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Studie zum Jobverlust: Die Lebenszufriedenheit geht bei den Betroffenen schnell zurück

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Von: Carina Blumenroth

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Wer seinen Job verliert, der macht Abstriche – bei dem Wocheneinkauf oder bei Ausflügen. Eine Studie zeigt, dass auch die Psyche und die Zufriedenheit leiden.

Bei einem Jobverlust rutschen viele in die Arbeitslosigkeit – einer der ersten Schritte ist in den meisten Fällen, dass sich Betroffene bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos melden. Ende Juni dieses Jahres waren in Deutschland rund 2.363.000 Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet. Das geht aus Informationen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Damit sind die Zahlen zum Vormonat deutlich angestiegen, das erklärt die Bundesagentur für Arbeit damit, dass nun alle ukrainischen Geflüchteten in den Jobcentern erfasst sind. Was aber macht der Jobverlust auf kurze Sicht mit den Menschen? Das haben Forscherinnen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersucht.

Studie: Jobverlust wirkt sich auf materielle Teilhabe und das mentale Wohlbefinden aus

Anhand verschiedener Faktoren haben sich die Forscherinnen Dr. Stefanie Gundert und Dr. Laura Pohlan mit den kurzfristigen Folgen der Arbeitslosigkeit beschäftigt. Dabei haben sie sich verschiedene Indikatoren angeschaut, darunter waren die finanziellen Ressourcen, die soziale Einbindung bzw. den Status und das mentale Wohlbefinden. Für ihre Studie haben sie die erhobenen Daten des IAB von den Jahren 2007 bis 2018 ausgewertet. Auswirkungen der Corona-Pandemie sind nicht mit in die Studie eingeflossen.

Zu sehen ist eine traurige Frau, die mit geschlossenen Augen auf dem Boden sitzt. Ihre Knie hat sie an ihren Körper gezogen, ihre Arme hat sie darauf verschränkt.
Der Jobverlust kann sich auf die psychische Gesundheit auswirken. Das geht aus einer Studie des IAB hervor. (Symbolbild) © Josep Suria/Imago

Studie: Materielle und soziale Teilhabe nach Jobverlust sinken deutlich

Wer seinen Job verliert, der steht erst am Anfang von vielen Herausforderungen. Für einige beginnt hier die Abwärtsspirale. In der Studie des IAB wird deutlich, dass bei der materiellen und sozialen Teilhabe nach dem Jobverlust innerhalb eines Jahres am meisten passiert. Die Menschen haben weniger im Haushaltseinkommen, sie müssen eher auf das Geld achten und gegebenenfalls auf Materielles verzichten. Gestrichen werden da meist als erstes Urlaube oder Besuche im Theater oder ähnlichen Einrichtungen. Ebenfalls können keine Rücklagen mehr angesammelt werden, was bedeutet, dass vor allem unerwartete Kosten ein Problem werden können. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der alte Lebensstandard stark eingeschränkt wird.

Mentale Gesundheit und Lebenszufriedenheit als Indikatoren für die Auswirkungen auf Psyche

Bei einem Jobverlust ändert sich für die betroffene Person viel auf einmal. Das schlägt auch auf die Gesundheit, wie Dr. Laura Pohlan in einem Interview mit der Redaktion des IAB-Forums erklärt: „Unsere Studie belegt tatsächlich, dass ein Arbeitsplatzverlust schon nach relativ kurzer Zeit die Teilhabe und das Wohlbefinden der Betroffenen negativ beeinflusst.“
Laut der Studie klagen Arbeitslose in der ersten Zeit über Ängste, Niedergeschlagenheit oder Reizbarkeit. Auch die allgemeine Lebenszufriedenheit der Menschen nimmt ab, sobald sie ihren Job verlieren.

Jobverlust: Je nach Bildungsniveau und Background gehen Menschen damit anders um

Die Studie des IAB hat ebenfalls herausgefunden, dass es Unterschiede gibt, wie Menschen mit der Arbeitslosigkeit umgehen. Ein entscheidender Faktor sei demnach das Bildungsniveau der Person, die arbeitslos wird. Demnach zeigt sich, dass Menschen mit höherer Bildung die negativen Aspekte des Jobverlusts besser abfedern können.  „Das liegt vermutlich daran, dass höher Qualifizierte oft über mehr finanzielle und psychosoziale Ressourcen zur Bewältigung von Krisensituationen wie dem Verlust des Arbeitsplatzes verfügen“, erklärt Dr. Laura Pohlan der Redaktion des IAB-Forums. Auch seien die Chancen höher, schnell wieder einen anderen Job zu finden.

Jobverlust: Wie können die negativen Folgen abgefedert werden?

Einen Arbeitsplatz zu finden, ist oft ein Problem, gerade wenn man aus der Arbeitslosigkeit heraus möchte. Die psychische Gesundheit leidet und dadurch kann sich auch die Chance verringern, schnell wieder einen Job zu finden. Die Forscherinnen wissen, dass vor allem Langzeitarbeitslose gefährdet sind, immer weiter in eine Spirale zu fallen. Gefährliche Punkte sind da die geringe soziale Teilhabe und das Gefühl der Ausgrenzung. „Die Betroffenen können schlimmstenfalls in einen Teufelskreis geraten, in dem sich fehlende Arbeitsmarktperspektiven und gesellschaftliche Isolation wechselseitig verstärken“, sagt Dr. Stefanie Gundert dem IAB-Forum. Um dem entgegenzuwirken sollten Arbeitslose dabei unterstützt werden, wieder einen Job zu finden.

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Ein Job allein ist kein Garant für gute Perspektiven

Allein ein neuer Job sei allerdings kein Garant für das Wohlbefinden oder bessere materielle und soziale Teilhabe. Es komme vor allem auch auf die Qualität der Arbeit an. Dazu gehören unter anderem die Entlohnung und die Beschäftigungsperspektiven. Das geht aus Informationen der Forscherinnen des IAB hervor. Für die Studie wurden Daten aus den Jahren 2007 bis 2018 ausgewertet, das bedeutet, dass die Corona-Pandemie in der Auswertung nicht berücksichtigt wurde. (cbl)

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