Rocken muss Spaß machen

Diese (nicht ganz ernstgemeinten) Dinge braucht jede Band

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Für die meisten Menschen ist ihre Band Hobby. Ein spaßiger Zeitvertreib ohne jegliche Chart-Ambitionen. Doch für maximalen Spaß braucht man mehr als nur bierernstes Talent.

Viele, die noch nie in einem Proberaum waren, glauben, darin ginge es zu wie in einem Tonstudio: Alle sind super-motiviert und -diszipliniert. Es geht einzig und alleine um die Songs, sie alle mit absoluter Perfektion zu beherrschen und natürlich irgendwann einen lukrativen Plattenvertrag zu ergattern und die Charts zu stürmen. Zugegeben, bei einigen Bands ist das tatsächlich der Fall. Bei einer Dunkelziffer-Majorität steht jedoch der Spaß über allem anderen. Der und die bei solchen „Kumpel-Bands“ unzweifelhaft vorhandenen Realitäten führen zu einigen Dingen, die man einfach haben muss – oft genug nur des Augenzwinkerns wegen, aber nichtsdestotrotz.

1. T-Shirts 

Das einzige Nicht-Bandmitglied, das diese jemals in Action erlebte, war die neue Flamme des Schlagzeugers? Nicht mal ein auf absolute Underground-Musik fokussierter Hipster-Blogger hat smal den Bandnamen fallen gelassen, obwohl man zu jedem Song ein Handyvideo auf YouTube hochgeladen hat? Vollkommen egal. Eine Band braucht eigene T-Shirts. Und mindestens ein Bandmitglied, das sich mit Bildverarbeitung auskennt.

Denn jede gute Band in der Geschichte des Rock hatte zumindest ihren Schriftzug auf T-Shirts stehen – und falls es ein solches gibt, natürlich das Logo. Und was für die Rolling Stones und ihr legendäres Zungen-Logo gut genug war, sollte doch auch für die Ü40-Kumpelband aus der Bassisten-Garage Pflicht sein, oder? Allerdings: Bis man wie Metallica eigenen Whiskey brennen kann, sollte man tatsächlich ein paar Musikpreise eingeheimst haben. 

2. Werkzeug & Ersatzteile

Dieser Punkt ist gar nicht einmal so augenzwinkernd. Denn tatsächlich gibt es etwas, das jährlich abertausende Probe-Stunden schlichtweg verplempter: Instrumente, deren Zubehör und die davon ausgehende dramatische Tendenz, genau dann kaputtzugehen, wenn man gerade so richtig schön dabei ist.

Absolute Grundausstattung: Eine Rolle Faserklebeband der Marke „Klebt notfalls renitente Bandmitglieder an der Wand fest“. Damit lässt sich vom abgeknickten Schlagzeuger-Hocker bis zum im Eifer des Rock ´n´ Roll zerdepperten Mikrofonständer alles wieder einsatzbereit machen. Ferner gehört dazu:

  • So viele Plektren, wie ein leeres Einmachglas fasst (alternativ eine Stanzmaschine, mit der man Picks aus Kunststoffmaterial – Kreditkarten haben Bass-Plektrum-Dicke – ausstanzen kann) 
  • Je eine Kombi- und eine Spitzzange – irgendwas hakt beim Saitenwechsel immer. 
  • Lüsterklemmen, falls ein Verstärkerkabel sich als Stolperfalle entpuppt. 
  • Mindestens ein Satz Ersatzsaiten für jedes in der Band vorhandene Saiteninstrument – und bitte in der richtigen Stärke.

Ganz wichtig: All diese Sachen sollten immer im Proberaum bleiben denn frei nach Murphys Gesetz werden sie andernfalls genau dann gebraucht, wenn man sie zuhause hat liegenlassen.

3. Effekte, Effekte, Effekte 

Was ein aufstrebender Rockgitarrist ist, der gibt sich natürlich längst nicht mit dem Klangspektrum zufrieden, welches ihm die Verstellrädchen seines Verstärkers offeriert. Eine „Tretmine“, die die Verzerrung per Fußtritt noch um einige Grade höherschraubt, ist deshalb auch dann fast schon Pflicht, wenn man eigentlich nur Balladen spielt. 

Doch auch hier hat der Spaß durchaus eine sinnvolle Seite: Denn es gibt eine Menge Effektmöglichkeiten, die nicht nur dem Rock huldigen, sondern einem Instrument und darüber einer ganzen Band auch einen sehr eigenständigen Klang liefern können, der es sogar reinen Coverbands ermöglicht, die intonierten Werke neu zu interpretieren. 

Doch Achtung: Mit beiden Händen das Instrument zu spielen und noch per Fuß ein oder mehrere Effektpedale zu bedienen, ist eine Kunst für sich, die man beherrschen sollte, bevor man damit seine Bandkollegen „beglückt“. 

