branchenseite auf dem Karriereportal Xing.

Gehalt: Die zehn bestbezahlten Berufe für Angestellte

Welcher Angestellte verdient am meisten? Das Portal Gehalt.de hat den Verdienst von rund 200.000 Angestellten ohne Personalverantwortung verglichen und anhand der Median-Werte die zehn bestbezahlten Berufe ermittelt.
Platz 10: Vertriebsingenieure mit einem Bruttogehalt von 68.058 Euro pro Jahr.
Platz 9: Justiziare sichern sich knapp einen Platz darüber - ihr Jahresgehalt beträgt 68.959 Euro.
Platz 8: Regionalverkaufsleiter punkten mit einem ordentlichen Gehalt von 70.838 Euro pro Jahr.
Gehalt: Die zehn bestbezahlten Berufe für Angestellte

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare