Fünf Lehren

Was Geschäftstreibende vom Fußball lernen können

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Nüchtern betrachtet ist Profifußball ein Unternehmen wie jedes andere. Und was derartige Umsätze erwirtschaftet, taugt natürlich als geschäftliches Vorbild.

Selbst schärfste Kritik kann ein Lob sein, wenn man die Perspektive wechselt. Dass dem professionellen Fußball Kommerzialisierung vorgeworfen wird, dürften die meisten Leser mitbekommen haben. Allerdings muss man dabei betrachten, aus welcher Richtung diese Kritik kommt. Wertneutral vor allem von den Fans. Wechselt man jedoch auf erwähnte Weise die Perspektive und wirft einen Blick auf die handfesten aktuellen Umsatzzahlen, sieht es folgendermaßen aus: Profifußball ist eine höchst erfolgreiche Industrie mit begehrtem, hochemotionalem Produkt, zigtausenden Beschäftigten – und sie bekommt sogar Geld dafür, dass sie sich im TV präsentiert.

Klar ist: Unternehmerisch wurde und wird hier enorm viel richtig gemacht. Das hat Vorbildcharakter. Der folgende Artikel zeigt deshalb, welche Lehren Unternehmer aus der Umsatzmaschine Fußball mitnehmen können.

1. Um Neukunden zu gewinnen, dürfen Investitionen nicht gescheut werden

Was machen Fußballfans, wenn sie auf Spiele tippen möchten? Exakt, sie wenden sich an einen der zahlreichen Wettanbieter. Aber dann? Wie wählen sie einen aus, bei dem sie tippen möchten? Sie vergleichen vor allem Informationen über den besten Willkommensbonus bei Sportwetten. Kein lapidares Klicken. Im Gegenteil, denn Wettanbieter offerieren Neukunden üppigste Boni zwischen Geldern und Freiwetten. Natürlich, das kostet die Wettbüros zunächst Geld. Aber ein damit zufriedengestellter Kunde kommt immer wieder und nur das zählt.

Auch direkt im Fußball gilt dieses Prinzip. Kinder kommen grundsätzlich ermäßigt, teilweise sogar kostenlos in die Stadien; beim TSG Hoffenheim geht es ab moderaten neun Euro los. Mit Eintrittskarten erwirbt man zudem oft Nachlässe in den Fanshops, bekommt vielleicht sogar etwas geschenkt. Und praktisch jeder Profiverein weiß, dass ein Sommercamp vielleicht nicht unbedingt den Kader von übermorgen herauskristallisiert, aber eine Heerschar von kommenden Fans produziert.

Die Quintessenz: Neukundengewinnung darf ruhig Geld kosten. Oft produziert diese Ausgabe lebenslang treueste Kunden, die wesentlich mehr Umsatz bescheren, als sie Kosten verursachen.

Fußball ist Flach-Hierarchie in Bestform: Alles entspannt, aber immer mit klaren Regeln und felsenfesten Zuständigkeiten.

2. Flache Hierarchie hin oder her, einer muss Ansagen machen

Nicht mehr bloß im Startup-Bereich gibt es nur eine Führungsstil-Richtung: flache Hierarchien, lockerer Umgang bis hinab zur höchst minimalistischen Garderobe. Ja, das kann ein enormes Erfolgsrezept sein. Wesentlich weniger fehleranfällig zumindest, als wenn zwischen Befehlsgeber und Empfänger unzählige strenge Ebenen zu absolvieren sind – das Stille-Post-Prinzip mit allen Risiken der Fehlkommunikation.

Ganz ähnlich läuft es auch im Fußball ab. Da wird sich ebenfalls geduzt, geht es zwischen Platz, Training, Kabine und Pressekonferenz oft reichlich locker zu. Mit einem entscheidenden Unterschied: Vereinsvorstand, Trainer, Führungsspieler machen Ansagen, haben felsenfeste Autoritäten.

Dieses Detail übersehen viele Unternehmer, denen Hierarchien nicht flach genug sein können. Denn zu flach heißt, dass es keine Verantwortung mehr gibt. Keine klaren Regeln, an denen sich alle orientieren können. Das kann alles auf flachen Ebenen ablaufen. Aber einer muss immer die Verantwortung übernehmen, darf sie nie aus der Hand geben.

Der Fußball-Beweis: Deutschland flog mutmaßlich auch deshalb 2018 in der WM-Vorrunde heraus, weil es an durchsetzungsstarken Führungsspielern mangelte.