4. (Gut gefüllter) Kühlschrank 

Es soll in so manchen Probekellern schon die Behauptung aufgestellt worden sein, dass ein gut gefüllter Kühlschrank für eine Band wichtiger sei als ein Bassist – ob man sich dieser Meinung nun anschließt oder nicht, Fakt ist, dass kein Proberaum ohne Kühlschrank komplett ist, denn Proben kann in Sachen Schweißverlust das Fitnessstudio ersetzen. Wer clever ist, nimmt ein niedriges Gerät und stellt es auf den Boden, obendrauf lassen sich Verstärker ebenso hervorragend stapeln wie Text- und Notenblätter und diverse Musikmagazine. Zusammen mit dazwischengeworfenen Kronkorken ergibt das nicht nur einen abstrakten „Turmbau zu Proberaum“, sondern ein fast klassisches „Rock-Denkmal“. 

Doch Vorsicht: Obendrauf sollte auch eine Spardose stehen, in die für jedes Getränk eingezahlt wird, sonst gibt es erfahrungsgemäß rasch Meinungsverschiedenheiten á la „Ich kauf immer Bier und Ihr sauft alles leer“. 

5. Gitarren- und Bassständer 

Selbst die günstigste Nachbau-Gitarre steckt es gar nicht gut weg, wenn sie unsanften Kontakt mit dem Proberaum-Boden macht. Doch leider ist es eben in Pausen allzu verlockend, sein Instrument abzunehmen und es einfach anzulehnen. Dann braucht es nur noch eine kleine Berührung, es macht unschön „KLONK“ und die Probe endet in Geschrei und einer Fahrt zum nächsten Musikhaus. 

Und es gibt wirklich keine Ausrede, sowohl an der festen Proberaum-Position jedes Bandmitglieds wie an zentraler Stelle (dicht bei Kühlschrank und Couch etwa) eine ausreichende Zahl an Instrumentenständern aufzustellen. Sparsame schlagen dazu einfach mehrere parallele Dachdeckernägel in die Wand, an denen man das Kopfteil aufhängt, Selbermacher basteln einfach Ständer aus Sperrholz und Gehaltsempfänger kaufen fertige Stücke. Was man davon präferiert, ist egal. Hauptsache, kein Instrument wird einfach so irgendwo gegengelehnt.

6. Rauch auf dem Wasser

Der sich ins Deutsche übersetzt gar nicht mehr so rockig anhörende Titel des wohl klassischsten Classic-Rock-Songs aller Zeiten soll in diesem Punkt stellvertretend für etwas stehen, das jede Band benötigt, selbst wenn sie mit klassischem Rock nichts am Hut hat: Ein Potpourri aus diversen Klassikern. Wichtigste Merkmale: Die Songs müssen einfach zu spielen sein, sie müssen rocken und dazu taugen, Aggressionen herauszulassen.

Auch das hat Methode: In jeder Bandprobe kommt irgendwann der Punkt, an dem keiner mehr Lust hat, einen bis zum Erbrechen geprobten Song nochmals zu spielen. Und manchmal gibt es auch Tage, an denen klappt es einfach nicht. Und je mehr man sich dann verzettelt, desto größer wird der Frustfaktor. Glück, wer dann nicht nur einen Schlagzeuger hat, der einfach nur lauthals „EIN ZWEI DREI“ anzählt, sondern eben auch einen Song, von dem alle wissen, dass sie ihn spielen können, dass er nicht zu komplex ist und dass er richtig Spaß macht. Das funktioniert fast wie ein reinigendes Gewitter.

7. Ein Bottleneck 

Immer! Absolut immer wird ein Gitarrist in einer Kreativpause auf die Idee kommen, statt seiner linken Hand eine leere Bierflasche auf die Seiten des Gitarrenhalses zu legen – denn schließlich weiß man ja, das gibt einen tollen Southern-Rock-Sound und klirrt so schön. 

Ja, aber es lässt sich auch nur so gut spielen, „als würde man eine leere Bierflasche auf den Gitarrenhals drücken“. Wenn sowieso ein Musikgeschäftsbesuch ansteht, sollte deshalb ein echtes Bottleneck – ein Glasröhrchen, welches man sich über einen Greifhand-Finger stülpt – im Einkaufswagen landen. Die kosten einstellige Eurobeträge und taugen viel eher dafür, ernsthaft die arkanen Geheimnisse der Slide Guitar zu erlernen. 

8. Ein Tier 

Bei Motörhead war es Lemmy, bei The Who Pete Townshend, dazu Henry Rollins, Iggy Pop, Ted Nugent und zahllose andere. Die Rede ist von Charakteren, die man am besten als Rampensau bezeichnet. Diejenigen, die in Sachen „Abgehen“ weit oberhalb der restlichen Band angesiedelt sind. Das kann, muss aber nicht der Sänger sein; jedes Mitglied taugt prinzipiell zur Rampensau. 

Wichtig ist nur: In jeder Band sollte einer das Zeug dafür haben und auch nicht damit hinter dem Berg halten. Denn falls doch irgendwann mal ein Konzert ansteht, sind es nicht kleine Spielfehler, die im Gedächtnis bleiben, sondern „Krass, ey, wie der Gitarrist abgegangen ist“. 

Fazit

Wo Musik nur zum Spaß gemacht wird, sollte man es auch nicht mit dem Ernst übertreiben. Gute Laune im Proberaum ist das Wichtigste. Der Rest kommt sowieso dann von selbst.

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