Firma mit ganz viel Herz

Kollegen schenken Vater 1000 Überstunden - der Grund ist tragisch

Weil ein Vater jede freie Minute bei seinem Sohn sein muss, wollen ihn seine Kollegen unterstützen. Was ihm jetzt hilft: ganz viel Zeit für die Familie.

Solche Kollegen wünscht sich jeder: Als Jens Rösener (43) ein schwerer Schicksalsschlag trifft, stehen ihm seine Kollegen der Berliner Firma MTS-Systems zur Seite - und das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Doch was war passiert?

Röseners Sohn Kim leidet unter einer Herzschwäche

Röseners Sohn Kim (19) aus Ofterdingen (Baden-Württemberg) ist 18, als er auf einmal krank wird: Während eines Praktikums im Kindergarten infiziert er sich mit einem Grippe-Virus, wie ihn so viele jedes Jahr haben. Doch der junge Mann bekommt plötzlich Atemnot, muss ins Krankenhaus. Die Ärzte stellen fest, dass Kim an einer Herzmuskelschwäche leidet. Deshalb muss er eine Defribrillator-Weste tragen, die Herzunregelmäßigkeiten erkennt und im Notfall Elektroschocks abgibt. 

Doch auch währen der Reha, die fünf Wochen andauert, verbessert sich sein Zustand nicht, er hat starken Husten und spuckt sogar Blut. Als er während eines Konzerts in Berlin plötzlich zusammenbricht und bewusstlos wird, kommt er in die Berliner Charité, wo ihm ein kleiner Defibrillator in die Brust implantiert wird. Doch das Herz hat nur noch eine Leistung von 20 Prozent. Deshalb wird Kim in eine Spezialklinik nach Heidelberg verlegt. 

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"Meinen Resturlaub und alle Überstunden hatte ich bereits aufgebraucht"

Um immer bei seinem Sohn zu sein, übernachtet Vater Jens in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz. Doch da steht er auf einmal vor einem ganz anderen Problem: "Meinen Resturlaub und alle Überstunden hatte ich bereits aufgebraucht", sagt er gegenüber bild.de. "Ich bat meinen Chef um unbezahlte Freistellung." 

Aber MTS-Geschäftsführer Marcus Piepenschneider hatte etwas anderes im Sinn: "Wenn schreckliche Dinge im Leben geschehen, muss man als Team ein wenig zusammenrücken und sich gegenseitig helfen", erzählt Piepenschneider dem Blatt.

Und so schickt er eine Rund-Mail an alle Mitarbeiter und bittet sie darum, ihre Überstunden zu spenden. Die Kollegen folgten dem Aufruf gerne, und so kommen dank der 110 Mitarbeiter insgesamt 930 Überstunden zusammen. Das entspricht 116 Arbeitstagen! Genug Zeit also, damit Rösener seinem Sohn beistehen kann. 

So geht es Röseners Sohn inzwischen

Und die Zeit sollte sich noch als wertvoll erweisen: Zwischenzeitlich sank Kims Herzleistung auf nur noch fünf Prozent, er kam auf die Spenderliste für eine Herztransplantation. Eine schwere Zeit für beide, in der der fürsorgliche Vater nicht von Kims Seite wich.  

Inzwischen hat sich Kims Herzleistung aber wieder verbessert, er geht sogar wieder zur Schule und will dieses Jahr sein Fach-Abitur machen. Bei den Kollegen seines Vaters bedankte er sich mit einer rührenden E-Mail: "Durch diese Möglichkeit seid Ihr ein großes Stück an meiner jetzigen gesundheitlichen Situation beteiligt."

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Von Andrea Stettner

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Rubriklistenbild: © Facebook / MTS Systems Corporation

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