3. Das schönste Zaubern nützt nichts, wenn es bei den Standards hapert

Der Architekt träumt immer nur von atemberaubenden Villen, die er entwerfen möchte. Der Onlinehändler möchte möglichst nur Produkte mit der größten Gewinnspanne verkaufen. Und noch der Besitzer der kleinsten Autowerkstatt freut sich, wenn eine Luxuskarosse auf den Hof rollt.

Es ist normal, nach Großem zu greifen. Und es ist wichtig, solche Situationen zu beherrschen. Deshalb trainiert noch jeder Torwart, wie er im Notfall den Ball per Fuß übers Feld bugsiert und vielleicht selbst ein Tor bei seinem gegnerischen Kollegen versenkt.

Aber: Im Fußball wie im Business entstehen die zuverlässigsten Erfolge aus Standardsituationen heraus. Der genannte Architekt macht das meiste Geld mit Renovierungen und normalen Einfamilienhäusern; beim Onlinehändler kaufen die Kunden Waren mit normaler Marge. Und auch beim Werkstattbesitzer machen vor allem die alltäglichen Inspektionen, Bremswechsel und Auspuffreparaturen die Quartalszahlen grün.

Standards mögen langweilig sein. Aber sie sind deshalb Standards, weil sie am häufigsten vorkommen. Sie müssen immer wieder trainiert werden. Denn mit Routine kommt oft trügerische Sicherheit. Und die ist vor dem Tor ebenso fatal wie bei einem eigentlich sattsam bekannten Verkaufsmanöver.

4. Ein gutes Team ist mehr als die Summe seiner Teile

Zur Einstimmung auf dieses Kapitel sei der vielleicht größte Moment des deutschen Fußballs wiedergegeben. Das 7:1 gegen Brasilien im WM-Halbfinale 2014.

Warum gelang damals der deutschen Elf etwas, was zuvor als praktisch unmöglich galt? War es, weil es solche Talente wie Müller, Klose, Kroos, Khedira und Schürrle in seinen Reihen hatte? Nein. Die Antwort darauf ist nach einhelliger Expertenansicht, dass die damalige Elf als Team wesentlich besser als die Summe ihrer Einzelspielerleistungen war.

Der Gegenbeweis: Den Brasilianern fehlten damals die beiden wichtigsten Talente Neymar und Silva. Und haargenau das ist es auch, was im Business funktioniert. Natürlich muss jede Position von den besten Leuten besetzt sein, die die Personalabteilung bekommen kann. Aber vor allem müssen alle als echtes Team zusammenarbeiten können. Alle müssen ein gemeinsames Ziel haben, müssen zur Zusammenarbeit angehalten werden. Nur das setzt die viel beschworenen Synergieeffekte frei.

5. Erfolge werden nur durch Lob und Jubel schön

Warum haben nicht nur Fans, sondern auch Fußballer solche Angst vor den berüchtigten Geisterspielen, dass sie sogar als Drohung und Strafe eingesetzt werden können? Es ist ganz einfach: Ein Team schießt ein Tor. Vielleicht aus einem üblen Rückstand heraus, vielleicht nach einer phänomenalen Zauberei von Mittelfeld und Sturm oder auch einfach nur aus einer Standardsituation – doch bis auf ein paar johlende Stimmen aus Richtung Trainerbank bleibt das ganze Stadion still.

Das ist deshalb eine so unangenehme Vorstellung, weil bis auf eine Zahl auf der Anzeigetafel nichts verrät, dass sich hier gerade so viel Training, so viel Schweiß buchstäblich bezahlt gemacht haben.

Doch wo im Fußball Geisterspiele eine Seltenheit sind und nicht nur Tore, sondern sämtliche Versuche von lautem Jubel und nie endenden Fangesängen begleitet werden, ist die Atmosphäre der leeren Arena in vielen Unternehmen gang und gäbe.

Da wird nicht gelobt. Egal, ob es einfach nur ein guter Arbeitstag war, ein gutes Quartal oder ob ein Mitglied der Belegschaft absolut herausragendes geleistet hat, es gibt nur die Standards:

  • Nicken
  • Schulterklopfen
  • „Gut gemacht“, womöglich gar als Mail
  • Anspornreden: „jetzt erst recht“

Vor allem Letzteres ist eine Katastrophe. Die Mitarbeiter lernen, dass jegliche Erfolge nur Auslöser für Forderungen nach noch mehr Anstrengungen sind. 

Nein, auch in Firmen sollte der Jubel auf dem Fußballplatz Blaupause sein. Wenn etwas geschafft wurde, muss getanzt werden, müssen die Arme gereckt werden, muss es Umarmungen geben. Und es muss direkt mit allen erfolgen. Nicht Tage später im stillen Kämmerlein.

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